„Ein Deutscher ist ein Mensch, der keine Lüge aussprechen kann, ohne sie selbst zu glauben.“ (Adorno)

Es ist ein schlechter Treppenwitz, dass auf der Antinazidemo in Bremen am 26. März auf dem Bahnhofsvorplatz der obligatorische „Lies“-Salafistenstand völlig unbehelligt für den Islamfaschismus werben kann, während sich die Antifaschisten daneben die Füße wund treten und vergeblich auf die 15 Rechten warten, die nach fünf Minuten Aufenthalt wieder woanders hingeschickt werden.

Deutscher Postnazismus: Faschisierung ist Islamisierung

Wem noch nie so recht eingeleuchtet hat, was denn nun eigentlich mit der postnazistischen Verfasstheit der deutschen Gesellschaft gemeint ist, kann sich dem Gegenstand der Kritik anhand solcher Absurditäten trefflich mit einem allgegenwärtigeren Begriff nähern: dem der Islamisierung. Wenn sich ein Großteil der antifaschistischen Szene kultursensibel zum gemeinschaftlichen Fußmarsch formiert, um das antifaschistische Image einer norddeutschen Salafistenhochburg, eher noch ihrer linksliberalen Schollenenklaven wie Viertel und Neustadt zu verteidigen, ist diese Tendenz überdeutlich: nazifrei ist das Halal der linken Berufspalästinenser. Israelsolidarische Lippenbekenntnisse hin oder her, wer das, was man Westen nennen kann, und den Rechtsstaat kapitaler Vergesellschaftung westlichen Zuschnitts so verschwörungsideologisch verachtet, wie Bremer Linke es notorisch tun, ist in seinem strukturellen Antizionismus näher am Behemoth des palästinensischen Opferkollektivs, als dass man auch nur wohlwollend von einem Antifaschismus auf Höhe der Zeit sprechen könnte. Dagegen, Neonationalsozialisten bandenmäßig das Leben etwas schwerer zu machen, wäre vielleicht je nach demografischer Konstellation noch nicht einmal etwas einzuwenden, auch wenn in Zeiten vom ‚Aufstand der Anständigen‘, Staatsantifaschismus und der virilen ummasozialistischen Potenz so etwas wie antifaschistische Praxis verstellter ist denn je.

Wenn sich allerdings in einer Stadt, die ihr rot-grünes Mantra mit einer derartigen Vehemenz nach außen trägt, an ein paar gesellschaftlich völlig marginalisierten rechten Randgestalten abgearbeitet wird, anstatt jene Deutsche Ideologie1 ins Visier zu nehmen, in deren Namen tagtäglich Andersgläubige, Juden und Homosexuelle in großer Zahl getötet, Frauen unterdrückt und versklavt werden, dann sagt das viel über die schollenmentale Verfasstheit der hiesigen linken Szene aus. Würde die Bremer Linke wenigstens alle deutschen Ideologen kritisieren, erschiene sie zumindest ein kleines bisschen sympathischer.

Das tut sie aber nicht und deswegen wäre mit dem Begriff der Islamisierung freilich die irrationale deutsche Mehrheitsgesellschaft gemeint, die Staatsantifa, ihre zivilgesellschaftliche Avantgarde und natürlich auch die leider immer noch strafsteuerfreien Käffer der sächsischen Altmark – nicht aber der massenmörderische Jihadismus, für den schon der Begriff des Faschismus, wenn er auch durchaus trifft, im Angesicht eines ganz zu sich selbst gekommenen islamischen Säuberungs(un-)staates eine Verharmlosung wäre. Treffender wäre hier in begrifflicher Konstellation zum Nationalsozialismus, der ja auch ein Bandenprojekt war und an dessen Erbe in der arabischen Welt allerorten ganz offen angeknüpft wird, vom Ummasozialismus zu sprechen. Damit hätte man den Vorteil, den die Rede vom Islamfaschismus bereitet und die nicht falsch ist, wieder eingefangen: der darin enthaltene Hinweis, dass der moderne Islam in seiner lustfeindlichen Melange aus todessehnsüchtiger Welt- und vernichtungsantisemitischer Zeitablehnung mehr links als konservativ zu nennen wäre, mehr schlechten Tugend-Rousseau und modern-antimodernen van den Bruck beinhaltet als bloßen Blut-und-Boden-Traditionalismus – was schlimm genug wäre –, ob nun im Status jihadistischer Mobilisierung oder als ‚moderat‘ verharmlostes Alltagselend.

Religionskritik ist unter Linken nicht einfach nur ein verlerntes Desiderat. Vielmehr trägt die linke Praxis in ihrem wahnhaften Widersinn schon der Form nach alles in sich, was man Alltagsideologie diesseits der Aufklärung, was man einen „ungeglaubten Glauben“ (Adorno) nennen kann; hat also selbst mehr religiöse als aufgeklärte Züge. Das zeigt sich schon am Unbehagen, das bei mancher ehrlichen Haut zuweilen aufkommt, an der Frage – die man sich nie so explizit stellen mag, weil die Antwort dann nur allzu klar wäre –, weshalb man eigentlich noch dann krampfhaft an einem linken Projekt festhalten möchte, wenn man eingesehen hat, dass Linke zum ganz überwiegenden Teil Antikommunisten sind und aus ihrer Vorliebe für vormoderne „Blutsurenge“ (Marx) noch nicht einmal einen Hehl machen. Ein Unbehagen, das zumeist abgespalten wird und feindsemantisch ausschlägt gegen solche, die mit dem globalen linken säuberungsaffinen Projekt und seiner formellen wie informellen Bündnisfähigkeit zum offenen Antisemitismus nichts zu tun haben wollen, also das Emblem ‚links‘ vernünftigerweise ablehnen, um von dessen Inhalt zu retten, was vielleicht noch zu retten wäre.

Nationale Saubermänner

Es ist keine Überraschung, dass vier Tage nach dem jüngsten islamisch motivierten Massaker in Europa Bremer Linke natürlich nichts Besseres zu tun haben, als zum circa allhalbjährlichen Schaulaufen gegen randständige Neonazikader, ‚besorgte Bürger‘ und sonstige Elendsgestalten zu blasen. Der Vorwurf besteht weniger darin, dass Bewegungsantifas sich demgegenüber nicht aktionistisch genug gegen die salafistischen Bruderhorden stellen, also jene Muslime, die am bewaffneten Jihad am dichtesten dran sind. Niemanden kann man zum Vorwurf machen, seine eigene körperliche Unversehrtheit preiszugeben, um sich anstelle von Professionellen den todesliebenden islamischen Freischärlern oder jenen, die kurz davor sind, in den Weg zu stellen. Es ist aber ganz bezeichnend, wie niemandem auffallen will, wie sehr die Bewegungsantifas sich in Form und Inhalt ihrer Praxis regelmäßig zum kollektiven Kleinkind verblöden, weswegen es nicht einfach darum gehen kann, ihnen einen neuen Lieblingsfeind schmackhaft zu machen, sondern sie zur Kritik des falschen Ganzen anzuhalten.

Ganz abgesehen von der offensichtlich dummen antirassistischen Selbstbefriedigung, das virulente islamkulturelle Patriarchat mit einer Rede von hiesigem ‚Alltagssexismus‘ zu relativieren, wozu man sich noch einmal ausführlicher äußern könnte, ist frappant, wie zwanghaft geleugnet wird, dass der Staatsantifaschismus das eigene Demospektakel gegen autochthone Neonationalsozialisten und Rechtspopulisten aller Couleur regional je spezifisch überflüssig macht und eine antideutsche Kritik auf Höhe der Zeit doch vielmehr den zivilgesellschaftlich und staatlich laxen und hegenden Umgang mit kontemporärer Deutscher Ideologie in Vorstufe und Reinform visieren müsste: den Mehrheitsislam sowie sein raumgreifendes Schillern – das beständig Öffentlichkeit und Privatheit verschmilzt – zwischen unmobilisierter Nährideologie, die man mit ‚konservativ-orthodox‘ schon falsch als Randphänomen insinuiert, und mobilisiertem Jihadismus.

Da von rationalem Denken, das den Unterschied zwischen Mittel und Zweck kennt, geschweige denn von Kritik, die diesen Namen verdiente, unter Linken keine Rede sein kann, ähneln linke Postmodernisten ihr Identitätsprojekt in Kritikunfähigkeit und Denkunwillen ganz offen der Sozialfigur des bockigen Mohammedaners an. In einem Gestus, wie er infantiler nicht sein könnte, wird das eigene Gemeinschaftsbedürfnis verschwörungsideologisch abgespalten, auf Phänomene projiziert, die der verkorksten Spekulation der Ideologen selbst entspringen, und personalisiert bekämpft. Linke halluzinieren sich einen nationalistischen Backlash herbei, wo Pegida, AfD und Co doch in Relation zur Mehrheitsgesellschaft nichts weiter als der Haudrauf der anständigen Nation sind, an dem der Saubermann sich empört abarbeitet. So ist die Vermutung gar nicht so fernliegend, dass Staatsantifa, postliberale Mainstreammedien und Antinationalisten womöglich mit dem medialen Dauerbeschuss, den sie der AfD bescheren, den ein oder anderen verdorbenen ‚Protestwähler‘ erst noch mobilisiert haben. Die kindische Häme, die insbesondere ihre weiblichen Führungsfiguren trifft – mitunter in Formen, die sonst als sexistisch gelten und solchen, die man aus der ordinären Behindertenfeindlichkeit kennt2 – gleicht dem nationalen Exorzismus, mit dem einst Guido Westerwelle mit ritualisiert närrischem Spott überzogen wurde. Ein selbstgerechter Hohn, der irgendwann einfach aufhört, sich inhaltlich überhaupt noch zu rechtfertigen. Es bleibt dann eine schale autosuggestive Humoristik, die sich selbst total verblödet hat, was sich beispielsweise daran absehen lässt, wie zu Frauke Petrys Einlassungen zum Islam selbst nur ungeglaubt dumme Kulturschutzphrasen gedroschen werden, für die man als denkender Mensch gleichfalls nur Verachtung übrig haben kann.3

Während die linksalternative Zivilgesellschaft den Karneval der Kulturen der Berliner Republik beschwört, wollen Bewegungsantifas sich nicht eingestehen, dass die AfD eben nicht Vorschein eines allseits lauernden bürgerlichen Rassismus ist, von dem Linke sich – von Staats wegen wie immer verraten und verkauft – umgeben wähnen, sondern eine milieuspezifische marginalisierte fremdenfeindliche Deppentruppe, die besonders in der Zone, wo das kryptoantisemitische Ticket gegen ‚die da oben‘ durch die Linkspartei längst fröhliche Urständ feiert, eine teils beachtliche Wählerschaft findet, aber auch hier in der Parteienlandschaft ein randständiges Dasein fristet. Reale Probleme, die auch in Bremen beispielsweise durchaus bei dem längst im Zerfall begriffenen rechtsradikalen Milieu, aber vor allem in den islamischen Zwangsverhältnissen zu suchen sind, können so nicht kritisiert werden. Während rationale Zeitgenossen zu den Brandanschlägen von Ersteren noch ein paar klare Gedanken formulieren, etwa dass diese schwierig zu verhindern sind und besonders justizielle Abschreckung und hohe Aufklärungsquoten Mittel zum Zweck wären, wird der antisemitische und antiwestliche jihadistische Feldzug gegen alle ‚Kuffars‘ dieser Welt als Naturphänomen versachlicht: woher die jihadistische Neigung, mit welchem staatlichen Mehraufwand sie sich besser bekämpfen ließe, interessiert in der postnazistischen Gesellschaft niemanden mehr, dem man Restvernunft noch zusprechen könnte; keiner will zugeben, dass es eine Lüge war und bleibt, sich mehrheitsgesellschaftlich die Mär vom friedlichen Islam aufzutischen, dass der kritikfeindliche Multikulturalismus die Probleme bloß noch größer macht.

Ummasozialistische ‚Blutsurenge‘

Der Ummasozialismus als gewaltvolles Identitätsprojekt, das beständig gekränkten verschwörungsideologischen Halt suchen muss, um die Zumutungen der kapitalen Wertvergesellschaftung, der eigenen Murksvergemeinschaftung und ihrer kritik- und lustfeindlichen Versubjektivierung notdürftig zusammenzuhalten, wovon ganz besonders die schlecht triebsublimierende Geschlechterapartheid und ihr Phallozentrismus zeugt, hat nicht von ungefähr viel mit rechten und linken antiimperialistischen Volksgemeinschaftsapologeten gemein. Nichts ist deren völkischem Bedürfnis weniger fremd, als sich ebenfalls als Opferkollektiv schlechthin zu stilisieren, „innere Zustände in riesige äußere Monumente“ (Theweleit) zu verwandeln, und sich in neidprojektiver Abspaltung islamophilen Sehnsüchten hinzugeben, wie es bei objektbeziehungsgestörten linken Kulturrelativisten und ‚körpergepanzerten‘ neo-nationalsozialistischen Hooligantrupps ebenfalls ganz offensichtlich ist. Der westliche Selbsthass, die autosuggestive Versachlichung der Barbarei zum ‚religiösen Fundamentalismus‘, ist dabei das projektive Pendant zur futuristischen Tod- und Technikverliebtheit der Ummasozialisten und ihrem Wahn zur strafbedürftigen Entlebendigung alles Ungläubigen zu „blutigem Brei“ (Theweleit).4

Der Unterschied zwischen linken Gefühlsjihadisten, die ihren Erlösungsdrang zum Positiven und Konkreten als Pseudo-Aktivismus ritualisiert haben, und jenen Ummasozialisten, die nur ein paar sadistische Sätze aus einem Schundbuch brauchen, um sich der Subjektdeformation islamkultureller Sippenhaft mit der narzisstischen Wonne des notorisch beleidigten Kleinkindes hinzugeben, ist freilich einer ums Ganze: dank des anonym abstrakten Unwesens, das die allgemeine, unverständliche Synthesis des Werts bereitet, und dank funktionstüchtiger Instanzen der Vermittlung eines Rechtsstaates, der Deutschen bekanntlich aufgezwungen werden musste, wird bisweilen noch fast jeder Appell an Volkes Souveränität in die einengende bürgerliche Familialisierung gelogener Privatautonomie gebannt, changieren die autochthonen Deutschen als massenhaft vereinzelte Sozialcharaktere beständig zwischen Besitzindividuum und Eigentumsbestie. So, wie die notwendige Marktförmigkeit der postliberalen Parteiendemokratie um den Preis postnazistischer Konzeptlosigkeit und quälender autoerotischer Selbstbezüglichkeit gegen den beständigen Aufhebungsdrang politischer Mobilisierung noch das Bessere ist, macht es natürlich einen Unterschied, dass das Identitätsprojekt der Umma-Rackets ganz der Lehre getreu durch und durch mit Erfolg auf die Sphäre der Öffentlichkeit zielt, um diese nach dem Vorbild zuzurichten, wie man sich privat schon selbst verdorben hat. – All das auf dem Denkniveau eines brutalisierten Pixiebuches, das von den vaterfigurativen Allmachtsfantasien eines sadistischen Oberpatriarchen mit der literarischen Fantasie des Grundschülers zeugt. Was die ideologische Nähe des kontemporären Mehrheitsislam zu im weitesten Sinne faschistischen Konzepten ausmacht, ist nicht nur die Selbstunterwerfung geschlechtsapart ‚körperpanzernder‘ Subjektivität – von der der Islam bekanntlich seinen Namen hat und die ja nicht einmal beschädigt zu nennen ist, sondern erst überhaupt einmal nach bürgerlichem Vorbild aufzurichten wäre –, es ist überhaupt jenes Allmachtsversprechen, das Allah mit seinen Sklaven teilt: wenn du dich mir unterwirfst, erhebe ich dich über die Ungläubigen. Die grausame Höllenvorstellung im (modernen) Islam ist nicht einfach Hauptmotivation der eigenen Unterwerfung aus Furcht vor dem Tod, sondern ungeglaubter Affekt auf das westliche „Gewimmel“ (Theweleit), die eigene triste irdische Unliebsamkeit und den uneingestandenen Drang zur sadistischen Triebabfuhr männlich (nicht zwingend mann-männlich) versubjektivierter Narzissten, weswegen zwar durchaus auch naive, aber in Sonderheit bereits verrohte Elendsgestalten zum islamischen Kämpfer oder in geringerer Zahl zu freiwilligen Märtyrerehefrauen verwildern. Überhaupt stellt die von beispiellosem Sadismus zeugende Höllenvorstellung im Sunniten- und Schiitentum – die in der Bibel immer schon abstrakter gehalten war, auf verschiedene Bedeutungen zurückgeführt wurde und mittlerweile mehrheitlich annulliert oder zumindest stark relativiert wurde – einen ideologischen Kern der missionarischen Rhetorik islamischer Expansion dar.

Hart gearbeitet wird im mehrheitsislamischen Ritus beileibe nicht für so etwas wie den Zweck eines Vereins freier Menschen, der allgemeinen Versöhnung, wie es andere monotheistische Religionen der Tendenz nach mit manchem Recht von sich behaupten könnten. Die Emsigkeit, mit der die Selbstzurichtung des islamischen Gewaltprogramms mit seinen fünf Säulen projektiert wird, ist die offene Egomanie und der verkappte Neid des Sozialdarwinisten, der nur dem etwas gönnt, der sich ebenso abrackert und als Gleicher identifiziert werden kann. Auch unter ‚moderaten‘ Muslimen formiert sich ganz offen die dogmatisierte „Gleichheit des Rechts zum Unrecht durch die Gleichen“ (Horkheimer/Adorno), wovon die anmaßend-widerliche, aber teils mit ehrlich-arrogantem Bedauern vorgetragene Selbstgewissheit plaudert, dass ‚Kuffars‘ leider Gottes in der Hölle enden.

Die vermeintliche Offenheit des islamischen Ummakollektivs, das jederzeit auf Feindaufklärung gepolt ist, lässt den Islam zum postmodernen Pluralismusprojekt erster Güte avancieren, was eben nicht bloß für die bekennenden Salafisten und ihren jihadistischen Arm, sondern bereits für den Mehrheitsislam gilt. Noch dort, wo er sich zu einer Art Alltagsideologie teilsäkularisiert hat, ist sein verbreitetstes Kulturprodukt die geschlechtsasymmetrisierte, also männlich zentrierte heroische Ehre des Gehätschelten, was die ganze heillose Hässlichkeit des modernen Islam offenbart. Es kann da wenig überraschen, dass trotz ganz ähnlicher religiöser symbolischer Ordnungen das innerislamische Gemetzel an Graten dogmatischer Schismen und uralter Blutsbande seit Jahr und Tag nicht zu halten ist.5

Schon Marx vermerkte: „Der Koran und die auf ihm fußende muselmanische Gesetzgebung reduzieren Geographie und Ethnographie der verschiedenen Völker auf die einfache und bequeme Zweiteilung in Gläubige und Ungläubige. Der Ungläubige ist ‚harby‘, d.h. der Feind. Der Islam ächtet die Nation der Ungläubigen und schafft einen Zustand permanenter Feindschaft zwischen Muselmanen und Ungläubigen.“

Bremen: salafistische Mordzentrale

Trotz der schon nach dem antisemitischen und antiwestlichen Massaker vom 11. September 2001 erwiesenen Tatsache, dass Deutschland vorzüglich als Rückzugsort für Jihadisten fungiert, ist die mehrheitlich migrantische Bevölkerung aus dem arabischen und türkischen Raum immerhin noch stark kemalistisch, kurdisch oder streckenweise auch alevitisch geprägt und damit noch lange nicht so verdorben, wie die vielzähligen meist dem ultrakonservativen Sunnitentum verschriebenen Einwanderer aus Somalia, Algerien etc. in den französischen Banlieus oder dem Brüsseler Salafistenpfuhl Molenbeeks, wo es mittlerweile ebenso ‚judenrein‘ zugehen dürfte, wie jeder Homosexuelle und sonst wie nicht ins scharia- und sunnakonforme Weltbild Passende dort potenziell zur Persona non grata wird.

Obwohl man auch in Deutschland bereits bei einem nachmittäglichen Spaziergang mit Kippa auf dem Kopf in Berlin-Kreuzberg, Hamburg-Harburg oder Bremen-Gröpelingen um seine physische Unversehrtheit bangen muss, hat sich hier zumindest noch kein gänzlich vergleichbarer staatsferner muslimisch-arabischer Autonomiemoloch entwickelt.

Doch auch in Deutschland steigt die Jihadistenquote signifikant an und ist die Anzahl von Syrienausreisenden beachtlich. Vor allem Jugendliche, die in der dritten Generation oftmals sogar aus einem für islamische Verhältnisse einigermaßen säkularen Elternhaus kommen, werden durch die Propaganda zahlreich agitiert. Dabei stellt Bremen einen Hotspot dar. Nirgendwo in Relation zu der Einwohnerzahl leben so viele Salafisten in Deutschland. Eine Vielzahl davon wird vom Staat als ‚gewaltbereit‘ eingestuft, was auch immer das heißen mag in Abgrenzung zu den zahlreichen anderen eklatanten Grausamkeiten islamisch-patriarchaler Zwangsvergemeinschaftung, die nie ganz ohne Gewalt auskommt. In der Bremer Hansestadt findet sich allein mit den 360 vom Verfassungsschutz beobachteten Salafisten so viel geballte deutsch-ideologische Kapazität, wie man sie so hoch konzentriert nur an wenigen anderen Orten findet; sogar das neo-nationalsozialistische Potenzial der durchschnittlichen ostzonalen Tristesse verblasst dagegen, wenn auch das salafistische Wellnessangebot6 nach außen hin oft als dezente Mobilmachung erscheint, die sich harmlos gibt.

Kommunistische Kritik

Das apathische Schweigen der Linken und ihre ideologische Affinität zu einer Ideologie, die die größte jüdische Auswanderungswelle in Europa nach über siebzig Jahren veranlasst hat, die arabische Welt anhaltend in Schutt und Asche legt und dort jegliche Bürgerlichkeit verhindert, ist abstoßend. Dabei liegt es auf der Hand, dass eine materialistische kommunistische Kritik an deutschen Verhältnissen nicht nur eine Kritik am Jihadismus, sondern am Islam an und für sich erfordert.

Um dies zu sehen, bedarf es keiner kritischen Theorie, sondern nur eines simplen Gedankenspiels: Wenn es auf der Welt hunderte verschiedene christliche Terrorgruppen gäbe, die jeden Tag Juden, Frauen, Homosexuelle und Abweichler versklavten und umbrächten, die seit 60 Jahren zur Vernichtung der sich zum zionistischen Schutzraum zusammengefundenen lebenden Juden aufriefen und jedem, der nicht ihrer Gemeinschaft angehört bzw. zu ihnen konvertiert, falls er das denn darf, ewig lange Folterqualen in der Hölle voraussagen würden – käme dann auch nur irgendein Mensch auf die Idee zu behaupten, dass dies nichts mit dem Christentum zu tun hätte? Wenn der Papst nach Berlin kommt, fährt die Linke ein mekkanischen Pilgerfahrten gleichendes Großaufgebot auf, aber wenn Imame Hass und Verachtung predigen, bleibt es still im linken Dunstkreis.

Nicht nur Churchill, Atatürk, Lenin, Voltaire und Marx wussten, was liberale arabische Intellektuelle, Feministinnen und politisch Verfolgte wissen: wenn das Wort Allahs und seine faschistische Potenzialität nicht in Frage gestellt, einer Kritik unterzogen und also gebrochen wird, kann es keine humanen islamischen Verhältnisse geben. Was das bedeutet ist klar: es wurde genug Islam mit Islam bekämpft, er wurde genug geschont, kulturrelativistisch und sozialpädagogisch besprochen.

Antifaschismus, besser noch Ideologiekritik muss angesichts der Unfähigkeit und des Unwillens der muslimischen Gemeinschaft, nicht einmal das Grauen des Islamischen Staates als Anlass zu ernsthafter Selbstkritik islamischer Vergemeinschaftung nehmen zu können und stattdessen verschwörungsideologisch auf den Westen zu projizieren, davon ausgehen, dass sich der Islam nicht mehr aus sich selbst heraus liberalisieren kann, bis das Gegenteil bewiesen wird. Folgerichtig heißt Antifaschismus die Waffen der Kritik am Islam so zu schärfen, dass es wehtut.

Der Mehrheitsislam und seine Blutsbandenkultur, nicht erst der ‚Islamismus‘, also die jihadistische Praxis, muss dort, wo er ein protofaschistisches Projekt darstellt, also nahezu überall, rigoros entkollektiviert ins Private zurückgedrängt und jeder seiner unfreiheitlichen Glaubenssätze schonungsloser Kritik unterzogen werden. Zu dieser für Muslime ganz sicherlich schmerzhaften Prozedur gehört selbstverständlich auch den antisemitischen arabischen Gemeinschaftskitt – der offen vernichtungsantisemitische Antizionismus – wie die gescheiterte arabische Vergesellschaftung überhaupt in den Fokus der Kritik zu rücken. Bremer Linken freilich fällt nicht einmal zum ‚Islamismus‘ etwas ein, der als autistisches Endstadium in praxi allerdings auch nur einer Kritik der Waffen noch zugänglich ist.

Religions- und Ideologiekritik muss von Muslimen einfordern, sich endlich für die so aufdringlich wie frechen Abscheulichkeiten verantwortlich zu fühlen, die weltweit in den Moscheen ganz mehrheitlich verzapft werden und die islamisierten Subjekte in Unmündigkeit halten. Nach der Kritik könnte es dann eine Bestandsaufnahme geben, was vom Islam noch übrig wäre. Es ist nicht die Aufgabe von westlichen Akademikern apologetische Koranexegese zu betreiben, um eine religiöse Praxis herauszuschälen, die wenigstens westlich-bürgerlichen Standards des öffentlichen und privaten Zusammenlebens genügt, die bekanntlich die besten sind, die in kapitalistischen Gesellschaften bislang existieren und vermutlich innerhalb dieser Verhältnisse überhaupt existieren können. Es ist die Aufgabe gläubiger Muslims und Muslima, die wirklich liberal sein wollen, zu Kritik und Reformation überzugehen, wenn denn angesichts der weltweiten Zustände und eines kaum existenten ‚Euroislam‘ von Allahs sakrosanktem Wort unwahrscheinlicherweise etwas zu retten wäre und trotz des kritikfeindlichen apodiktischen Dogmas überhaupt gerettet werden kann.


Fußnoten

2 Vgl. zur Reminiszenz an „ordinäre Behindertenfeindlichkeit“ David Schneider, „We never promised you a rosengarden“, Bahamas 72
4 Vgl. zu Theweleits Männerfantasien bündig: http://www.zeithistorische-forschungen.de/3-2006/id%3D4650; vgl. zum Futurismus nur dessen Manifest: http://www.kunstzitate.de/bildendekunst/manifeste/futurismus.htm
6 Vgl. zu Wellness und weiblichen Paradiesvögeln des Jihad kurz: http://www.redaktion-bahamas.org/aktuell/20160131darmstadt.html
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