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Aktion Zaungast

Gegen den ‚palästinensischen‘ Volksstaat

Flugblatt

1870 lebten ungefähr 25.000 Juden in der Region, die Palästina genannt wird und nach der Herrschaft des Osmanischen Reiches Teil des britischen Mandatsgebiets wurde. Um die Jahrhundertwende war die Gegend mit schätzungsweise 400.000 Menschen dünn besiedelt. Die jüdische Einwanderung als Flucht vor den antisemitischen Verhältnissen in Europa und aus Gründen jüdischer Tradition nahm Fahrt auf, der politische Zionismus als Bewegung entstand. 1896 schrieb Theodor Herzl das bekannte Buch Der Judenstaat. 1922 machte die jüdische Bevölkerung in Palästina rund elf Prozent aus, 1932 siebzehn Prozent. Nach mehreren Einwanderungsperioden stellten Juden 1937 ein knappes Drittel der Einwohner Palästinas. Zur israelischen Staatsgründung 1948 lebten ungefähr 700.000 Juden in Palästina sowie 1,2 bis 1,4 Millionen Nichtjuden. – Das war drei Jahre nach der Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden durch Deutschland und seine Hilfsvölker und über ein Vierteljahrhundert nach den ersten antijüdischen Pogromen von arabischer Seite in Palästina.

Der Vernichtungsantisemitismus des 20. Jahrhunderts ging von Anfang an mit Antizionismus einher; sowohl der arabische als auch der deutsche. Beide sind historisch und ideologisch miteinander zutiefst verbunden. Der spätere Großmufti von Jerusalem, glühender Antisemit, islamistischer, panarabischer Nationalist und erster Führer der ‚palästinensischen‘ Bewegung Mohammed Al-Husseini war schon 1920 an antijüdischen Morden beteiligt.
Im gleichen Jahr sagte der Weltkriegs-Gefreite Adolf Hitler in einer Rede: „Der ganze Zionistenstaat soll nichts werden, als die letzte vollendete Hochschule ihrer internationalen Lumpereien und von dort aus soll alles dirigiert werden (…).“ Und der spätere nationalsozialistische Chefideologe Alfred Rosenberg schrieb 1922: „Zionismus ist, bestenfalls, der ohnmächtige Versuch eines unfähigen Volkes zu produktiver Leistung, meistens ein Mittel für ehrgeizige Spekulanten, sich ein neues Aufmarschgebiet für Weltbewucherung zu schaffen.“

Die antisemitischen Pogrome häuften sich in Palästina. Nach dem Massaker in Hebron 1929 freute sich die Rote Fahne, Parteizeitung der KPD in Deutschland, mit der Überschrift „Araberaufstand wächst!“ über 67 tote Juden. Eine vernichtungsantisemitische Massenbewegung entsteht. Beachtlich ist, dass während des sogenannten ‚arabischen Aufstands‘ zwischen 1936 und 1939 fast ebenso viele Juden von Arabern ermordet wurden, wie Araber durch innerarabische Machtkämpfe ums Leben kamen.

Mit der realen jüdischen Besiedelung Palästinas hatte dies offenkundig nichts zu tun. Das hielt den Mufti allerdings nicht davon ab, für die dortige arabische, oft in clan-feudalen Abhängigkeitsverhältnissen lebende (Land-)Bevölkerung den antisemitischen Führer zu spielen und Clan-Rivalitäten auf Kosten der Juden auszutragen. Er sicherte seiner Clique unter Mord und Totschlag die Macht und installierte schließlich ein revolutionär-islamisches Terrorregime mit Kleiderordnung und anderen Grausamkeiten.

Al-Husseini reihte sich ganz offen in die national-sozialistische Internationale ein. Er ließ sich und seine vernichtungsantisemitische Bewegung von Deutschland finanzieren, sorgte für die Aufstellung muslimischer SS-Divisionen, setzte sich erfolgreich für die Vergasung von 5000 jüdischen Kindern bei Himmler ein, bat Hitler inständig um ein judenfreies Palästina und verbündete sich mit anderen Islamnazis. Zum Beispiel mit der 1928 in Ägypten gegründeten, ebenfalls bis ins Mark antisemitischen Muslimbruderschaft – die arabische Erweckungsbewegung für den modernen Islamismus – und den damals entstehenden quasi national-sozialistischen Bewegungen in Syrien und im Irak.
Das Konzept des Heiligen Krieges wie es der Führer der Muslimbruderschaft Hasan Al-Banna 1938 in seinem Artikel Die Todesindustrie beschrieb, wurde bestimmend für den arabischen Antisemitismus: „Derjenigen Nation, welche die Industrie des Todes perfektioniert und die weiß, wie man edel stirbt, gibt Gott ein stolzes Leben auf dieser Welt und ewige Gunst in dem Leben, das noch kommt.“
Al Husseini hatte also ganz Recht mit seinem Bekenntnis: „In der Bekämpfung des Judentums nähern sich der Islam und der N.S. einander sehr.“ (1944) Zahlreiche deutsch-palästinensische Kommandos waren im Zweiten Weltkrieg im Nahen Osten unterwegs, nach der Kapitulation Deutschlands wurden deutsche Vernichtungsexperten von verschiedenen arabischen Regimen angeheuert. Der Nachfolger des Muftis wurde Jassir Arafat, dessen Nachfolger ist Mahmud Abbas – Propagandisten und Überzeugungstäter der gleichen national-sozialistischen Mordideologie, die offiziell das zentrale Bindungsmoment der palästinensischen Volksgemeinschaft darstellt.

Der Rest der Geschichte ist bekannt. Nach der israelischen Staatsgründung 1948 führten fünf arabische Staaten samt palästinensischer Mordkommandos einen Angriffskrieg gegen Israel, den sie verloren. In vielen arabischen Ländern gab es in dieser Zeit Judenpogrome, viele zehntausend Juden aus dem arabischen Raum mussten Zuflucht in Israel suchen.
Zur bitteren Zwangsläufigkeit des Sechstagekriegs 1967 seien nur zwei arabische Führer zitiert:

„Wir wollen einen totalen Krieg ohne Einschränkungen, einen Krieg, der die zionistische Basis zerstören wird.“ – Syriens Präsident Nureddin Mustafa al-Atassi am 22. Mai 1966
„Unser grundlegendes Ziel ist die Vernichtung Israels. Das arabische Volk will kämpfen.“ – Ägyptens Präsident Gamal Abdel Nasser am 27. Mai 1967

Die palästinensische Volksbewegung trachtet seit ihrer Geburt nach Judenmord. Unterstützung finden die ‚Palästinenser‘ dabei offenkundig nicht nur in der arabischen und islamischen Welt. Nahezu die gesamte globale Linke befindet sich heute formell oder informell in einem antizionistischen Bündnis, das in seiner Konsequenz notwendig ein vernichtungsantisemitisches ist. Unlängst hatte sich die Obama-Administration dazugesellt.

National-Sozialismus bedeutet Krisenlösung durch Vernichtung und Volksherrschaft der Banden. Die meisten zivilen Toten auf palästinensischer Seite gehen nicht auf das Konto der israelischen Selbstverteidigung, sondern auf das Konto heimischer Säuberungsaktionen. Das palästinensische Mordkollektiv verstetigt mutwillig den eigenen identitären und ökonomischen Bankrott. Seine Mitglieder können sich von der internationalen Gemeinschaft finanziell aushalten lassen oder für Ruhm und monetäre Vorteile für die Familie ihren Tod in Wert setzen. Die israelische Siedlungspolitik hat mit dem palästinensischen Desaster nichts zu tun. Die palästinensischen Flüchtlinge, die meist längst keine mehr sind, waren ohnehin seit jeher außen- wie innenpolitischer Spielball der arabischen Staaten.

Der UN-Teilungsplan von 1947 sah zwei Staaten vor, die Menschenrechte achten und Religionsfreiheit gewährleisten sollten. Davon kann bei den palästinensischen Institutionen keine Rede sein. Wer bereit ist, Lehren aus Vergangenheit und Gegenwart zu ziehen, muss gegen den palästinensischen Volksstaat sein. Die Herrschaft der umma-sozialistischen sowie national-sozialistischen Banden, wo Judenhetze und Judenmord an der Tagesordnung sind, ist schlimm genug. Einen judenreinen, national-sozialistischen oder islamischen Volksstaat Palästina darf es nicht geben.

Zum Nachlesen:

Klaus-Michael Mallmann/Martin Cüppers (2006): Halbmond und Hakenkreuz. Das Dritte Reich, die Araber und Palästina sowie Matthias Küntzel (2002): Djihad und Judenhass. Über den neuen antijüdischen Krieg.

Für den Kommunismus – Lang lebe Israel !

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Die Linken und der Rechtsliberale. Faschisierung im Postnazismus

Flugblatt

Der Gewaltforscher Jörg Baberowski war vom CDU-nahen Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) zu einem Vortrag eingeladen worden, wogegen der Asta aufgrund seiner Äußerungen zur Flüchtlingspolitik unter dem Motto: „Keine Uni dem Rassismus! Rechtsradikalen das Podium nehmen!“ Sturm lief und der Vortrag letztlich woanders stattfand.
Das Engagement linker Aktivbürger gegen alles, was rechts von ihnen steht und deshalb rechtsradikal sein muss, verdrängt den eigenen Beitrag zur Faschisierung. Dabei macht die linke Moral einem Baberowski in Sachen Faschismusverstehertum und Völkerverbundenheit tüchtig Konkurrenz. Von so etwas wie Islamkritik wollen beide Seiten nichts wissen. Sortiert wird ganz allgemein nach Nützlichkeit, an der Grenze wie im Diskursalltag. Wo sich kein Mehrwert garantieren lässt, wird mit Glück geduldet, mit Sicherheit zwangspädagogisiert.

Wer nicht mittun will, beim allgemeinen Lob der Differenz und dem notwendig daraus folgenden Ethnopluralismus, der statt Menschen mit Bedürfnissen nur noch Kulturen und ihre Diskurs‘praxen‘ kennen will, steht bei Postmodernisten schlecht im Kurs.
Dabei sind die Vertreter des verkommenen ‚Dunkeldeutschland‘, dessen dumpfesten Schreihälsen man den Sozialhilfebezug sofort ansieht, ebenso abstoßend wie arm dran. Dass sie nicht gebraucht und vom postmodern engagierten Milieu in Permanenz deklassiert werden müssen, damit dessen Repräsentanten sich ihrer Mobilität und ihres relativen Reichtums nicht zu schämen brauchen, haben jene längst gelernt.
Jörg Baberowski ist kein sozial Deklassierter, sondern deutscher Geschichtsprofessor, also arrivierter deutscher Ideologe. Er hat nichts im Gepäck, was nicht längst unzugegebenermaßen zu den Grundpfeilern der hiesigen Ordnung gehört. Gesellschaftliche Einheit stellt sich her durch Spaltung. Instrumentelle Vernunft, identitärer Mehrwert, Pragmatismus und Selbstverwertung folgen der vergleichenden Automatik des prozessierenden Werts, der allseitige Konkurrenz verbürgt. Wer keinen guten Grund für seine gesellschaftliche Reproduktion vorbringen kann, wird von der Gesellschaft, der Herrschaft und Ausbeutung zum Naturgesetz erstarrt sind, nicht gebraucht. Moralabfall, der Geschäft und Ansehen ruiniert, kontern Jobcenter, Staatsantifa und dialogbereite Öffentlichkeit mit Befreiungsdienst für die Gemeinschaft: den Mängelwesen wird Kultur verordnet.

Ein Baberowski spricht von Wurzeln, wenn er Tradition meint, sein Eintreten für einen halbwegs pazifizierten öffentlichen Raum einer Gesellschaft, die sich immerhin das Recht herausnimmt, auf den Verwertungsregeln liberaler Ideologie zu beharren, kommt wenig überraschend ohne Begriff vom gegenwärtig größten Feind einer solchen Gesellschaft aus: dem Mehrheitsislam. Sein Statement zur jihadistischen Gewalt könnte genauso gut vom Zentralkomitee der Studierenden und seinem konsentierten Meinungspluralismus stammen: „Die jungen Leute, die angeworben werden, sind ahnungslos. Sie haben die Vorstellung, der Dschihad sei ein Abenteuer, eine unblutige Sache. […] Eben haben sie noch in Wolfsburg bei Volkswagen gearbeitet und jetzt müssen sie sich binnen zwei Wochen an den Krieg gewöhnen. Der Islam dient ihnen nur dazu, die Gewalt rückwirkend zu rechtfertigen.“
Wie die Diskurssalafisten vom Asta, für die Islamkritik Schmutz ist, bekommt ein Baberowski mit seiner foucault-inspirierten Lehre eigengesetzlicher Gewalträume nichts in den Blick. Wo Macht zu Macht, Sein zum Sein und Zitation zur Freiheit werden soll, wird alles in naturgesetzlicher Dignität zum Verschwinden gebracht. Zwischen abgespaltenem Bedürfnis, das auf Nichidentisches projiziert wird, der dieses Manöver begleitenden rationalisierenden Lüge und den fortwährend halbbewusst vollzogenen fensterlosen Zwängen kann nicht vermittelt werden.
Im Angesicht des voranschreitenden Zerfalls einer kaum gekannten, aber trotzdem zu erinnernden, wenigstens halbwegs bürgerlichen Ordnung, kann ihr Umschlagen in die Währung von Respekt und Ehre, in sich spinnefeindlich gesinnte Clans, Banden und Bedarfsgemeinschaften, die sehr gut ohne allgemeinen Souverän funktionieren oder von diesem auf Sparflamme gehalten werden, nicht von jedem, aber jederzeit als postnationaler, allgemein zustimmungsfähiger Trimm-dich-Mehrwert verbucht werden. Wo sich der spätkapitalistische Wahlspruch: ‚auf Dich kommt es an‘ mit je besserem Gewissen durchexerzieren lässt, können alle unbeschadet, aber meist zum Schaden aller anderen, auf ihren identitären Macken bestehen. Es ist kein Zufall, dass sich gerade gelernte Kulturprotestanten, oder was davon übrig ist, als abgehängte Verinnerlichungsweltmeister auf die ein oder andere Weise so gern für den Islam ins Zeug legen oder diesen jammernd beneiden. Sie wären lieber Opfer, sie wären lieber Täter.

Der „kollektive Fanatismus“, die „brutale Positivität“, „die Übereinstimmung von Theorie und Praxis“, die phallozentrischen Sexual- und Allmachtsprojektionen des Islam überzeugen vor allem diejenigen, die sich in vielerlei Hinsicht zu kurz gekommen sehen. „Sie wollen endlich auf der Welt Karriere machen.“ (Horkheimer) Die erbarmungslos diesseitige Konstruktion der Jenseitsvorstellung, der damit verbundene rasende Höllenglaube, der gnadenlos als „Münze der Macht“ (Canetti) in Wert gesetzt wird, die ehrerbietige Besetzung der nächsten Objekte mit gespaltener Sakralität, der Reinlichkeitswahn versprechen dem Umma-Kollektiv und seinen sich von Berufs wegen befehdenden Anhängern unter beständiger Drohung und drohender Aussonderung ein moralisches Grenzprodukt, eine beständig dem Makel verdächtige Identität.
Die Unfähigkeit der Multi-Kulti-Nation in ihren rechts- wie links-kulturalistischen Kommandos halbwegs vernünftig auf den gegenwärtigen Mehrheitsislam in all seinem Judenhass, seiner Misogynie, der mörderischen Abwehr von Homosexualität und Lust sowie auf die allgemeine Israelfeindschaft zu reflektieren, entspringt dem faschistischen Gemeinschaftsbedürfnis nachbürgerlicher Subjektivität. „Sie trainiert: die Menschen, die sie ermutigt, sich zu ihrem Trieb zu bekennen, als nützliche Mitglieder des destruktiven Ganzen.“ (Adorno)

Postmoderne Völkerschau, spätkapitalistische Herrschafts- und Reklametechnik, islamsensible Lügen und jihadistisches Ehrenamt kommen prächtig miteinander aus. Sie sind Fleisch vom Fleische des gleichen Gefängnisses, in dem die Menschen sich die Durchhalteparole zurufen: Werde was du bist. Das Vermögen zu bergender Erinnerung durch erinnerndes Vergessen wird getilgt, die Möglichkeit zur Erfahrung abgeschnitten, das völkische Elend auf Dauer gestellt. Geschichte wird zur endlosen Gegenwart und keines der kulturindustriellen Bilder, die allesamt aufs Positive eingeschworen sind, vermag aufzublitzen „im Augenblick der Gefahr“ (Benjamin). Wahrheit, die es nicht ohne Geschichte und Geschichte, die es nicht ohne Wahrheit geben kann, die also beide im Islam nie vorgesehen waren, zerstiebt. Der konstruktive Jargon, der zur allgemeinen Kulturpflege aufruft, vergeht sich an Vergangenheit und Gegenwart. So kann der Ex-KBWler Baberowski von seinem Vater sagen, ohne rot zu werden: „Er war kein Mörder, er hat sein Leben lang SPD gewählt und hat sich als Opfer eines Krieges gesehen, den er nicht gewollt hat.“
Und auch die bessergewordene linksdeutsche Bagage, die die „Liste der Studiengangsaktiven“ wählt, wo mit dem Slogan geworben wird: „Lisa wehrt sich!“, ist in Verdrängung geübt. Unvergessen bleibt die schäbige Feindbestimmung der kooptierten Denkfabrik vom „AK Grenzen töten“ (2015). Nachdem in Mali und Syrien islamische Freischärler und die Banden islamischer und sonstwie autoritärer Regime ein Blutbad nach dem anderen angerichtet hatten, reichte es dort einzig zum antiimperialistischen Geraune, „dass es auch uns angeht, wenn beispielsweise in Syrien Bomben fallen oder Menschen in Mali aufgrund von landgrabbing zu Armut und Hunger verdammt werden.“

Der Unwille des Ausländerpädagogen Baberowski, irgendetwas außer die frostige Visage, die ihn jeden Morgen im Spiegel anblickt, für wahr halten zu können, lässt ihn immerhin auf Phänomene deuten, die die antirassistischen Kulturschützer in ihrer Islamophilie nicht mal zur Kenntnis nehmen wollen. Die Faschisierung der Gesellschaft in antagonistischer Kooperation, in der beide Seiten einander bloßstellen, kann auf einen Begriff gebracht werden. Die verfolgende Unschuld, die nichts wissen und nichts gewusst haben will, steht für das Nachleben des Nationalsozialismus in der Demokratie.

Für den Kommunismus! 

 

Pallywood in Nizza

Einen Monat nach der Mordnacht vom 14. Juli sind jetzt Muslimas die Opfer von Nizza. Durch soziale Netzwerke und Feuilleton geisterte ein Video, das französische Polizisten dabei zeigen soll, eine Frau am Strand von Nizza zum Ausziehen ihrer schariakonformen Badebekleidung zu zwingen. Es hat nicht lange gedauert, bis sich aufgrund dieses Vorfalls die Emotionen der Berufsantirassisten auch hierzulande überschlugen.

Die totale Verblödung

Wie unmittelbar erfahrbar das Zusammenfallen von Islamisierung, Beleidigtsein und Selbstverblödung ist, lässt sich dabei ganz besonders einem Video absehen, das die Tageszeitung Neues Deutschland auf ihrer Facebookpräsens zur Schau gestellt hat. Schon die Untertitel: „Polizisten nötigen in Nizza eine Frau ihren Burkini auszuziehen. In Berlin wurde hingegen gefeiert. Eine Beachparty gegen Rassismus“1 entlarven das journalistische Machwerk als islamophiles Propagandastück.

Im blasierten Überlegenheitsduktus sekundiert die sozialistische Schmierenjournaille dem obersten französische Verwaltungsgericht, das das Verbot des ‚Burkini‘ genannten Schwimmanzugs aufgehoben hatte, und vermeldet: „Das wussten Berliner Feminist*innen gestern schon.“2 Um sodann die islamische Frauenunterdrückung in bekannter antisexistischer Selbstbefriedigung zu verklären, wurde eine besonders dümmliche Vertreterin vom Berliner Antirassismusbasar zum Interview herangezogen:

„Ich fürchte, dass Islamfeindlichkeit hinter dem Verbot steckt, weil es sind nicht nur muslimische Frauen die bedeckt am Strand rumlaufen. Das machen auch Surfer. Das macht in Australien jeder. Es gehört in einigen Ländern dazu, weil der UV-Schutz es einfordert. (…) Es ist nicht gegen andere gerichtet, die aus Motorsportgründen bedeckte Kleidung tragen. (…) Sondern nur gegen die muslimische Frau und dahinter steckt Islamfeindlichkeit.“3

Hier wird deutlich, wie weit das geistige Elend solcher Leute gediehen ist. Das, was wohl eine Argumentation sein soll, ist selbst für antisexistische Verhältnisse so strunzdumm, dass es, wenn man auf Psychoanalyse verzichten möchte, einigermaßen wohlwollend überhaupt nur damit erklärt werden kann, dass den Berliner Antirassistinnen aufgrund der schariakonformen Badebekleidung mittlerweile vollends die Rübe durchgebrannt ist.

Abgesehen von der Offenkundigkeit, dass all die Gegenbeispiele, die Aischa G. hier zusammenstammelt, nichts Geschlechtsapartes haben, müsste eigentlich auch dem letzten verzweifelten ND-Abonnenten klar sein, dass es einen mehr als partiellen Unterschied von Hautkrebsvorsorge, Surfanzug und Motorsportbekleidung zu einem religiösen Verschleierungsgebot gibt, das Frauen per se zu einem permanenten Objekt der Sünde (de-)sexualisiert. Wegen vermeintlicher Angst vor satanisch verführten hysterischen Männerhorden, zur Bewahrung der eigenen Reinheit und zu Ehren der gesamten Sippschaft soll die Frau in sämtlichen Öffenlichkeitssphären in einem Zelt aus Stoff gefangen sein, das sie nicht nur ihrer Freiheit beraubt, sondern ihre Individualität vollends ausradiert.

Bevor das Video in einem pathetischen Klavieroutro endet, folgen noch zwei weitere Kurzstatements teilverschleierter Demonstrantinnen, in denen verlautbart wird, dass es absurd sei, im 21. Jahrhundert nicht jeden so schwimmen gehen zu lassen, wie er oder sie möchte, was gefälligst auch für einen „in der Religion möglichen Badeanzug“ 4 zu gelten habe. Könnte man vermuten, dass dieser ignorant radebrechende Antifeminismus vornehmlich auf den Mangel geistigen Urteilsvermögens zurückzuführen wäre, den das allgegenwärtige Lob der Differenz bereitet, verhält es sich in Wahrheit schlimmer. Nicht etwa ist hier bloß die Kraft zur Reflexion auf den symbolischen Inhalt misogyner Kluften abhanden gekommen, sondern werden ganz ähnliche halbbewusste Bedürfnisse wie bei der islamischen Moralkontrolle verfolgt. Wenig überraschend folgt den kulturrelativistischen Aussagen ein spontaner Hetzanfall, der nicht zufällig an das lynchjustizielle Herrschaftskonzept ‚Definitionsmacht‘ erinnert: prompt wird ungeniert die Straffantasie nach einer „Verfolgungstour“ „für gaffende Männer am Strand“ geäußert, was bekanntlich zum guten antisexistischen Ton gehört und die Schnittebene von antisexistischen und islamischen Sittenwächtern offenbart.

Von der Alluha-Akbar-HJ und den islamkulturell verdorbenen Vergewaltigern in europäischen Badeanstalten will man dagegen als bekennender Antisexist ebenso wenig wissen wie von der immer strikteren alltäglichen Sittlichkeitskontrolle in den bislang wenigstens noch teilweise säkularen Räumen der europäischen Urlaubsperipherie in der arabischen Welt – wo wie auch hierzulande nicht etwa in erster Linie westliche Feministinnen von der übergriffigen Sexualmoral betroffen sind, sondern vornehmlich die als muslimisch kulturalisierte Eigengruppe. Die dortigen selbsternannten Sittenwächer sind ebenso Frontmänner der Selbstethnifizierung des allgegenwärtigen ‚Multirassismus‘ (Pohrt) wie hiesige Critical-Whiteness-Adeptinnen und Ehrenjungmänner im öffentlichen Raum.5 Trotz dieser Zustände kann den westlichen Verteidigern des islamischen Zwangskorsetts regelmäßig nichts besser in ihren tristen Alltag passen, als Lustgewinn aus einer imaginierten Solidarität mit Unterdrückten zu ziehen, denen man in Wahrheit in den Rücken fällt, und so der allgemeinen Kapitulation vor Islamismus und Alltagsislam assistiert. Schamlos wird diese Selbstbezüglichkeit in einen feministischen Akt umgelogen und der auch in Europa für viele Frauen Alltag gewordene Zwang zur Unterwerfung unter das islamische Patriarchat scheinargumentativ zu einer Verteidigung von Kultur und Selbstbestimmung verklärt.

Selbst die Reflexion ganz banaler Fragen wird in diesem gesamtgesellschaftlichen Klima unmöglich gemacht: Wie sollte man es mit einer Religion halten, die Weiblichkeit mit einem Bann versieht und Frauen in aller Regel bis auf Hände und Gesicht bedeckt sehen will, bekanntlich nicht bloß am Strand? Und was ist von einer Religion zu halten, die einen bei Missachtung des umfangreichen Zwangskatalogs, der wiederum nicht bloß Bekleidungsvorschriften vorgibt, sondern den ganzen Tagesrhythmus verregelt und dabei alle Lebensentscheidungen umfasst, zum Ungläubigen erklärt, der in der Hölle schmoren werde? Und am wichtigsten: Durch welche gesellschaftlichen und staatlichen Interventionen wirkt man der allgemeinen islamischen Regression am besten entgegen?

Statt nur einmal über derartige gar nicht schwierigen Grundsatzfragen zu diskutieren, hat sich die nicht bloß links zu nennende islamophile Hetzmasse in der Kommentarspalte des Videos erwartbar in dummdreister Empörung, spontaner Parteiergreifung und obligatorischer Warnung vor einem Rückfall in den (diesmal antimuslimischen) Faschismus gegenseitig überboten.

Man stelle sich vor, der Heilige Stuhl verabschiedete einen Erlass zur Verschleierung mit der Begründung, nur so könnten Frauen und Männer im Zaum gehalten werden und die Familie weiter über ihre Ehre verfügen. Der schier fassungslose Aufschrei darüber wäre berechtigterweise bis nach Mekka zu hören. Wo aber jeder Durchschnitts-Imam die Sexualmoral vorbürgerlicher Patriarchen verbreiten darf, bleibt es so lange still unter linken Stammesromantikern, bis der übliche Nestbeschmutzungsvorwurf auf ‚antimuslimische Rassisten‘ getätigt werden kann.

Dass es den linken Antisexisten dabei nicht um Kritik, sondern um Demagogie geht, zeigt allein schon das ewige Argument vermeintlicher Freiwilligkeit der zahlreichen Verschleierungsabstufungen von Hidjab bis Burka bzw. ‚Burkini‘. Zum einen trifft das auf einen Großteil der Trägerinnen schlichtweg nicht zu.
Zum anderen ist die Tatsache, dass der misogyn desexualisierende Schleier auch von vielen Trägerinnen als normal angesehen und freiwillig nach außen getragen wird, ebenfalls von jener phallozentrischen Subjektivität gekennzeichnet, die sich überhaupt bloß misogyn begründen kann. Das wird nicht zuletzt dort deutlich, wo auch Frauen die islam-patriarchale Hackordnung eigeninitiativ reproduzieren und in der je unterschiedlichen Erziehung von muslimischen Jungs und Mädchen eine schädliche und gefährliche Schamkultur aufrechterhalten.

Verbandsoffizielle Schariapolizei

Die kollektive Verblödung ist allerdings längst nicht bloß der Avantgarde des opportunistischen Links-Ossitums in Printformat und seiner geistigen Verzonung vorbehalten. Die islamophile Einfühlungsgabe zieht sich durch die gesamte Mehrheitsöffentlichkeit; so erkennt Anna Kyrieleis vom RBB in der Tagesschau die Diffamierung einer ganzen Religion – als wäre Satire und Diffamierung nicht der einzig sinnvolle Umgang mit religiösen Zumutungen. Das Inbetrachtziehen des eigentlich ganz naheliegenden Gedankens, dass manch eine Religion eben doch um einiges dümmer und gefährlicher sein könnte als manch eine andere, kann von einer Journalistin des öffentlich-rechtlichen Fernsehens offenbar nicht erwartet werden.

Kyrieleis sagt: „Seit wann stört es, wenn jemand zu viel im Wasser anhat? Mich stört eher das Gegenteil, aber auch das möcht ich nicht verboten wissen. (…) Darf man noch in Anziehsachen am Strand spazieren gehen oder gilt dann Badebekleidungszwang wie im Saunaclub?“ 6

Aiman Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, hätte es nicht treffender formulieren können. Sein berufsbeleidigtes Statement zum Burka-Verbot wartete neben der obligatorischen Warnung vor antimuslimischem Rassismus mit einer Liste der größten gesellschaftlichen Probleme in Deutschland auf. Nicht etwa über „das Stück Stoff“, sondern über Kindesmissbrauch, Vergewaltigung, Kinderpornografie, geschiedene Ehen und Prostitution – „400.000 Prosituierte – Dunkelziffer wesentlich höher und 1-1,2 mio. tägliche Freier“ – müsse man laut dem selbsternannten Vertreter aller Muslime in Deutschland reden, der dazu eigenhändig eine Statistik zusammenschmierte, die jeder Schariapolizei alle Ehre gemacht hätte. Angesichts der zahlreichen Zwangsheiraten und zunehmenden Kinderehen auch in hiesigen islamischen Milieus liegt die typische Abspaltungsleistung verfolgender Unschuld, wie sie beim Thema Kindesmissbrauch so üblich ist, beim islamischen Sittenwächter Mazyek ganz offen zu Tage. 7

Auch Anna Kyrieleis möchte die „beschämenden Szenen aus Frankreich“ – die sich erwartbar längst als Falschdarstellung entpuppt haben – 8 hierzulande nicht sehen. Stattdessen pocht sie im Kreuzberger Sozialarbeiterjargon – gegen den selbst noch das floskelhafte Beharren von ‚keiner Toleranz der Intoleranz‘ hochzuhalten wäre – auf die Stärkung des Miteinanders, auf den Abbau angeblicher Ressentiments, auf die Auflockerung zwischenmenschlicher Barrieren und Verbotsverzicht. „Uns muss daran gelegen sein, die moderaten Stimmen zu fördern“ 9, womit nur liberale gläubige Muslime sowie Exmuslime, teilsäkulare oder nichtgläubige Nennmuslime gemeint sein können, die mit dem Mehrheitsislam wenig, kaum etwas oder gar nichts zu tun haben.
Gerade sie haben allerdings nicht nur im kulturbesessenen Deutschland damit zu kämpfen, aufgrund ihrer (vermeintlichen) Herkunft von allen Seiten in den islamischen Kulturkreis eingemeinschaftet zu werden und womöglich noch als Beispiele für einen liberalen Mehrheitsislam herhalten zu müssen, den es nicht gibt und wohl überhaupt nur geben kann, wenn die islamische Tradition ordentlich geschröpft würde.

Solidarität mit wem?

Alle, die auch ansonsten von Familienehre und islamkultureller Sittlichkeit nichts wissen wollen, werden sowohl von ethnopluralen Ausländerpädagogen als auch von multikulturellen Antirassisten seit jeher geflissentlich im Stich gelassen. So versuchte man Hamed Abdel Samad, gegen den in Ägypten unter Mursi eine Todesfatwa ausgesprochen wurde und der sich fortan nirgends mehr unbeschwert bewegen kann, in die AfD-Ecke zu stellen. Der liberal-muslimische Religionspädagoge, Islamwissenschaftler und Soziologe Mouhanad Khorchide, der vor einigen Jahren in einem öffentlichen Schlagabtausch mit Abdel Samad die These von der eigentlichen Friedfertigkeit des Islams vertrat, braucht mittlerweile selbst Polizeischutz. Man ist nicht zynisch, wenn man offen ausspricht, dass der Hass, der ihm von Seiten der ‚konservativen‘ Islamverbände entgegenschlägt, weil er es wagte, von einem Islam der Barmherzigkeit zu sprechen, einen Vorgeschmack auf den schweren Stand seines Unterfangens gibt, seine voraussetzungsreiche Koranexegese bis in die afghanischen Bergdörfer zu tragen – war doch das depotenzierende Zurückdrängen des Glaubens ins Private und seine Liberalisierung seit jeher in erster Linie Ergebnis von politischer Säkularisierung und nicht innerreligiöser Reformbewegungen.

Insbesondere auch der israelisch-arabische Psychologe Ahmad Mansour – steht unter Polizeischutz –, Mitbegründer des liberal-säkularen Muslimischen Forum Deutschlands, das leider noch deutlich weniger gläubige Muslime als die angenommenen 15 Prozent des Zentralrats repräsentieren dürfte, interveniert regelmäßig in der Öffentlichkeit mit lesenswerten Artikeln über islamische Sexualmoral, islamische Kritikunfähigkeit durch Buchstabenglauben und Ehrenbann sowie als einer der wenigen zum virulenten Antisemitismus in muslimischen Communities. Auf Solidarität der Mehrheitsöffentlichkeit kann er ebensowenig zählen wie die Vorsitzende des Zentralrats der Exmuslime Mina Ahadi – scharfe Kritikerin des politischen Islams und unter ständiger Bedrohung lebend – sowie der Mediziner, Politikwissenschaftler und Soziologie Mimoun Azizi, der ebenfalls ein vehementer Kritiker der bundesdeutschen Kooperation mit ‚konservativen‘ islamischen Dachverbänden wie Ditib ist.

„Die muslimischen Gemeinden müssen sich endlich mehr um die Aufklärung in den eigenen Reihen kümmern und offensiv eine demokratische Sozialisation ihrer Gemeindemitglieder fördern. Ich lehne die dogmatisch und nationalistisch bzw. islamistisch ausgerichteten islamischen Dachverbände ab und kritisiere die deutsche Bundesregierung für ihre Kooperation mit eben diesen Verbänden scharf.“ 10 Auch für den Zentralrat der Muslime hat Azizi keine positiven Worte übrig und bezeichnet ihn richtigerweise in einem Posting als verlängerten Arm der Moslembruderschaft in Deutschland.

Die überbordende Schamlosigkeit, mit der die Islam-Märchen in Medienerzeugnissen von Neues Deutschland bis Tagesschau kolportiert werden, wo man partout von Islamkritik nichts wissen will, ist exemplarisch für das schon lange milieuübergreifend und stetig mit aggressiver Vehemenz nach außen getragene Menschenrecht auf Beleidigtsein und Kulturschutz. Kaum kann da überraschen, dass die postnazistische Multikulti-Gesellschaft für queere Muslime wie vor allem auch Muslima insgesamt, die sich ihre Lebensgefährten und -gefährtinnen selbst wählen und ein von der Sippe befreites Leben ohne Angst um sich und ihre Partner vor Ehrenmord und Zwangsheirat führen wollen, keine Solidarität übrig hat, obwohl es in den letzten fünf Jahren, Dunkelziffer nicht berücksichtigt, deutlich über hundert solcher Morde in Deutschland gegeben hat. Das bedeutet im Klartext, dass jährlich mindestens dreimal so viele Menschen der Zementierung islamischer Geschlechterverhältnisse und islamischer Sexualmoral zum Opfer fallen wie den NSU-Morden insgesamt. Während aber der NSU vollkommen zu Recht und die Deppentruppe von der AfD in bekannter inhaltsleerer Form vollkommen zu Unrecht in der gesamten Öffentlichkeit und von Knalltüten der Populärkultur wie Jennifer Rostock permanent thematisiert werden und man sich dabei nicht entblödet die AfD, die man mit der eigenen lügenreichen Reklame bloß beständig stärker macht, infamerweise in die Nähe zum nationalsozialistischen Deutschland zu rücken, kommen Ehrenmorde praktisch nicht vor.

Menschenrecht auf Beleidigtsein als deutsch-islamischer Evergreen

Dass bei alldem Deutschland als Land der Diskriminierten, Benachteiligten und Berufsbeleidigten gelten kann, ging jüngst aus einer repräsentativen Studie hervor. Laut der im Sommer 2016 erschienenen Umfrage fühlt sich jeder dritte Deutsche diskriminiert. Interessant ist, dass Diskriminierungen aufgrund von Rassismus, geistiger wie körperlicher Beeinträchtigungen und der sexuellen Orientierung die hinteren drei Plätze belegen, während solche aufgrund von Alter, Geschlecht und Religion bzw. Weltanschauung die ersten drei Plätze belegen. 11 Wo nicht mehr zwischen biologisierendem Rassismus, Behinderten- und Schwulenfeindlichkeit auf der einen und Religionskritik, ‚ageism‘ und nicht näher spezifizierter Diskriminierung aufgrund des Geschlechts auf der anderen Seite unterschieden werden kann und alles zu einem großen postmodernen Diskriminierungsbrei verrührt wird, trifft sich moralaggressives Dauerbeleidigtsein islamischer wie postnazistischer Prägung zum deutsch-islamischen Evergreen – zur Kritik ewig unfähig.

Die Propagandatechnik, die die Empörungswelle der Bilder zur angeblich erzwungenen Entkleidung der muslimischen Frau durch französische Polizisten hervorgerufen hat, gleicht der Lügenroutine Pallywoods. Der Eifer, den deutsche Antifeministen betreiben, um sich für den Islam ins Zeug zu legen, gleicht dem wieder gut gewordenen Impetus Christian Zimmermanns, der „gerade als Deutscher“ für die palästinensische Olympiamannschaft angetreten war.12

Die Betonköpfe vom Neuen Deutschland und die engagiert konstruktive Journalistin der Tagesschau sehen im Verbot des Scharia-Schwimmanzugs deswegen keine denkbare autoritäre Maßnahme zur Abwehr des Islamismus, sondern die bloße Beleidigung und Diskriminierung einer religiösen Identität, weil die dauerprekäre und mit großem Aufwand zusammengehaltene Bedürfnisstruktur islamischer Subjekte der ihrigen so nahe kommt. Weit stärker als jede Burka droht die mit dem Islam trefflich kompatible Geisteshaltung der deutschen Mehrheitsgesellschaft das wacklige Fundament einer Ordnung zu erodieren, die immerhin ihrem uneingelösten Anspruch nach vereinzelt und selten genug auf so etwas wie Menschheit und Würde verweist und dies nicht schon im Vorhinein erklärtermaßen zum rücksichtsvoll rücksichtslosen Respekt zwischen den Geschlechtern und Kulturen verdirbt. Die Begeisterung für den ‚Burkini‘, die in zahlreichen Witzen und Hassanfällen zum Ausdruck gebrachte Verachtung für die französische Polizei auf Basis falscher Behauptungen, das Erklären einer bis dato allzumeist scheußlichen Religion wie dem Islam zum eigentlichen Opfer laufen auf nichts weiter hinaus, als den Terroranschlag von Nizza zu verdrängen, und seine wie alle weiteren ungezählten Opfer islamischer Alltagsgewalt und jihadistischer Mordlust zum Verschwinden zu bringen.

Kulturrelativismus als deutsche Plumbomantie

Wutbürgerin der Woche: die ‚Streetart-Künstlerin‘ „Barbara“

„Seit einiger Zeit passieren an ausgewählten Orten Deutschlands mysteriöse Dinge: Eine Unbekannte namens Barbara verwandelt Schilder, Plakate und Infotafeln in verblüffende Kunstwerke, die mit Humor und Fantasie in den öffentlichen Raum funken. Spielerisch, ironisch und subversiv entlarvt sie hohle Slogans, unterläuft sinnfreie Verbote und führt wortreiche Warnungen ins Absurde.“ 1

Die hier in Rede stehende Heidelberger ‚Street-Art-Künstlerin‘ Barbara und ihr sinnlicher Humor erfreuen sich seit einiger Zeit steigender Beliebtheit. Exemplarisch für den ausschweifenden Meinungspluralismus, der sich wie jedes Jahr auch für deutsche Verhältnisse immer wieder aufs Neue spürbar aufdringlich über dem Normalmaß ansiedelt, sticht Barbara als besonders indiskreter Fall kulturdeutscher Originalität hervor. Mit Parolen wie: „Die Unterschiede zwischen Christentum und Islam sind genauso überbewertet wie die Unterschiede zwischen Pepsi und Coke,“; „Welche Sanktionen hat Europa eigentlich gegen die USA verhängt, als die in den Irak einmarschiert sind? Und von wegen Drohnen und NSA und so…“; „Die Menschheit sollte einfach mal ihre Basis chilln“; „Teletubbies gegen Homophobie“ oder „Jedes Mal, wenn Pegida ‚Wir sind das Volk‘ brüllt, ist dieses arme Kätzchen traurig und muss weinen.“ drappiert sie nebenberuflich den öffentlichen Raum gegen das Böse dieser Welt. Mitunter frönt sie dabei auch dem emanzipierten Pennälerwitz: „VIBRATOR klingt nicht wirklich schickt, drum nehm ich meinen SELFIE-STICK“. 2

Keine Untiefe der postmodernen Mottenkiste ist Barbara zu blöd, auf ihrem ideologieannotierenden Feierabendfeldzug vereint sie so ziemlich alles, was auch der gesellschaftliche Mainstream landauf, landab täglich durchexerziert. So wundert es nicht, dass die Fotos ihrer Werke vortrefflich zur Identifikation für die virtuelle Netzwerköffentlichkeit taugen und nur ihre bisweilen auftauchenden rechten und linken ‚Kritiker‘ sind ab und an in der Lage, dieses kuriose Sammelsurium teutonischer Plumbomantie zu unterbieten, das viel über den geistigen Zustand von Land und Leuten aussagt.

„Dieser Befehlston verletzt meine Gefühle“

Die gesellschaftliche Tendenz zum Positiven, die Adorno schon vor Jahrzehnten als Vorschein der sich wandelnden irrationalen Verhältnisse verdächtigt hatte, kaschiert die Ahnung davon, wie sehr die allgemeinen objektiven Zustände die eigene Ichbildung deformieren. So, wie Flüchtlinge anhaltend im kulturrelativistischen Vokativ infantilisiert und verdinglicht werden, ist auch der jugendliche Gestus, mit dem Barbara ihre antiautoritären Meinungen den Verbotsschildern im öffentlichen Raum auf Spiel- und Parkplätzen entgegenorakelt, paradigmatisch für postmoderne Verhältnisse.

Über Barbara heißt es: „Sie ist politisch, vermutlich Mitte-links. Sie hat etwas gegen Autoritäten, sie ist friedliebend. Barbara ist intelligent, schlagfertig, einfallsreich, gewitzt, weltoffen, cool – und eine Bereicherung für unser Straßenbild.“ 3 Dass keine Gefahr von diesen geistigen Zuständen und ihrer Hegemonie in allen relevanten Öffentlichkeitssphären ausginge, muss in präfaschistischen Zeiten bezweifelt werden. Barbaras kulturrelativistisch deutsches Apostolat, bestehend aus einer beispiellosen Anhäufung antiautoritärer Ergüsse, spaltet das eigene Bedürfnis zur Verregelung der Umwelt dabei nur ab.

Diese zeitgemäßen Formen von Infantilisierung und Verdinglichung, bei ihr nur besonders sinnfällig, aber längst Legion geworden, sind integraler Bestandteil des konstruktiven Meinungspluralismus. Dort, wo man sich im Zweifel lieber auf postnazistische Moral statt auf so etwas wie Wahrheit besinnt und noch im achselzuckenden Einbekenntnis der eigenen Ohnmacht nur umso lauter dazu aufplustert, den eigenen desolaten Zustand aufs Fremde und Abstrakte zu projizieren, ist man nicht zuletzt gefühlslinks zu nennen. Diese präfaschistische mehrheitsgesellschaftliche Gefühlswelt ist deswegen so gefährlich, weil sie fortwährend an der – und sei es auch zunächst dezent erscheinenden – Barbarisierung der Verhältnisse mittut. Die Unfähigkeit zur Islamkritik, die man mit der AfD teilt, macht das Leben von Homosexuellen, Juden, zwangsvergemeinschafteten Frauen und vor allem auch Muslimen, insbesondere jenen zahlreichen, die längst lieber heute als morgen ein bisschen Islam gegen ein großes Stück Freiheit eintauschten, noch gefährlicher und trostloser, als es vielerorts ohnehin schon ist. Mehr noch: die ganz eigene postnazistische ‚Israelkritik‘ beweist, dass man klammheimlich froh ist, dass das Reinewerden mit der deutschen Geschichte nun fremdkulturell outgesourct werden kann. War die kryptoantisemitische Leier unter zeigefingervehementen Gefühlslinken ohnehin schon immer nur parziell vom rechten Stammtischpalaver zu unterscheiden, muss man nun ganz real dabei zuschauen, wie das islamophile Ticket als mehrheitsgesellschaftlicher Versuch, dem eigenen tristen Dasein zu entkommen, mit dem man allmorgendlich wieder zu sich kommt, desto beständiger um sich greift, je mehr es von der Realität kontrastiert wird. Nicht nur dort, wo politische Kommunikation ihr nationales Spiegelspiel zum moralischsten Volksgenossen netzwerkkreativ durchinszeniert, gebricht es den massenhaft Vereinzelten regelmäßig an Mindestformen im kritischen Umgang miteinander und ganz allgemein überhaupt am Mindestmaß notwendiger Denkanstrengung, die es bräuchte, um den sich immerfort irrationalisierenden Verhältnissen wenigstens ein klein wenig Vernunft entgegenzusetzen.

Der ‚Vernunftglaube‘, der sich stattdessen breit macht, und der sich gar nicht infantil genug präsentieren kann, ist kennzeichnend für den real grassierenden Meinungspluralismus samt seiner gefährlichen antirassistischen Feindsemantik, mit der man sich regelmäßig die je eigenen Mythen zurechtbastelt und den Islamkritiker zum Rassisten stempelt.

„Die Mythologie selbst hat den endlosen Prozess der Aufklärung ins Spiel gesetzt, in dem mit unausweichlicher Notwendigkeit immer wieder jede bestimmte theoretische Ansicht der vernichtenden Kritik verfällt, nur ein Glaube zu sein, bis selbst noch die Begriffe des Geistes, der Wahrheit, ja der Aufklärung zum animistischen Zauber geworden sind. Das Prinzip der schicksalhaften Notwendigkeit, an der die Helden des Mythos zugrunde gehen, und die sich als logische Konsequenz aus dem Orakelspruch herausspinnt, herrscht nicht bloß, zur Stringenz formaler Logik geläutert, in jedem rationalistischen System der abendländischen Philosophie, sondern waltet selbst über der Folge der Systeme, die mit der Götterhierarchie beginnt und in permanenter Götzendämmerung den Zorn gegen mangelnde Rechtschaffenheit als den identischen Inhalt tradiert.“ (Adorno/Horkheimer) 4

„Hass ist krass. Liebe ist krasser.“

Barbaras kindliche Formulierungen, das abstrakt zur Personalisierung strebende Lamento, der stete Kulturrelativismus sind als ganz besonders plastischer Ausdruck des frei flottierenden Wahns und der sich daran anschließenden Barbarisierung zu begreifen. Dass Barbara sich in ihren konformistischen Einlassungen selbst nicht so ganz ernst nimmt, zeigt nur, wie der Drang zum Positiven die falschen Verhältnisse in der Form des ‚ungeglaubten Glaubens‘, als Alltagsideologie spiegelt und gleichzeitig dahin strebt, sie negativ aufzuheben.

Als Barbara sich zunehmend erlaubte, linke und rechte Gewalt, Pauschalisierungen gegenüber Polizisten und einen Sticker aus dem Umfeld der Vorzeigeantinationalen einer Berliner umsGanze Gruppe mit der Aufschrift „Deutschland du mieses Stück Scheiße“ anzuprangern, geriet sie ins Kreuzfeuer der Bewegungslinken.

Die Erkenntnis, dass es sich bei Deutschen immer noch um ein Mordkollektiv im Wartestand5 handelt, wäre – freilich ohne die penetrante analcharaktere Zurschaustellung der eigenen Infantilität – so falsch nicht. Allein meinen die Antinationalen gerade nicht eine polit-ökonomische Konstellation, in der die Scholle mal mehr mal weniger offen als bedrohtes Vehikel zur Mobilisierung der eigenen Volksbanden figuriert. Sie führen ‚deutsch‘ nicht als einen historisch belehrten, erfahrungsoffenen Begriff, ihr Antinationalismus ist eine positivistische Kategorie, der ex negativo nicht mehr einfällt, als man hiesigen Kulturchauvinisten abhorchen kann, die ja ebenfalls fast nur noch als Ethnopluralisten auftreten. Eine solche antinationale Plattitüde hat schon allein deshalb mit Deutschland kein wirkliches Problem, weil die abstrakte Negation von Kapital und Staat nur dazu führt, dass die deutsch-nationale Mystik in den linkskonformistischen Postnazismus umarrondiert wird, der allenthalben anzutreffen ist.

Wie allgemein üblich für postnazistische Moral berherrscht auch die gefühlslinke Barbara dabei zweierlei. Zum einen die postmoderne und durchaus auch angelsächsisch zu nennende „automatisiert[e] Neigung, Erkenntnisse durch den Hinweis auf ihre Bedingtheit im Erkennenden zu relativieren“. Zum anderen die deutsche Versuchung: „Der Kapitulation vor undurchdrungenen Fakten und der Anpassung des Gedankens an die je bestehende Realität im Westen entspricht in Deutschland der Mangel an Selbstbesinnung, die Unerbittlichkeit des Größenwahns.“ (Adorno)6

Begnügt sich der klassische Zeitungsastrologe in seinem „unrealistischen Realismus“ (Adorno)7 noch damit, das verdinglichte Schicksal seinen ich-schwachen Lesern berechenbar zu wähnen, schmilzt Barbara mit jeder Wahrheit auch das ein, was als Öffentlichkeit und Privatheit zu trennen wäre. Die Indiskretion ihres raumgreifenden Engagements, das Ersetzen jedes universalistischen Urteils durch partikularistische Meinungsfolklore ist die Vorstufe zur vermeintlichen Dezenz des salafistischen Bahnhofs-Missionars und seinem strafenden Allmachtsanspruch. Gesteht die bürgerliche Ideologie im beständigen Leistungsantrieb, hinter dem auch in den entwickelten Ländern nicht nur der gesellschaftliche Tod lauert, den Individuen durch ihre Gleichheitssemantik immerhin noch zu, den geronnenen Verhältnissen mit Fleiß und Ehrgeiz etwas abtrotzen zu können, ohne direkt über Leichen gehen zu müssen, zumeist solange man zu den grundsätzlich Verwertbaren gehört, postuliert Barbara als Antrieb bloß unbestimmt, was sie „Liebe“ nennt, das wie die Barmherzigkeit des Mehrheitsislams in Wahrheit aber eine Chiffre für Dummheit, Neid und Hass ist.

Kennt das bürgerliche Zivilrecht eine Privatheit, die sich auch abseits von Ehre und Familie erstrecken kann, indem es die Distanz zur ‚Blutsurenge‘ legalisiert, was sie vom islamischen Ehrenbann und auch dem Berliner Sozialstaatsmodell fundamental unterscheidet, bewegt Barbara sich in ihrer konformistischen Rebellion geistig ganz auf Höhe der Couch des männlich versubjektivierten Klubs und seiner narzisstischen Regeln, der „Stätte eines auf rücksichtsvoller Rücksichtslosigkeit gegründeten Respekts“. (Adorno)8

Statt etwa der um sich greifenden Kultursensibilität entgegenzutreten, die statt Menschen nur noch Volksreligionen kennen will, und sich die eigene Unliebsamkeit und die Unfähigkeit zur libidinösen Objektbeziehung einzugestehen, wird der in all seiner Konstruktivität tatsächlich rauer werdende herrschende Umgangston dort, wo rechtsstaatliche Autorität immerhin noch ein geregeltes Leben zu garantieren versucht, also eine Ordnung, die in ihrer kalkulierbaren Zudringlichkeit auch auf Gleichheit zielt, als groteske Unzumutbarkeit im Gestus des Kleinkindes bekämpft. Anstatt sich den kläglichen Rest davon, was man Subjektivität nennen könnte, durch das Bemühen von Vernunft und Kritik zu erhalten, ist Barbaras infantiler Subjektstatus – „Ich (k)lebe also bin ich“9 – Ausweis verhältnisaffimierender Verdinglichung.

Dass sich davon hunderttausende Deutsche ganz begeistert zeigen und sich ihre eigene Unliebenswertheit in Form eines Facebook-Likes selbst bestätigen, ist nicht weiter verwunderlich. Denn Barbara wagt sich mit ihren Albernheiten immer nur so weit vor, wie die infantile, nachbürgerliche Form ihrer Schildchen kulturindustrielle In-Wert-Setzung verspricht. In Zeiten, in denen autoerotisches Netzwerken, unbedingte Konstruktivität, zwanghaft aufgeweckte Facebook-‚Meme‘, sprich: das Leistungsportfolio des Engagierten Ton und Regel vorgeben, spielt die Ich-AG Barbara konformistisch mit dem Narzissmus der Zugerichteten, „spekuliert auf die mächtigen libidinösen Ressourcen der Eitelkeit. Ihr ist jedes Mittel der Befriedigung recht. An nächster Stelle steht die Angst, die [sie] dem Leser mehr oder minder versteckt suggeriert. Daß jeder stets von etwas bedroht werde, muß aufrechterhalten werden: sonst verkümmert das Hilfsbedürfnis. Drohung und Beistand sind dabei so ineinander verflochten wie bei manchen Geisteskrankheiten. […] [Der] Anspruch, im trüb Besonderen eines willkürlichen Credos [eine] umfassende, ausschließende Bedeutung zu hüten, deutet auf den Übergang liberaler in totalitäre Ideologie.“(Adorno)10

„das Maß von Tiefe heute heißt Widerstand, und zwar Widerstand gegen das Geblök“ (Adorno)11

Kunst, die als verweltlichte Magie bei den Polen des Spiels und des Scheins sich auftäte, kann man Barbaras alltagsideologische Erzeugnisse nicht nennen, ohne sich selbst zum Barbar zu erklären. Jene wäre nach Adorno wie das Spiel ein Stück von der Last und der Lüge befreit, Wahrheit zu sein, und verwiese dabei auf ein dahinterstehendes Ganzes, das auch als versöhntes aufschiene. Barbara kennt weder Schein noch Rätsel, nur den Glanz ihrer postnazistischen Meinung, die sie zu Markte trägt wie das dahingespielte Kätzchen-‚Mem‘. Ihre Kulturgutproduktion, die der Realität als Deckbild sich andient und deswegen spielerisch, aber nicht Spiel zu nennen wäre, ist der albern inszenierte Blockwartimpuls des menschenfeindlichen Narzissten, der für sich beansprucht, was er anderen verwehrt, sobald die allgmeinen Regeln seinem Gefühl misshagen.

„Wo keiner sich über die objektive Nichtigkeit seiner selbst und aller anderen Illusionen macht, aber trotzdem jeder gezwungen ist, die leere Identität seines Selbst um den Preis des gesellschaftlichen Todes zu verteidigen, ist es der größte Stolz der Rumpfsubjekte, nicht mit sich spielen zu lassen, und ihre größte Genugtuung, den beliebigen Nächsten zum Verfügungsmaterial der eigenen Subjektivität zu machen.“(Klaue)12

Wenn Barbara kundtut, „Ich wünsche allen homophoben Menschen schwule Töchter und lesbische Söhne.“, plaudert sie aus, was sie sonst zu kaschieren sucht. Der Beistand einer Gefühlsjihadistin wird noch dort, wo man bloß ohne Angst verschieden sein möchte, zur unverhohlenen Drohung. In Barbaras Wunschfantasie wird noch der Schutzraum, den Familie als Ort zum Anlehnen, als Ort des Trostes und bedingungsloser Zärtlichkeit eben auch verspräche, zum Ort der Angst, um ein paar schäbige Lacher abzugreifen.

Barbaras Totalausfall ist uns Anlass und Grund genug, sie zur Wutbürgerin der Woche zu küren. Die Auszeichnung gebührt ihr dabei stellvertretend für die ganze islamophile Selbstverdummung, die daran mitwirkt, Hass auf Homosexuelle, Juden und damit immer schon: Weiblichkeit, hoffähig zu halten; stellvertretend für all die niederträchtigen Einlassungen, die nach dem Massaker in Orlando zu lesen waren, und die beschweigen und damit verdinglichen, was ja zu ändern wäre, weil es kein Schicksal ist.


Fußnoten

2 Wir verzichten auf die Einzelnachweise ihrer Sprüche, es findet sich online noch allerhand gleiches Material.

4 Adorno/Horkheimer: Dialektik der Aufklärung, GS 3: S. 27 f.

5 Vgl. ISF: Furchtbare Antisemiten, ehrbare Antizionisten, ca ira, S. 17.

6 Adorno: Meinung Wahn Gesellschaft, GS 10.2, S. 592.

7 Adorno: Aberglaube aus zweiter Hand, GS 8, S. 163.

8 Adorno: Minima Moralia: tough Baby, GS 4, S. 51.

10 Adorno: Aberglaube aus zweiter Hand, GS 8, S. 156 und 176.

11 Adorno: Vorlesung über Negative Dialektik, Nachgelassene Schriften/IV, Band 16, S. 157.

12 Klaue, Magnus: Lasst nicht mit euch spielen!, in: http://jungle-world.com/artikel/2016/12/53705.html

Zur Kritik Bremer Zustände

Dokumentation der Veranstaltungsanmoderation vom 1. Juni 2016: Zur Kritik Bremer Zustände: Israel-Obsessionen am Beispiel Arn Strohmeyers.

Herzlich willkommen zur zweiten Veranstaltung der Aktion Zaungast mit dem Titel: „Zur Kritik Bremer Zustände: Israel-Obsessionen am Beispiel Arn Strohmeyers.“

Wieder einmal möchten wir zur Anmoderation eine leicht gekürzte E-Mail vorlesen, diesmal wurde sie uns zugespielt. Ein gewisser Detlef Griesche, der in Bremen kein Unbekannter ist, schrieb seinen Getreuen vom Nahostforum das Folgende:

Liebe Nahost-Interessierte und Interessierte an Toleranz, Völkerverständigung und sachlich kritischem Dialog,

vielleicht hat der Eine oder die Andere schon von der oben genannten Veranstaltung am 1.6. gehört. Ich persönlich habe noch nie eine Veranstaltung der DIG besucht oder gar gestört. Meines Wissens hat auch sonst noch nie ein mir bekannter Mitstreiter Veranstaltungen der DIG o.ä. gestört. Schon gar nicht wurde jemals versucht, für Veranstaltungen, die die völkerrechtswidrige Besatzungspolitik mit all ihren tagtäglichen weltweit geächteten und bekannten Unterdrückungsmethoden der israelischen Regierungspolitik verteidigen und gutheißen, Tagungsräume zu entziehen, wie das umgekehrt inzwischen ja auch öffentlich dokumentiert seit Jahren durch die DIG-Vorsitzenden zum Teil sogar unverfroren in schriftlicher Form  geschieht an Direktorinnen und Geschäftsführer der entsprechenden Institutionen und Häuser. Aber jetzt deutet sich eine neue Qualität von Diffamierungen, Rufmordkampagnen und an Einzelpersonen orientierte Haßausbrüche an. Nachdem nach der unsäglichen Kampagne gegen Arn Strohmeyer anläßlich der zunächst abgesagten Veranstaltung in den Weserterrassen in Bremen bestens bekannte honorige Persönlichkeiten das Buch gelesen hatten, der Vorstand der Weserterrassen die Vorwürfe des Antisemitismus einstimmig zurückgewiesen hatte und die Veranstaltung vor vollem Haus ohne Probleme stattfand, nimmt die DIG sich sogar die radikalsten und übelsten Vertreter der sogenannten Antideutschen (kann man googlen bei Interesse) zu Hilfe und kündigt eine Veranstaltung an mit dem Titel: „Zur Kritik Bremer Zustände – Israel Obsessionen am Beispiel von Arn Strohmeyer“. Nachdem sich mein ungläubiges Staunen gelegt hatte, habe ich recherchiert, was man unter „Obsession“ verstehen kann, damit ich keine haltlosen Vorwürfe in die Welt setze. Die Hauptbedeutungen, die hier infrage kommen sind: „Eine Obsession ist bildungssprachlich eine mit Besessenheit verfolgte Leidenschaft oder Fixierung auf ein bestimmtes Thema. Im psychologischen Sinne sind Obsessionen Zwangsvorstellungen, also Gedanken, zwanghafte Ideen oder auch Gefühle,von denen jemand ohne eigenes Zutun immer wieder heimgesucht wird und die oft als beängstigend empfunden werden.“

 Da, wie man weiß, Strohmeyer keineswegs auf ein Thema fixiert ist, sondern auch Reisebücher schreibt und Faschismusspuren in der Region Bremen aufgearbeitet hat, können die Veranstalter wohl nur die psychologische Deutungs-Variante meinen! Ein ungeheurerer Vorwurf, den es vergleichbar aus meiner Sicht bislang so noch nicht in Bremen gegeben hat! Bremen als Stadt wird erneut diffamiert und eine Einzelperson zielgerichtet öffentlich verunglimpft. Leider kein absurdes Theater, sondern bittere unglaubliche Realität eines verborrten Dogmatismus von Leuten, die ansonsten stets in das Horn der Völkerverständigung, der Toleranz und des offenen Diskurses blasen . Hier haben wir es nicht nur mit den Methoden des inzwischen bundesweit bekannten sog. Korrespondenten der Jerusalem Post aus Berlin zu tun, der sich als am Rande der Legalität bewegende Antisemitismuskeulenschwinger überall denunziatorisch betätigt, wo israelkritische Veranstaltungen geplant sind – immer nach der gleichen Methode Vorwurf  mit dem absurden Höhepunkt „Bremen sei eine Hochburg des Antisemitismus“ , sondern mit einer zusätzlichen neuen „Qualität“ des verbalen Totschlags ad personam! Wer zu dieser Veranstaltung gehen möchte, sollte sich nicht provozieren lassen oder gar selbst provokativ auftreten, denn Aussagen werden, wie man inzwischen hinlänglich weiß, verfälscht überregional  weitergegeben und bieten lediglich neues perfides Material für diese die Realität in Israel ausblendenden „Freunde Israels“

Es scheint mir an der Zeit, dass verantwortliche Politiker und Rechtsinstitutionen in Bremen sich diese Methoden, die man eigentlich nur aus totalitären Systemen kennt, anschauen und hinterfragen,  anstatt sich hinter der sog. „political correctness“ und die von der Kanzlerin ausgerufene „Staatsraison“ in Bezug auf Israel zurück zu ziehen.  Nicht nur andere europäische Staaten, sondern neuerdings auch überregionale Medien wie der Spiegel und selbst die Fernsehsender (Arte 17.5. z.B.und ttt) senden inzwischen ungeschminckte Berichte über die Apartheidstendenzen und die schleichende „ethnische Säuberung“ und „Entarabisierung“, wenn auch meist spät am Tage! Wer sehen will was passiert, kann das alles sehen – ein Vorteil auch unserer neuen Medienwelt des Internet!

Mit besten Grüssen

Detlef

Man sieht: die Kritik an deutschen, wie Ulrich Sonnemann sagte: „unbegrenzten Zumutbarkeiten“, die sich längst nicht nur auf Deutschland beschränken, ist aktuell.

Der allgegenwärtige Antizionismus, der die Juden dem palästinensischen Mord- und Unterdrückungskollektiv schutzlos ausliefern möchte, ist offensichtlichster Beweis dieser Zumutungen. Dabei ist es egal, ob dies in einem offenen Bündnis mit dem arabischen Vernichtungsantisemitismus geschieht oder im Geiste an die islamische ‚Fremdkultur‘ delegiert wird, der man die Potenz zum ehrenhaften Zwangskollektiv heimlich neidet.

Doch nicht nur dort, wo man sich explizit mit Israel beschäftigt, wird das gefahrlose Leben für Juden erschwert. In den Fokus der Kritik muss überhaupt die kritikfeindliche Tendenz zum Positiven rücken, die allein durch ihre falsch dialogorientierten Grundannahmen gar nicht anders kann, als den vernichtungsantisemitischen Wahn als eine Lebensraumfrage in den Kategorien von Blut und Boden zu rationalisieren.

Es ist überhaupt die verdorbene postnazistische Moral, die aus ihrer vorgeblichen Läuterung und ihrem Reinewerden mit der deutschen Geschichte Störenfriede, die das harmonistische Bedürfnis bedrohen, unschädlich, das heißt in den harmloseren Fällen: aus dem sogenannten ‚Diskurs‘ ausgeschlossen wissen will.

Gerne beruft man sich dabei auf so etwas wie ‚konstruktive Kritik‘, was ja schon ein Widerspruch in sich ist, zumal, wenn es um wahnhafte Zwangsvorstellungen geht.

Der Form nach äußert sich dieses falsche Harmoniebedürfnis meist dadurch, dass niemand über irgendjemandes Kopf hinwegreden darf. Dabei tut man selbst nichts anderes, wenn man mit den üblichen haltlosen Unterstellungen und Lügen, die man als Meinung tarnt und mit allerhand Befindlichkeiten auflädt, um sich wirft. Der Meinungspluralismus, der so etwas wie Wahrheit nicht kennen möchte, kommt nicht ohne Feindbestimmung aus.

Ein Beispiel:

Auf unserer letzten Veranstaltung meldete sich ein Mitglied einer evangelischen Gemeinde zu Wort, der bekundete, sich in der Nahost-Debatte zwar grundsätzlich sehr gerne beide Seiten anzuhören, bei Tilman Tarach aber festlegte: „so einen wie Sie brauchen wir hier nicht.“, sagte er.

Wir haben es uns darauf nicht nehmen lassen, dieser schollenmentalen Einlassung eines Diskurs-Salafisten, der den Saubermann gibt, die Hoffnung beizugesellen, dass die nächsten Diskussionsbeiträge qualitativ besser sein mögen. Es kann kaum wundern, dass so etwas im Kreis von Freunden der niederträchtigen Ja-Aber-Moral, wie sie im postnazistischen Meinungspluralismus so gängig ist, ein halber Skandal ist. War das nicht intolerant, fast schon eine Beschimpfung, war es nicht einer unparteiischen Moderation unangemessen?

Ein zweites Beispiel:

Die aus unserer Sicht noch harmlosen Punkte, die Tilman Tarach über den Islam und den sogenannten palästinensischen Befreiungskampf ausführte, gingen nicht nur besagtem Protestanten zu weit. Auch das „kukoon“, wo unsere letzte Veranstaltung stattfand, hat eine Kooperation dieses Mal abgelehnt. Auch hier möchten wir kurz aus einer Nachricht zitieren:

Inhaltlich hatten wir noch eine längere Diskussion im Plenum, da wir uns nicht auf die israelische bzw. palästinensische Seite stellen wollen/können und nicht ein politisches Statement dazu setzen möchten. Eine weitere Veranstaltung zu dem Thema und dann mit Hermann Kuhn finde ich positioniert uns als Laden, obwohl es auch bei uns im Kollektiv eine strittige Frage ist! Ich persönlich fand den Vortrag von Tilman Tarach ziemlich plakativ, was nach meiner Vorstellung nicht zu einem konstruktiven Diskurs auf der Suche nach einer Lösung beiträgt. Aber das ist auch nur meine eigene Einschätzung, wobei ich nicht für das ganze Kollektiv sprechen kann! Grundsätzlich können wir also bei einer weiteren Veranstaltungsanfrage eurerseits uns zusammensetzen und schauen ob wir d’accord mit Thema und Beitragsrednern im Sinne der Ausgewogenheit sind.“

Es bleibt also festzuhalten: Für die Solidarität mit dem israelischen Existenzkampf, für Kritik am Antisemitismus und am Islam sind Freunde und Freundinnen der Ausgewogenheit nicht zu haben.

Wer das Problem beim Namen nennt, der macht sich unbeliebt. Wir wollen uns davon aber nicht beirren lassen und Ihnen heute die Israel-Obsessionen eines gewissen Arn Strohmeyers vorführen, wozu wir als Gastreferenten Hermann Kuhn von der hiesigen Deutsch-Israelischen Gesellschaft eingeladen haben.

Martin Stobbe, befreundeter Genosse und Autor der ideologiekritischen Zeitschrift Bahamas, wird dies ergänzen durch theoretische Betrachtungen zum Antizionismus, der überall und zwingend Antisemitismus ist. Vielen Dank Ihnen und Dir für eure Bereitschaft dem allgemeinen Wahn etwas entgegenzusetzen!

Wutbürger der Woche: Hate-Magazin

Robert Stark vom linkshedonistischen Berliner Hate-Magazin “wird stinksauer“, wenn er sich, wahrscheinlich geistig noch im chemo-liquiden Zustand vom Vorabend, über die aktuellen Auswüchse des gleichgeschalteten Massentourismus erregt.

„Wer sich trampelnd, lärmend und nervtötend durch fremde Länder bewegt, ist nicht weltoffen und nicht alternativ, sondern halt einfach kacke. Verwunderung über vermeintlich einheimische Reserviertheit, überzogene Preise und die langweiligen Erlebnisparks City-Center sind Ausdruck der eigenen Unfähigkeit zu begreifen, dass, wenn man sich als lebendiger Dollarsack bewegt, auch als solcher behandelt wird.“ 1

Damit hat sich das Magazin endgültig den unrühmlichen Titel als „Wutbürger der Woche“ verdient, der seiner sich an der deutschen Sprache delinquierenden Sequenz linker Mode-Vulgarismen allerdings schon seit einiger Zeit zusteht.
Zeit also Bilanz zu ziehen und dem pferdebetäubungsmittelaffinen Haufen verbitterter linksradikaler Lebzeitstudenten für die ‚Progressivität‘ ihres hässlichen Jobs zu bestrafen, den sie nunmehr seit über sechs Jahren ungestört verrichten dürfen.

Postmoderne Internethedonisten

Wenn sich irgendwo zwischen linksradikalem Sozialisationsmoloch und Kreuzberger Vintage-Bohème eine Gruppe junger ‚Alternativer‘ nach dreitägigem Meth-Exzess zusammenfindet, um „den Wahnsinn der Nächte auf gedrucktem Papier zu verewigen“ und quartalsweise dem Hass gegen „alles was ihnen in die Quere kommt“ 2 freien Lauf zu lassen, kann kaum überraschen, dass dabei nur eine Agglomeration degoutanter Textproduktion in sogenannter deutscher Sprache herauskommen kann. Dabei stehen die postmodernen Internethedonisten und ihre chronische, stets in bester Wutbürgermanier verfasste Stimmungsmache gegen Nichtidentisches stellvertretend für den kulturellen Murks einer gesamten Szene. Eine Szene, die sich auch im direkten Umfeld des Berliner Magazins und dessen analphabeter Aneinanderreihung kulturindustrieller Idiome sonnt, wo sie Anerkennung und Bestätigung findet. – Anpolitisierte Jungantideutsche, die einen Großteil ihres durchschnittlich zwanzig-semestrigen Berlin-Aufenthaltes im „about Blank“ oder „Tristeza“ verbringen, Berliner Kiez-Milizionäre, für die das Prädikat Lokalpatriot noch ein Euphemismus wäre, Technofreaks und alteingesessene Autonome, bei denen sich der volkseigene Betrieb Mitte 30 schon regelrecht in die Gesichtszüge eingearbeitet hat.

„Fun, so schrieben Adorno und Horkheimer, ‚ist ein Stahlbad‘. Wer einigen der Wochenendhedonisten am Sonntagmorgen begegnet, hat dementsprechend nicht den Eindruck, sie würden von einer Party, sondern aus dem Kessel von Stalingrad kommen: abgehärmte, eingefallene Gesichter, tiefe Augenringe, weit aufgerissene Augen, nervöse Hyperaktivität.“ (Jens Schmidt)3

Das Hate-Magazin ging laut autobiografischem Selbstnarrativ aus einem Treffen linker Vollzeithedonisten hervor, für die sich die andauernden Party- und Drogenexzesse bereits zur Lebensmaxime verdichtet hatten. Der befriedigende Ruf nach verschmelzender Geborgenheit in den Untiefen der Berliner Frühclub-Szene ist genauso wie das stete Funktionieren-müssen, das bei den Feiergenossen immer mit Rücksichtlosigkeit gegenüber den Eskalationsfluss störende Einzelne einhergeht, fester Bestandteil einer linken Partyszene geworden, die sich notorisch in alles und vor allem sich selbst einen politischen Anspruch hineinlügt. Doch die typische Szene-Distinktion ist kein Ausdruck wünschenswerter Individualität, die wenigstens mit der Mündigkeit zum halbwegs klaren Gedanken aufwarten könnte, sondern wirkt jedem individuellen Denkprozess von vornherein entgegen.

Niedertracht linker Berufsantirassisten

Als ein Freund der Musikerin Jennifer Weist alias Jennifer Rostock vor einer Lokalität des Friedrichshainer RAW-Geländes im August letzten Sommers nach einer verbalen Auseinandersetzung mit einer Bande Jugendlicher ein Messer in den Hals gerammt bekam und nur durch den glücklichen Zufall nicht lebensgefährlich verletzt wurde, veröffentlichte die Sängerin kurz darauf eine Facebook-Stellungnahme. Aus dem Vorfall, der große Empörung hervorrief, und den damit einhergehenden Berichten ging klar hervor, dass es sich bei den Tätern wohl um Migranten handelte. Jennifer Rostock hatte unter dem Bild der Halsverletzungen ihres Freundes den Ablauf der Ereignisse allerdings lediglich knapp skizziert.

Sollte dies auch in erster Linie dazu beitragen, die Täter zu fassen, ließ sich der unempathische Stoßtrupp der Hate-Redaktion in einem gewohnt behelfsmäßigen Anfall linken Wahns nicht nehmen, mit einem mittlerweile gelöschten Schmähtext Jennifer Rostock der gezielten Kumpanei mit Nazis und Ausländerfeinden sämtlicher Couleur zu bezichtigen, weil sich aufgrund des Vorfalls mittlerweile ordinär fremdenfeindliche Kommentare auf ihrer öffentlichen Facebook-Fanpage gehäuft hatten.

Auf zweifelnde Nachfragen von Hate-Anhängern, die sich ihr Resthirn anscheinend noch nicht ganz mit synthetischen Substanzen aufgelöst hatten und diesen Denunziationsversuch nicht wirklich überzeugend fanden, polterte das Magazin:

„13 Stunden, 35.000 Shares und 20.000 Likes später: Der rassistische Kartoffel-Mob tobt noch immer in Jenniffer Weists Profil (…) Da nutzt eine bekannte Sängerin ihr Profil für so ein Posting und dann lässt sie den Mob rassistisch pöbeln – ohne einzugreifen, ihren Post zu löschen oder mal selber Stellung dazu zu beziehen.“ 4

Die gewünschte Stellungnahme kam zwar weniger als 24 Stunden später. Doch die Berufsantirassisten von der Hate-Redaktion wollten sich weiterhin nicht vorstellen, dass die Sängerin einen halben Tag nach dem versuchten Totschlag an ihrem Freund tatsächlich etwas Besseres zu tun haben könnte, als in strafbedürftiger Internet-Antifamanier irgendwelche Kommentarspalten zu reinigen. So weit, so niederträchtig.

Derselbe antirassistische Reflex taucht beim Hate-Magazin regelmäßig auf. Selbstverständlich kam es zu ähnlichen routinierten Ausfällen, als Journalisten wagten, am „Kotti“ als Hort alternativer Berliner Urbanität zu zweifeln und dieses Bild stattdessen mit misogyner Alltagspraxis, Gewalt und Verelendung kontrastierten. Für die strunzdumme Hate-Redaktion eine Todsünde und willkommener Anlass, das postkoloniale Elend mit Rassismusvorwürfen zum Verschwinden zu bringen und noch den leisesten Zweifel am gesamtideellen Kulturschutzreservat mundtot zu machen.

Kleinbürgerlicher Hass

Auch in ihrem neusten Erguss mit dem Titel „Warum eure Reisen und Instagram Bilder die Pest des 21. Jahrhunderts sind“ wird fleißig Vergeltung geübt:

„Wenn man sich bei einem kurzen Ausflug dann noch in den vermeintlich sicheren Touri-Gebieten aufhält, hätte man eigentlich auch gleich zu Hause bleiben können. 3 Tage Budapest, 2 Nächte in Oslo, Wochenendausflug nach Warschau: the grass is always greener on the other side of the fence. Und DU kannst es kaufen! Die Abenteuer sind Pelmeni, Fish & Chips und irgendwas anderes, was dann zwar scheiße schmeckt, aber immer noch für einen Facebook-Post reicht. Niemand reist um sich überwältigen zu lassen, zu zuhören, für den Erkenntnisgewinn, für die Einsicht oder für den Verlust von Heimeligkeit.“ 5

Der philiströse Hass auf Wohlstand richtet sich hier ganz offensichtlich noch nicht einmal gegen Reichtum als solchen, sondern in kleinbürgerlicher Manier gegen den mittlerweile für immer mehr Menschen realisierbar gewordenen Wunsch, übermorgen schnell dort sein zu können, wo es womöglich schöner ist. Er richtet sich dabei (post-)pietistisch gegen das Mindestmaß an bürgerlicher Freiheit zu individueller Mobilität, also der Möglichkeit, sich einigermaßen unabhängig bewegen zu können, was spätkapitalistische Dynamik und bürgerlicher Rechtsstaat bislang immerhin für einige Menschen gewährleisten können.

Diente lange Zeit das Abfackeln von sogenannten Luxuskarosserien den Altautonomen als Katalysator zur projektiven Verachtung von Vielfalt und Reichtum, hat sich das virtuell ‚hatende‘ Vulgär-Antideutschtum anno 2016 nun auf vermeintlich biedere Pseudoindividualisten eingeschossen, die, wenn es nach der Hate ginge, aufgrund ihrer vorhersehbaren statischen Urlaubsaktivitäten besser gleich zu Hause geblieben wären, anstatt den unmanierlichen Erlebnistouristen zu spielen.

„Es ist kein Zufall, dass sich die Aufregung über „Touristen“ und den vermeintlichen Hass auf sie, die seit dem vergangenen Sommer die Gegner der Gentrifizierung ebenso umtreibt wie antideutsche Kritiker der Gentrifizierungskritik, nicht unter den Anwohnern des Schlosses Charlottenburg oder in Berlin-Mitte, sondern in einem Milieu entwickelt hat, in dem der Typus des mobilen Individualisten und kreativen Freelancers aus der Notwendigkeit prekären Selbsterhalts heraus zur Existenznorm geworden ist. In der Verachtung der piefigen Pauschaltouristen, die in Ibis-Hotels wohnen und die allen Ernstes Sehenswürdigkeiten fotografieren, ist man sich hier ohnehin ebenso frontenübergreifend einig wie im Hohn auf Stubenhocker, die seit dreißig Jahren am selben Ort leben. Auch der Oberklassentourismus ist trotz des Ressentiments gegen „Aufwertungen“, die nicht nur daran erinnern, dass es einige besser haben, sondern auch daran, dass es eigentlich alle besser haben könnten, nicht das wichtigste Objekt der linksalternativen Touristenjagd.“ (Magnus Klaue)34

Im Zweifel ist das Hate-Magazin, dessen Horizont gerade so vom Kotti bis zum nächsten Ecstasy-Dealer reicht, auch antideutsch zu nennen und stellvertretend für seine antiautoritäre Klientel wieder einmal ganz zu sich selbst gekommen. Neben den Klassenkampf-Pamphleten eines Daniel Kulla, einer Zusammenarbeit mit dem antisemitischen „lower class magazine“ und dem Verleumden von Gewaltopfern findet sich – wenn man nur weit genug scrollt – auch die obligatorische BDS-Kritik, harmloses Geschwurbel über die härtesten Auswüchse bei den antizionistischen linken (Ex-)Genossen und immer wieder Ordinär’kritik‘ am organisierten Deutschtum.

Doch wie der Öko-Purist, der sich zum veganen Großreinemachen rüstet, schwafelt Robert Stark, der wohl lange keinen feuchten Traum mehr hatte, vom „lebendigen Dollarsack“, um das burleske Kultur-Flaggschiff, das so gerne nonkonform sein möchte, in Schussstellung für den Frühjahrsputz zu bringen. Der Hate-Radaktion ist der eigene Luxus offenbar so unangenehm, dass sie, um im Gespräch zu bleiben, fortwährend als Feindaufklärerin bei der deutsch-alternativen Gegen-Bohème antichambrieren muss, die für Gentrifizierer, Touristenhorden und sonstwie missliebige, das hoodmentale Harmoniebedürfnis störende Personen nicht viel übrig hat.

Da man es dabei nicht allzu offen mit dem palästinensischen Vernichtungsantisemitismus halten darf, hat die Hate-Redaktion als anständige Critical-Whiteness-Adeptin das israel-, also judenfeindliche Ressentiment im Sommer 2015 salonfähig über eine Anleihe bei der farbigen ‚Israelkritik‘ antisemitischer Volkspositivisten mit dem lächerlichen Namen „Antikapitalistische nichtweiße Gruppe im Aufbau“ ausagiert, um doch wieder beim Vernichtungswahn der iranischen Ummasozialisten zu landen. 7

„Die Dummheit der Reisenden wird nur von ihrer Ignoranz und Unhöflichkeit übertroffen.“ heißt es abschließend zur „Pest des 21. Jahrhunderts“. 8 Die überschwängliche Dummheit der wutbürgerlichen Menschenfeinde von der Hate-Redaktion, die nur der eigenen Sippe das Schwarze unter dem Nagel gönnt, wird bloß noch ästhetisch von ihrer anbiedernden Vice-Stilistik, dem unoriginellen, jovial-sprachrestringierten Jargon übertroffen, der die Frage aufwirft, ob die Redaktion ihre eigene Leserschaft wohl für einen Haufen Vollidioten hält, womit sie dann allerdings ausnahmsweise Recht hätte. Schon allein der Form nach hat sich das Hate-Magazin deswegen den Titel „Wutbürger der Woche“ redlich verdient.

Bremens ehrbare Antikommunisten oder die Liga der Schwachsinnigen

„[D]a sie gewohnt sind, sich darin zu bewegen, findet ihr Verstand nicht im geringsten Anstoß daran. Ein vollkommner Widerspruch hat durchaus nichts Geheimnisvolles für sie. In den dem innern Zusammenhang entfremdeten und, für sich isoliert genommen, abgeschmackten Erscheinungsformen fühlen sie sich ebenfalls so zu Haus wie ein Fisch im Wasser. Es gilt hier, was Hegel mit Bezug auf gewisse mathematische Formeln sagt, daß, was der gemeine Menschenverstand irrationell findet, das Rationelle, und sein Rationelles die Irrationalität selbst ist.“ (Marx)1

Antifaschistische Aktion heute

Wer den Blick für die eigene Ästhetik verloren hat und den Inhalt der Form zuliebe zurechtrückt, dem kommen mit dem Gegenstand der Kritik auch die Mittel dazu abhanden. Bewegungslinker Antifaschismus2 kann daher meist gar nicht anders, als sich als staatsalternative Bande – die trotz aller infantilen Rotzigkeit mit ihren Imagekampagnen längst den kulturellen Schulterschluss zur ‚postmodernen‘ Tüftlerbohème gefunden hat – an Phänomenen abzuarbeiten, die auch in der Mehrheitsgesellschaft längst ungern gesehen sind, hier wie dort geht es dabei um Identität, „die Urform von Ideologie“. (Adorno)34

Es passt daher ohne Weiteres ins Bild einer poststrukturalistisch deformierten Linken, dass wenn Rechtspopulisten von Staatsantifaschisten zu erfolgreichen Demagogen und ihre Wähler zur unmündigen Masse verklärt werden, ein Gefasel von ‚Diskursverschiebungen‘ nicht fern ist, damit der immergleiche Feind weiterhin in geübter Manier ‚adressiert‘ werden kann.

Nachdem etwa antinationale Antifaschisten in Bremerhaven das bundesweit ausgerufene „Aktionswochenende gegen Nationalismus“ genutzt hatten, um wenig überraschend den eigenen Denkunwillen zu bekunden, verlautbarten sie: „Die menschenverachtenden Äußerungen der AfD sind viel zu lange unkommentiert geblieben. Doch dagegen regt sich nun zum Glück immer mehr Widerstand“.3 Allein: selbst wenn es so wäre, was hier dummdreist behauptet wird und ganz offensichtlich nicht der Fall ist, blieben die linken Leuchtfeuer- und Steckbriefaktionen, die wohl eher gegen die reale Bedeutungslosigkeit der AfD Sturm laufen wollen, kaum mehr als das Fanal uneingestandener Überflüssigkeit. Hier wird nicht mehr als ein übliches stumpfes und in der Kampagnenhaftigkeit sich notwendig infantilisierendes Programm abgespult – als würden die AfD-Gestalten nicht schon seit ihrem Bestehen als Haudrauf der Nation herhalten. Wie die seit Jahren eingespielte Antifa-Denunziation ordinärer Dorfnazitrottel, den Einzelfall ausgenommen, erinnern solche ‚postmodernen‘ Spiele der Form nach nicht zufällig weniger an sinnvolle antifaschistische Aktion als an eine Art jugendfreier Variante der Dorfgemeinschaftshatz auf ‚Kinderschänder‘ oder Landwirte mit Massentierställen.

Bremer Heimeligkeit

In Wahrheit ist Bremen für Linke so heimelig, dass man sich als Bewegungsantifaschist zu ärgern scheint, wenn sich Neo-Nationalsozialisten nur selten öffentlich blicken lassen, eher unter sich bleiben und auch Pegida bisher nicht gesehen ward. Man mag sich gleichwohl gerade nicht mit Bremens durchdringender Bravheit jedenfalls im eigenen Viertel zufrieden geben, der schlechten hanseatischen Amalgamierung von Provinz und Stadt, geschweige dass diese Chance genutzt würde, sich einmal von der ahnungsvollen Empörung, die ideologische Subjekte zur Praxis drängt, zur Kritik des schlechten Ganzen anhalten zu lassen – also von der Erfahrung und nicht dem eigenen Mythos zum Grübeln anhalten zu lassen.35

Wollte man von der Empörung zur Kritik übergehen, stünde an deren Anfang die unausweichliche Erkenntnis, dass das, was 1848 wohl noch emphatisch als linkes Projekt gelten durfte, umso zerrütteter zu nennen ist, „je weniger Gesellschaft zur humanen wurde.“(Adorno)4 Ausgehend von dieser Einsicht gälte es nun doch ganz materialistisch, im Bewusstsein von Geschichte, die nicht stillsteht, sich der Erfahrung anzuvertrauen und den Versuch zu starten, Kategorien, von denen jeder ahnt oder schlimmer noch: weiß, dass sie bestenfalls nichts erklären und schlimmstenfalls jeder Vernunft zuwiderlaufen, einmal durch Begriffe zu ersetzen, die mit Grund und nicht in bloßer Meinung von sich behaupten könnten, ein klein wenig über sich selbst hinauszuweisen und im Anschmiegen an die Objekte zur bestimmten Negation der Verhältnisse beizutragen.

Das muss einer Linken freilich ganz und gar unmöglich sein, die allein durch das zwanghafte Festhalten an der Selbstbeschreibung ‚links‘ freiwillig zum Ausdruck bringt, dass einem Identität und Masse wichtiger sind als so etwas wie Wahrheit. Schon durch das Äußere wird in aller Regel kundgetan, das identitäre Ticket dem einzig richtigen Zweck, dem Verein freier Menschen überordnen zu wollen. Auch der antifaschistischen Funktionskleidung, ihrer ‚corporate identity‘ und dem zunehmenden Hang zur regelmäßigen Kampfsportpraxis, die politisch mit einer unverhohlenen Sehnsucht nach dem Ausnahmezustand gerechtfertigt wird und so als schlechter Selbstzweck noch den Moment der Selbstverteidigung glorifiziert, ist abzusehen, wie sehr es die penetrante Langeweile der eigenen Wohlfühlinsel und der immergleiche wertprozessierende Alltag sind, die zu direktdemokratischeren Formen bandengeselligen oder individuellen Wettrüstens drängen.5

Weil Bremer Linke in ihrem Tun selten über närrische Farce hinauskommen, ist es ehrlicherweise allerdings fast schon unangebracht, die hier allenthalben anzutreffende antistaatliche Verbalradikalität und den Möchtegern-Bandenritus als Rackettum zu bezeichnen, mithin mit den hiesigen kriminellen Gangcliquen, die ja zum Glück zumeist für Außenstehende mehr selbstkarikierendes Spottbild sind, oder mit der islam-familialen Zwangsvergemeinschaftung zu vergleichen, wo man nicht nur als Frau und als Schwuler unter der umfassenden sozialen Kontrolle und der phallozentrischen Geschlechterapartheid zu leiden hat.

Stattdessen scheinen Bremer Linke sich in ihrem einfältigen Beitrag zur Barbarisierung der Gesellschaft ein Vorbild an Bremens Schulhöfen zu nehmen, wo das Flegeltum zahlreicher frühadoleszenter Ehrenjungmänner*6 von kulturindustrieller Folklore ebenso körperlich alltagsinspiriert ist, wie es das Kreuzberg der 80er für Bremer Antifas zu sein scheint. Obwohl die Schulfhofkids restlos den neudeutschen Verhaltenskodex, die Schulhofscharia, internalisiert haben, dem allein die Ehre Autorität ist und der vorsagt, welche Verbalinjurien zwingend mit Schlägen zu ahnden sind, um das eigene Selbst wieder ins Recht zu setzen, weisen sie im Gegensatz zur verklemmten Bremer Linken allerdings mitunter immerhin ein interessantes Gespür für Selbstironie auf. Man könnte deswegen sagen: ernst nehmen ihr Tun in Bremen eigentlich nur kriminelle Clans, Rockerbanden und Politmobilisierte, denen sehr regelmäßig der scholleneigene Betrieb schon aus der Mode schaut.

Auch Linke, die einmal der kollektiven soziolektalen Selbstverdummung der Bremer Jugend gelauscht haben, schicken ihre Kinder mitunter wohlwissend nicht haustürnah nach Gröpelingen oder Huchting auf Schulen, wo das sozialpädagogisch umsorgte impertinente Phlegma und sein feindsemantischer Ehrengestus sich zusehends selbst verwalten. Die denkfeindlichen Zustände in Bremens Vororten wären schon mit dem Begriff der Halbbildung völlig falsch benannt, sodass auch der Versuch ihrer kulturindustriellen In-Wert-Setzung durch den „Revolutionären Aufbau Bremen“ in Ton und Bild vor allem an das Geplärr einer Krabbelgruppe mit multiplem Förderbedarf erinnert, der man versehentlich eine Knarre zum Spielen gegeben hat.35

Es wundert da kaum, dass die jüngere, auch auf Bremens Schulhöfen beliebte deutsche Populärkultur – wo jedes Genre für gewöhnlich immer ein wenig Anlauf braucht, um ganz zu sich selbst zu kommen – sich am besten über die Kommunikation von Ehre in verschiedenerlei Ausformungen vermarkten lässt. Nicht nur von Bande und ‚Bratan‘ ist dort die Rede; auch das, was Solidarität hätte heißen können, womit noch immerhin so etwas wie ein Grund zum Beistand vorausgesetzt würde, ist längst auf den parolenhaften Denkboykott „loyal bleiben!“ herabgesunken und damit ganz und gar auf den Hund gekommen.7

Es wissen zum Glück alle, die Bremen einmal bei Lichte betrachtet haben und sich einen hellen Moment zutrauen, dass der Ausnahmezustand erst einmal nicht kommen und sein Herbeiwünschen von den anvisierten Massen links liegen gelassen wird. Da allerdings niemand weiß, was Bremens Ummasozialisten den ganzen Tag so treiben und man ahnt, dass Bremens Sicherheitsbehörden in ihrem chronischen Dilettantismus das entweder auch nicht so recht oder damit jedenfalls nichts vernünftiges anzufangen wissen, bleibt diese Rechnung bislang eher dem Prinzip Hoffnung als einem wachen Blick anheimgestellt.

Auch Bremer Linke haben dieses wache Auge nicht. In sturer Ignoranz den Verhälnissen gegenüber nähert man sich der islamischen Gefahr mit vereinzelten Ausnahmen höchstens so zaghaft an, dass man immer die passende Relativierung geschwind genug zur Hand hat, um ja jeden klaren Gedanken vermeiden zu können. Bremer Antifas ist es vielmehr ganz unangenehm, dass Bremen, was Neo-Nationalsozialisten und rechte Fremdenfeinde anbelangt, auf den hinteren Plätzen liegt. Während der Ummasozialismus wie ein Kulturschutzreservat gehegt und gepflegt wird, wie es auch die deutschen Verfassungsschützer mit dem NSU getan haben, ist in Bremen vor allem eines entscheidend: Hauptsache nazifrei. Dabei zeigt sich ein Phänomen, das sich auch bei deutschen Behörden findet: Ist der Zweck, der einem die organisierte bzw. institutionalisierte Existenz rechtfertigt, im Verschwinden begriffen, wird sich dieser Zweck zurechtgelogen. Was für den Verfassungsschutz sehr zu bedauern ist, dass der als ‚religiöser Fundamentalismus‘ versachlichte ‚Islamismus‘ dieser ganz und gar verdorbenen, durch und durch deutschen Institution neues Leben einhaucht, wäre für Bremens Linke schon das Bessere: den Ummasozialismus als zu bekämpfenden Feind zu visieren. Es wird spannend zu beobachten sein, ob das linke Konglomerat aus Öko-Alternativen und Antifa-Entrepreneurs wenigstens diesen Schritt in der nächsten Zeit schaffen wird und so der phrasenhaften Israelsolidarität, die hier durchaus anzutreffen ist, zumindest den Anschein beigesellt, es damit ernst zu meinen. In meinungspluralistischen Publikationsorganen wie der Jungle World wurde ja bereits immer wieder vorgemacht, wie man auch parolenhaft gegen den islamfaschistischen Feind zu Felde ziehen kann, ohne sonst auch nur irgendetwas vom linken Bewegungshabitus, beispielsweise dem eigenen irrationalen antirassistischen oder antisexistischen Bedürfnis, in Frage stellen zu müssen.

Zonale Hetzmeute

Bislang gelten Bremer Linken allen Ernstes die AfD und Pegida als Hauptproblem, dabei ist die AfD selbst in der zonalen Tristesse Bremen Nords oder Bremerhavens, wo der Staat längst im Rückzug begriffen ist, ein marginales, jedenfalls vernachlässigbares Randphänomen. Die linksantifaschistische Rede von geistigen Brandstiftern, gegen die sich zu wenden dem gängigen antifaschistischen Unternehmergeist keine Infantilität zu blöd ist,8 verrät viel davon, wie hier der Gegenstand der Kritik schon lange abhanden gekommen ist. Wo einem alles irgendwie Alltagsrassismus ist, man sich also gar nicht mehr zutraut, die Verhältnisse einem genaueren negativen Blick zu unterziehen, da fällt gar nicht weiter auf, wie zweckfern solche ideologischen Einlagen sind, und wie sehr sie sogar den eigenen Annahmen widersprechen.

Brandanschläge und fremdenfeindliche Übergriffe sind ja eben nicht spontane Anwandlung verleiteter, ansonsten braver Volksdeutscher, wie es sich die parteipolitischen Marktsubjekte in ihrer Angst, in der Wählergunst abzuschmieren, mitunter zurechtfantasieren, und deshalb in noch so in sich widersinnigen Asylrechtsverschärfungen ergehen. Sie sind Ausdruck eines verfestigten rechtsradikalen Milieus, das zwar schon spätestens seit Ende der 1990er Jahre im Niedergang begriffen ist, aber noch viel davon erzählt, wie unbehelligt man sich dort auch als bekennender Sympathisant jahrzehntelang bewegen konnte. Hier wird seit Jahr und Tag munter im hermetischen Netzwerk das volksdeutsche Ressentiment nicht nur im pogromaffinen Kommandoton herbeigewettert, wie es der lethargische, unmobilisierte Stammtischdeutsche tut, der sich selbst ganz und gar unerwünscht ist. Es ist vor allem auch die gewaltaffine Hitze desjenigen, der von der ureigen verkorksten Selbstregentschaft psychodynamisch ganz und gar verwahrlost ist und in Mimik, Gestik und Gesichtstönung, mit der die geifernde Hetzrede herausgezetert wird, nicht erst unter Alkoholeinfluss seine potenzielle Bereitschaft signalisiert, den Hass aufs Fremde im Zweifel auch tatkräftig auszuagieren.
„Die Macht sendet Befehle aus wie eine Wolke von magischen Pfeilen. die Opfer, die davon getroffen werden, bringen sich selber dem Mächtigen dar, von den Pfeilen gerufen, berührt und geführt.“(Canetti)9

Dies geschah in den 90ern in großer Anzahl, als man fremdenfeindlicher Akklamation gewiss sein konnte und der Hetzmeute allseits nahegelegt wurde, hier würde Volkes Wille zur Tat gebracht. Doch von solchen auch damals zumeist ostzonalen Zuständen kann in Zeiten des Staatsantifaschismus, wo nunmehr die Antifaarbeit der 90er von den Öffentlich-Rechtlichen erledigt wird, keine Rede mehr sein. Hier ist es eher so, dass die sich auf wenige ehrbare Brandstifter zusammengeschrumpft sehende rechtsradikale Minimeute ihre Felle davonschwimmen sieht und erst diese „Furcht vor Zerfall, die immer in ihr rege ist, macht es möglich, sie auf irgendwelche Ziele zu lenken.“(Canetti)10 Selbst die notorischsten ostzonalen Fremdenfeinde sind wohl schwerlich ernsthaft davon überzeugt, für mehr als die jeweilige Dorf- bzw. Kleinstadtgemeinschaft brandstiftend hasardieren zu gehen, was die omnipräsente Rede vom Nationalismus total fehlgehen lässt. Schon dem Dorfgemeinschaftshabitus der Neonationalsozialisten und ihrem eigentümlichen modischen Atavismus, der schon immer aus der Zeit gefallen war, lässt sich absehen, wie sehr es sich bei ihrer nationalen Mystik um eine ‚blutsurenge‘ Kaff-Ideologie handelt, deren ungeglaubter ‚ethnopluraler‘ Universalismus immer die allmachtsfantastische Lüge der eigenen, zu eng geratenen Subjektdeformation und ihres spinnefeindschaftlichen Geheges ist. Da die Radikalisierungspotenz des Islam als postmodernes Pluralismusprojekt hier viel besser auf die Zeit gemünzt ist, kann es kaum wundernehmen, dass sich diesem nicht nur allochthone, sondern zusehends auch autochthone Deutsche anheimgeben.

Zuckerbrot oder Peitsche: das Tauziehen zum besseren Deutschen

Ob als autosuggestives Prinzip, fremdenfeindliches Reinheitsgebot oder real-politische Krisenminimierung: Deutsche setzen zuallererst auf die Direktive Abschieben, um nicht vom Islam reden zu müssen, was sich auch unter Linken als kritik- und denkfeindliche psychodynamische Abspaltung zeigt. Als wäre es die machtlose AfD, die Asylrechtsverschärfungen durchsetzen und dem Morden islamischer Banden tatenlos zusehen würde, führen antinationale Linke gegen ihren Lieblingsfeind, den bürgerlichen Rassistenspießer, regelmäßig phrasenhafte Fossilkategorien zur eigenen Lustbefriedigung ins Feld. Doch es ist eben nicht die allseits bekämpfte AfD, die Asylrechtsverschärfungen durchsetzt – was die Antinationalen an anderer Stelle auch wissen und ihr beflissenes Tun vollends als Ticket entlarvt –, es sind die Mehrheitsparteien aus mobsensibler Angst vor zonal deformierten Stimmdeutschen und dem politmerkantil notwendigen Unwillen zum vernünftigen Gedanken. Es müsste deswegen darum gehen, dass diejenigen, die aktuell verloren sind, ohne Rücksicht auf Stimmverluste rechts liegengelassen werden. Statt ein Antifa-Gejammer über AfD-Wahlerfolge in Randbezirken anzustimmen, die erst einmal nur die dortige parlamentarische Arbeit noch nervtötender machen, wäre also zuallererst staatliche Souveränität gegen die realiter zum Glück mickrige ‚Umkehrungsmasse‘ (Canetti) des zündelnden und übergriffigen deutschen Volksmobs zu behaupten, anstatt sich dem Haufen Elend AfD in vorauseilendem Gehorsam ‚diskursiv‘, also in einem politsimulativen Spiegelspiel selbstverblödend anzudienen, ob nun mit Zuckerbrot oder mit Peitsche. Es gilt also, das nationale Tauziehen zum besseren Deutschen zwischen AfD, Bewegungslinken und Mehrheitsgesellschaft – die sich in ihrer Schollenmentalität und ihrem Islamneid allesamt weniger unterscheiden, als sie sich eingestehen – nicht weiter als medialen Endkampf der Berliner Republik zu inszenieren, woran notorisch gekränkte Verschwörungsideologen nur wachsen können und womit von Abschiebung Betroffenen nun wirklich nicht geholfen ist.

Um letztlich auch gegen die deutsche Stammtischzone des AfD-Wählermilieus vorzugehen, wo die postbürgerliche Neigung, den narzisstischen Wahn als Meinung zu sakralisieren, sich offenkundig in einem sehr fortgeschrittenen Stadium befindet, wäre doch einzig unmissverständlich auf Aufklärung, einen klaren Gedanken im besten und das heißt zugespitzten Sinne zu dringen – also einen, der die fragmentierten gesellschaftlichen Zudringlichkeiten als Momente des falschen Ganzen bloßlegt. Das Treten und Beißen von Zonis und westdeutschen Gefühlszonis, das einer je unterschiedlichen idiosynkratischen Schollenindignation um verunsicherte Pfründe entspringt, wäre als deutsches Krisenlösungsmoment bloßzulegen, das unter anderem auf die Zumutungen des nach dem islamischen Modell der familialen Zwangsvergemeinschaftung geformten Berliner Sozialstaats mit dem Ruf nach autoritärem Volksstaat reagiert.11 Die fremdenfeindliche wie kulturrelativistische Islamophilie wäre deswegen als Islamneid, als Sehnsucht nach dem potenten Kollektiv angesichts allseitig wertvergesellschafteter Unbehaglichkeiten zu denunzieren.36

Doch nicht nur dort, wo Linke Antinazismus betreiben, bringen sie Mittel und Zweck durcheinander. Wenn es von Seiten der antinationalen Aktionisten zu aktueller Staatspolitik heißt: „Die aktuelle Situation ist keine ‚Flüchtlingskrise’, sondern eine Krise der Abschottung und gesellschaftlichen Reichtumsverteilung.“12 ist demgegenüber vielmehr auf die sich aktuell vollziehende Erosion staatlicher Souveränität zu verweisen, die sich im Westen als allgemeine staatliche Konzeptlosigkeit darstellt.

Ganz im Gegensatz zur Rede von Eurozentrismus, westlichem Imperialismus und anderen Dämlichkeiten wäre darauf zu bestehen, dass auch das, was der Mehrheitsöffentlichkeit als ‚Flüchtlingskrise‘ gilt, nicht so stumpf, wie es bei den Antinationalen geschieht, mit Weltmarktperipherie, sondern zuallererst mit der brutalen Auflösung, dem Verfall und dem Scheitern von bürgerlicher Staatlichkeit zu erklären ist, die die schlechte, aber demgegenüber bessere ratio des Tauschmarktes und seines gelogenen Aufstiegsversprechens erst erzwingen könnte. „Objektiv richtige und falsche Bedürfnisse ließen recht wohl sich unterscheiden, so wenig daraus auch irgendwo in der Welt ein Recht auf bürokratische Reglementierung abgeleitet werden dürfte. […] Wichtiger dafür aber als selbst das fast undurchdringliche quid pro quo von Bedürfnis, Befriedigung und Profit- oder Machtinteresse ist die unentwegt fortdauernde Bedrohung des einen Bedürfnisses, von dem alle anderen erst abhängen, des Interesses am einfachen Überleben.“ (Adorno)13 In Afrika und Syrien ist dies ganz offenkundig, doch auch die schon seit Jahren tödliche europäische Migrationspolitik wäre nicht nur proaktives Abschotten zu nennen, denn vor allem als unempathische Konzeptlosigkeit EU-institutioneller Verantwortlichkeitsrochaden kenntlich zu machen.

Dem antistaatlichen Furor vieler Linker genau entgegengesetzt ist deswegen auf erheblichen staatlichen Mehraufwand zu dringen – gemeint ist der Staat kapitaler Vergesellschaftung westlichen Zuschnitts und seine bürgerlichen Reminiszenzen –, um den mörderischen Verhältnissen vor Ort und den elenden Zuständen, die Flüchtlingsrouten zur tödlichen Falle werden lassen, zu begegnen, und rational über konkrete Integrationsprogramme nachzudenken. Doch selbst ganz pragmatische Fragen städtischer Sozialpolitik – deren Probleme von Flüchtlingshilfeorganisationen in Bremen auch durchaus schon lange wohltuend unideologisch benannt werden – können hier von manchen Linken erwartbar nicht diskutiert werden, ohne dass dabei gewohnheitsmäßig von sinistren Machenschaften „neoliberale[r] Interessen“ und „Immobilienspekulationen“ geschwatzt würde – hier wird die teils sehr schlechte Unterbringung von Flüchtlingen ganz offen zur ‚Endlösung‘ der Wohnraumfrage stilisiert, der man es abhört, wie mal wieder nur die eigene Empörung darüber vorherrscht, dass unmanierliche Wohlhabende, die wahrscheinlich kaum mehr besitzen als manch eigenes Elternteil, die Frechheit besitzen, für sich ebenfalls einen Platz in der fürs linke Lagerfeuerprojekt reklamierten Scholle in Anspruch zu nehmen. Das Tremolo linker Aktivisten aus der Volkskonserve zeigt sich folgerichtig einem näheren Blick auf Bremische Wohnraumpolitik vollkommen abhold, man ist stattdessen nur zur Parole fähig: Hauptsache beschlagnahmen, ob es nun Abhilfe für reales Leid schafft oder nicht ist da egal.14

Deutsche Amtsstubenindolenz und die Dialektik des Plenums: der Staatsantifaschismus

Obwohl also das mehrheitsgesellschaftliche juste milieu die eigene Blasiertheit mit großer Inbrunst am mittlerweile zum Gemeinschaftsfremden erklärten Neonazi und anderen schädlichen Elementen kryptoreflektiert, geht im Lichte des Begriffs staatlicher Konzeptlosigkeit auch auf, weshalb der postnazistische Staat in Zeiten von Staatsantifaschismus und kulturkonservierender antirassistischer Ideologie gleichwohl schwerfällig gegen rechtsradikale Strukturen vorgeht.

Das staatliche Missmanagement gegen Rechts liegt nicht einfach, aber auch an den fremdenfeindlichen Volksdeutschen, die es sich mitunter in ihrem Amtssessel regional je spezifisch bequem gemacht haben. Die ganze behördliche Struktur hat es nicht nur an sich, dass auch bei Regierungswechseln und leitideologischen Kalibrierungen Personalaustausch lediglich auf höheren Ebenen vollzogen wird. Vielmehr hat sie es überhaupt für sich, dass der Eifer dort zu irgendwas, das den irrationalen Verhältnissen mit der rechtsstaatlich gerahmten Autorität auch nur ein wenig eigeninitiativ Vernunft entgegensetzt, in der immergleichen Tristesse des öden Aktenzeichens erstirbt oder, wenn denn ein Vorgesetzter zur Handlung anmahnt, typischerweise zu nichts mehr als blindem Eifer führt. Dass nicht nur die zahlreichen autoritären Charaktere in deutschen Amtsstuben im Zweifel eher dem immergleichen Trott fröhnen und die Spekulation darauf beschränken, was sie ohnehin schon immer gewusst glaubten, verweist zum einen auf das beamtendeutsche Konstrukt des Treueeids und zum anderen auf die sich notwendig einstellende Behäbigkeit chronisch unterfinanzierter und unterbesetzter alltagsdeutscher Amtsstubenindolenz.

„Sind in England oder Frankreich [eher wäre hier wohl an die USA zu denken, AZ] die Charaktermasken, die die Warenbesitzer einander zukehren, durch die speziellen Warengestalten geprägt, die der Wert im Verlauf seiner Verwertung annimmt, definiert sich der Bürger also vornehmlich als Kapitaleigner oder Ware Arbeitskraft, so entsteht das bürgerliche Subjekt in Deutschland von vorneherein als Charaktermaske der Allgemeinheit der Wertabstraktion, deren Ausdruck ja die moderne staatliche Souveränität ist.“ (Krug)15

Während es in anderen Ländern, wo die kapitale Vermittlung Einzug gehalten hat, ohne dass der Drang zur Vernichtung alles Abstrakten den ganzen Volkskörper beseelte, auch im Staatswesen so etwas gibt wie einen Leistungsethos, der immerhin noch dem Zweck zuarbeitet, der einmal angedacht war, und diesen Zweck mitunter mit der Vornehmheit des Verfassungstelos verfolgt, dem es an Freiheit gelegen ist, wird demgegenüber zwar auch in deutschen Behörden durchaus mit Verstand und mehr noch mit Akribie gearbeitet, wenn der Dienst nach Vorschrift das vorsieht, doch dass einmal jemand die Vernunft gebrauchte, ohne dass dies von oben angeordnet würde, bleibt der Tendenz nach Einzelfall.

Es geschieht hier allerdings nichts, was sich nicht auch regelmäßig im Kreise bürgerlicher Familienenge, im öffentlichen Nebeneinander nachbürgerlicher Subjektmonaden mit all ihren Neidprojektionen und besonders auch in linken Politgruppen abspielt: Hier wie dort geht es ganz allgemein zu wie in einem Irrenhaus. Jeder plärrt, haut und sticht und macht noch dann, wenn wenigstens der anvisierte Zweck so falsch nicht ist, in aller Regel das vollkommen verkehrte, um ihn zu erreichen.

„Was von je an der bürgerlichen Gesellschaft gegenüber der ratio des freien und gerechten Tauschs, und zwar infolge von seinen eigenen Implikationen, irrational: unfrei und ungerecht war, hat derart sich gesteigert, daß ihr Modell zerbröckelt. Eben das wird dann von dem Zustand, dessen Integration zum Deckbild von Desintegration sich wandelte, als Aktivposten verbucht. Das Systemfremde enthüllt sich als Konstituens des Systems, bis in die politische Tendenz hinein. […] Solche Rückbildung des liberalen Kapitalismus hat ihr Korrelat an der Rückbildung des Bewußtseins, einer Regression der Menschen hinter die objektive Möglichkeit, die ihnen heute offen wäre. Die Menschen büßen die Eigenschaften ein, die sie nicht mehr brauchen und die sie nur behindern; der Kern von Individuation beginnt zu zerfallen. […] Subjektive Regression begünstigt wiederum die Rückbildung des Systems. […] [D]as Bewußtsein der Massen [hat] dem System dadurch sich gleichgemacht, daß es zunehmend jener Rationalität des festen, identischen Ichs sich entäußerte, die noch im Begriff einer funktionalen Gesellschaft impliziert war.“ (Adorno)16

Das kontemporäre Staatswesen in Deutschland, das sich zuallererst durch allgemeine Konzeptlosigkeit und den ganz allgemeinen Hang zu Arrangement und Verordnung unsinniger Fortbildungen auszeichnet, ist in Teilen schon eher ein Unwesen – was aber gerade nicht in den neidvollen Verdächtigungen deutscher ‚Eigentumsbestien‘ und dem von ihnen fetischisierten Arbeitsethos aufgeht, der gegen die ‚faule‘ Beamtenschaft in Stellung gebracht wird. Es sind hier vor allem Apathie und Denkfaulheit vorherrschend, im Zweifel wird der amtstreuen Behäbigkeit und der ureigenen Idiotie, dem meinungspluralen in mal mehr, mal weniger kollektivierte Formen gegossenen Privatwahn Vorrang vor der Vernunft eingeräumt. Die Dialektik des zerfallenden Staates ist ohne die Dialektik der sich selbstverschuldet in Unmündigkeit haltenden Gesellschaft nicht zu denken.

Niemand kann da ernsthaft überrascht von dem widersprüchlichen Gerangel sein, das Bremer Behörden um die Durchsuchung des hiesigen „Islamischen Kulturzentrums“ (IKZ) veranstaltet haben. Die allgemeine Tendenz zur Verkehrung von Mittel und Zweck ist hier immer wieder dann besonders schön zu beobachten, wenn die zahlreichen konkurrierenden Ämter in etwa so wie linke Bündnisgruppen gar nicht anders können, als den Konkurrenz-Ministerien und föderalen Pendants höchstes Misstrauen entgegenzubringen: wissen sie doch am besten, in welchem Ausmaß hüben wie drüben bloß selbstbezüglich vor sich hingewurschtelt wird.17 Das gegenseitige Misstrauen der massenhaft Vereinzelten, ihre ungeglaubten Bewältigungsprogramme für die spinnefeindliche Umwelt, um deren Scheitern man eigentlich weiß, sind dabei immer ein Stück technizistischen Rückfalls in überwunden gewähnte Natur. Die wertprozessierende Quantifizierung des qualitativ Unterschiedlichen, die unverständlich zudringliche Synthesis der Gesellschaft als unverstandene Automatik, die die Subjekte und mit ihnen alles Besondere einpresst auf eine positivistische Folie, für die notwendig niemand verantwortlich zeichnen kann, verklammert dabei Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse zu einer spezifischen Vorhölle aus Sozialneid, Abstiegsanst und Hass, was sich am antisemitischen Wahn oder bizarrer Esoterik, dem Treten nach dem nächst Unteren oder dem abnormen Alltagstick zeigt. Unverkennbar ist es die zweite Natur kapitaler Wertvergesellschaftung, die hier die Urgeschichte zitiert, und den Menschen selbst dann noch erste bleibt, wenn sie den Bann als Bann durchschauen.18

Es ist letztlich vielleicht sogar ein wenig bedauerlich, dass Linke im Jungel des gesamtgesellschaftlichen Irrsinns ihre ganz eigene alternative Staatlichkeit vor sich hin projektieren und im Antifa-Startup oder in zivilgesellschaftlichen Vorfeldorganisationen, die identitäre oder geldwerte Allimente versprechen, Nazis das Leben schwer machen wollen, anstatt ihre Profession für phrasenhafte Workshops und zweckferne Akribie gleich beamtendeutsch auszuleben. Allein: Staat ist Verrat, von der Verfasstheit der eigenen in Wert gesetzten dröge-unnötigen Recherchearbeit als ein Public-private-Partnership, das sich der öffentlichen Arena als Problemlöserin andient, will man nichts wissen. In der zwanghaften Abwehr alles Staatlichen ist die Ahnung davon abgespalten, wie sehr auch das meinungspluralistische allwöchentliche Plenum regelmäßig nur dann nicht an den eigenen Volltrotteln scheitert, wenn sich irgendjemand doch noch zur Autorität aufwirft. Es scheint dies ein Neid auf die strukturelle Rationalität behördendeutscher Dienstbesprechungen zu sein, hinter deren schlechte Zweckakribie man links regelmäßig zurückfällt: allen ist unzugegebenerweise beständig bange darum, dass schon der nächste, in aller Regel befindlichkeitsschwangere Wortbeitrag die Diskussion um in dieser Welt wertvolle Zeitäquivalente umfassend zurückzuwerfen könnte. Diese ganz eigene Dialektik linker Plena, mit der auch überhaupt kein Staat zu machen wäre, verwaltet zum Glück schon aufgrund der meinungspluralen Form und der pseudo-aktiven Selbstbezüglichkeit nach in erster Linie bloß die eigene Trostlosigkeit.

Bockige Kleinkinder

In die hanseatische Liga der institutionell Schwachsinnigen wäre freilich noch die unfähige Bremer Polizei aufzunehmen, die ja ebenso Teil des hiesigen grenzdebilen Volksstamms ist, und nach dem Hogesa-Zirkus die nicht allzu unwahrscheinlichen Lebenszeichen angejahrter Nazihools beim Nordderby 2015 ganz und gar erwartbar verpennt hat, statt die Prügelbanden, die man sich selbst hält, einmal sinnvoll einzusetzen. Ganz besonders anheischig für einen der ersten Plätze hat sich auch die Bremer Justiz gemacht, die sich wohl als Racheaktion für die ebenso widerwärtige wie strunzdumme linke Attacke auf ein Bremer Polizeiauto37 die Infamie ausgedacht hat, den ‚Antifaschisten‘ Valentin in einen bundesweit bekannten Neonaziknast zu stecken – was man mit Umma- und Neonationalsozialisten ja durchaus einmal als behördeninterne Panne inszenieren könnte.

Es wäre angesichts dessen ganz offensichtlich falsch, deutschen Beamten den ureigenen Eifer abzusprechen. Ganz im Gegenteil wird man in deutschen Amtsstuben in trauter Regelmäßigkeit ganz besonders hingebungsvoll geschäftig, wenn ein durch die Behördenstruktur in seiner ganzen Art begünstigter autoritärer Charakter etwas findet, woran er sich projektiv abarbeiten kann.

Es ist nicht ganz klar, ob der Bremer Staatsanwalt, der sich beim Prozess gegen zunächst drei, jetzt noch zwei selbsternannte Antifaschisten vor versammelter Mannschaft zum Deppen macht, aus ideologischer Borniertheit, blindwütigem Karrierismus oder auf Weisung der Stadtoberen standhaft weigert seinen Verstand geschweige denn das bisschen Vernunft einzuschalten, das vielleicht auch einem autoritären Charakter bisweilen noch unterstellt werden darf. Wohl in einer Mischung aus geballter Unfähigkeit und ideologischer Rechthaberei ist er unbeirrbar nicht willens, zwischen gewaltaffinen Linksfaschisten, die ihr Bandentum in erster Linie als Jugendsünde zelebrieren – trotz offenem Antisemitismus gelten sie dabei manch anderem Antifa immer noch als Genossen –, und ganz und gar ekelerregenden, wenn auch in die Jahre gekommenen Nazi-Hools, die schon längst einmal für was auch immer eingebuchtet gehört hätten, zu unterscheiden. Anstatt die Waffen des Rechtsstaats, die längst hinreichend ausdifferenziert sind, jeweils wohldosiert in Anwendung bringen zu wollen, befleißigt er sich mutmaßungsgesteuert des krampfhaften Nachweises, noch die unpolitischste Ehrenschlägerei zwischen charakterprovinziellen Dorfdeppen – recht typisch für Bremen – zum Skandal zu stilisieren. Diese unverfrorene Beharrlichkeit, mit der hier Mittel und Zweck des Rechtsstaates verkehrt werden, weil der Staatsanwalt als Beweise nur Indizien und seine depravierte Autosuggestion hat, zeugen bei ihm wohl in erster Linie vom eigenen Unbehagen mit sich selbst und einem unindividuierten Charakter, der auch in seiner Staatskarriere noch immer auf die ödipale Situation wartet, in der ihm selbst einmal kräftig die Leviten gelesen werden.19

Es könnte doch einzig heißen, die einen Volksfreunde unter demobilisierenden Auflagen am besten gehen zu lassen – die Sinnlosigkeit von manch einer Gefängnisstrafe, die das Elend oft nur noch schlimmer macht und schon immer trefflich zur Heroisierung taugte, wird hier mal wieder nur allzu ersichtlich –, nicht zuletzt um sich fortan in aller gebotenen Gründlichkeit den paar Dutzend in Bremen noch verbliebenen Neo-Nationalsozialisten und ihren zahlreichen arabischen Brüdern im Geiste, den Ummasozialisten widmen zu können. Stattdessen aber liefern sich Staatsanwalt und weitere staatlicherseits Beteiligte ein projektives Spiegelspiel wechselseitigen Strafbedürfnisses mit den Angeklagten, das nicht nur auf Seiten der naseweisen Jungrevolutionäre von einer unterbewussten Straf- und Aufmerksamkeitsbedürftigkeit aufgrund einer fehlenden anerkennenden Vaterinstanz getragen zu sein scheint. Auch das Ermittlungs- und Prozessverhalten von Polizei und Staatsanwaltschaft, wo die Anklagepunkte teilweise so löchrig sind wie die Hirne der geladenen Zeugen, zeugt von dem unterbewussten Bedürfnis, endlich von einer höheren Instanz im unbelehrbaren Eifer gestoppt zu werden. Es ist daher kein Zufall, dass die Gerichtsverhandlung des Valentinprozesses, die ganz allgemein Einblick in die geistigen Zustände regregierter Hanseaten gewährt, nicht zuletzt durch die albernen militanzmodischen Zurichtungen auf den Zuschauerbänken an das Zusammenscharen eines rückständigen Volksstammes um den Dorfschamanen erinnert, der ihr einen Dämonen austreiben und dafür zum Opfer greifen soll.

Ankläger wie Angeklagte gebärden sich dabei wenig überraschend als bockige Kleinkinder: Die einen sind so zu nennen, weil sie allen sturen Ehrgeiz darauf verwenden, Heranwachsende, die sie für Kommunisten halten und die in Wahrheit Konterrevolutionäre sind, unbedingt hinter Gitter zu bringen, um Bremens Straßen von linken Rüpeln reinzuhalten; die anderen, weil sie vom Verein freier Menschen selbsterklärtermaßen nichts wissen wollen und lieber so verbissen wie lächerlich die Abstraktheit der Tauschbeziehungen personalisiert bekämpfen. Ohne sich für offen säuberungsaffine Widerlichkeiten zu schade zu sein – Tags mit der Parole „Vergewaltiger boxen“ sind dabei wohl die neueste Widerlichkeit – , soll bei ihnen durch den Ehrengestus des ‚Bruders‘ und die Instanz der Vorstadtbande gesellschaftliche Vermittlung, also das, was bislang immerhin Voraussetzung für das bisschen Freiheit ist, das mancherorts existiert, negativ aufgehoben werden. So zeigen sich beide Seiten, Anklage wie Angeklagte, vereint im Antikommunismus und damit ganz auf Linie mit allen anderen Standortvertretern und ihren jeweiligen Problemen zur Herausbildung einer kritikfähigen Persönlichkeit.

Revolutionäre Kritik

Wo sich folglich Mittel und Zweck besonders ostentativ verkehren, wird Politik betrieben und sind linke Antifaschisten ganz vorne mit dabei. Doch auch die für jeden spürbare Floskelhaftigkeit von Parteipolitikern ist selbst in den besten Fällen nichts weiter ist als der Versuch, zu begründen, was sich nicht begründen lässt: „Stets noch sind die Menschen, was sie nach der Marxischen Analyse um die Mitte des 19. Jahrhunderts waren: Anhängsel an die Maschinerie, nicht mehr bloß buchstäblich die Arbeiter, welche nach der Beschaffenheit der Maschinen sich einzurichten haben, die sie bedienen, sondern weiter darüber hinaus metaphorisch, bis in ihre intimsten Regungen hinein genötigt, dem Gesellschaftsmechanismus als Rollenträger sich einzuordnen und ohne Reservat nach ihm sich zu modeln.“ (Adorno)20

Demgegenüber ist auch der im Gegensatz zur liberalen Utopielosigkeit nicht affirmative, sondern linksempörte Umgang mit den Idiosynkrasien, von denen man sich allzu gerne nervös machen lässt, gefangen in der allgemeinen selbstverdummenden Ohnmacht. Selten nur noch, wenn überhaupt, evoziert das Auseinanderklaffen des hehren linken Anspruchs mit der Wirklichkeit, also das Beharren auf Normen, die man selbst unterminiert, die vereinzelte Hoffnung, Polemik könnte die ein oder andere zwar linke, doch wenigstens zu sich selbst noch ehrliche Haut doch einmal zur Kritik anhalten. Ganz eben in dem Wissen, dass die polemische Intervention auch nur eine Notlösung ist, ein kläglicher Versuch, „dem Weltlauf [zu] widerstehen, der den Menschen immerzu die Pistole auf die Brust setzt.“(Adorno)21

So sehr Bewegungslinke sich auch über parteipolitische ‚Verräter‘ erheben, die immerhin noch ganz offen ihr Marktgeschrei als in Wert gesetztes Buhlen um die Massen dartun, bleibt auch bewegungslinkes Gerödel fernab von Parteipolitik nichts weiter als eine vernunftferne Balz um die Frage, wer den irrationalen Verhältnissen noch eine linke Idiotie draufpackt.

Dabei könnten die, die sich noch links nennen, es besser wissen, denn „[d]er Satz von Marx, dass auch die Theorie zur realen Gewalt wird, sobald sie die Massen ergreift, wurde eklatant vom Weltlauf auf den Kopf gestellt.“ (Adorno)22 Die ideologischen Vorstellungen, die sich die Revolutionäre, die keine Kritiker sein wollen, von der Welt machen, war schon von Marx misstrauisch beäugt worden: „[W]enn sie eben damit beschäftigt scheinen, sich und die Dinge umzuwälzen, noch nicht Dagewesenes zu schaffen, gerade in solchen Epochen revolutionärer Krise beschwören sie ängstlich die Geister der Vergangenheit zu ihrem Dienste herauf, entlehnen ihnen Namen, Schlachtparole, Kostüm, um in dieser altehrwürdigen Verkleidung und mit dieser erborgten Sprache die neue Weltgeschichtsszene aufzuführen.“23

Dass es Kritik angesichts dieses zur Ohnmacht bannenden Weltlaufs um Veränderung nicht ginge, ist indessen allein Lüge derjenigen, die mit der Welt nur das machen wollen, was sie ihr vorwerfen. Kritik hieße im Stande der Unfreiheit immer auch „Widerstand gegen blinde Anpassung, Freiheit zu rational gewählten Zielen, Ekel vor der Welt als Schwindel und Vorstellung, Eingedenken der Möglichkeit von Veränderung.“ (Adorno)24 Doch das genuin linke Bekenntnis des „Revolutionären Aufbaus Bremen“ (RAB) zur Diktatur des Proletariats als noch eine der harmloseren vermeintlich kommunistischen Widerlichkeiten plaudert – auch wenn es hier in einen ganz offensichtlich linksfaschistischen Inhalt und seine entsprechende Form gegossen ist – stellvertretend für die Bremer Szene aus, wie das linke Ticket allerorten zu sich selbst kommen muss.

„Die falsche Identität zwischen der Einrichtung der Welt und ihren Bewohnern durch die totale Expansion der Technik läuft auf die Bestätigung der Produktionsverhältnisse hinaus, nach deren Nutznießern man mittlerweile fast ebenso vergeblich forscht, wie die Proletarier unsichtbar geworden sind. Die Verselbständigung des Systems gegenüber allen, auch den Verfügenden, hat einen Grenzwert erreicht. Sie ist zu jener Fatalität geworden, die in der allgegenwärtigen, nach Freuds Wort, frei flutenden Angst ihren Ausdruck findet; frei flutend, weil sie an keine Lebendigen, an Personen nicht und nicht an Klassen, länger sich zu heften vermag. Verselbständigt aber haben sich am Ende doch nur die unter den Produktionsverhältnissen vergrabenen Beziehungen zwischen Menschen. Deshalb bleibt die übermächtige Ordnung der Dinge zugleich ihre eigene Ideologie, virtuell ohnmächtig.“ (Adorno)25

So sehr Linke das eigene Mittun, das eigene Gefangensein im schlechten Weltlauf auf Staat, Nation und Kapital in der gewohnten Weise abspalten, was in ihrer Hilflosigkeit stets an Urmenschen erinnert, die einen Regentanz aufführen, so sehr können sie nicht behaupten, kein integraler Teil des schlechten Ganzen zu sein. Ein unumgänglicher Anfang zum Besseren wäre da zunächst die Überwindung der Angst vor dem klaren Gedanken, der Negation des eigenen falschen Bewusstseins der falschen Welt, was ohne Kritik, die „weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen“ lässt (Adorno)26, nicht zu haben ist.
Es wundert überhaupt nicht, dass eine vernünftige Abgrenzung der restlichen linken Szene von linksfaschistischen Elendsgestalten wie dem RAB in Bremen nicht möglich ist. Muss man die Reihen nicht geschlossen halten? Ist man nicht doch irgendwie Bruder im Geiste?

Nachbürgerlicher Wahn braucht kein Antisemitismus sein, um sich in einem Bündnis mit ihm wiederzufinden. Revolutionäre Kritik zielt deswegen auf die Abschaffung aller Verhältnisse, die Menschen zu verächtlichen Wesen degradieren und Auschwitz als wiederholbare Konstellation ausweisen; sie ist dabei „dem Bannkreis des Daseins“ nicht entrückt. (Adorno)27Dessen „Schein wäre auf die Formel zu bringen, dass alles gesellschaftlich Daseiende heute so vollständig in sich vermittelt ist, dass eben das Moment der Vermittlung durch seine Totalität verstellt wird. Kein Standort außerhalb des Getriebes lässt sich mehr beziehen, von dem aus der Spuk mit Namen zu nennen wäre; nur an seiner eigenen Unstimmigkeit ist der Hebel anzusetzen.“ (Adorno)28 Revolutionäre Kritik ist daher zunächst nichts als die „subversive Inszenierung von Reflexion im totalen Zusammenhang der Verblendung“ (ISF)29, ihre plausibelste Form die Kränkung der Subjekte, die fest davon überzeugt sind, das Richtige zu tun, doch das Richtige allenthalben vorsätzlich zum Falschen verkehren. Sie kann nicht viel, aber eines ganz sicher: offenen Aufklärungsverrat anprangern. Der Horizont dieser Kritik des Bestehenden, so viel ließe sich wohl sagen, ist der Verein freier Menschen, die Beantwortung der Frage, „wie ein Ganzes sein [kann], ohne dass dem Einzelnen Gewalt angetan wird.“ (Adorno)30 Gesellschaftliche und ideologische Strukturen – Waren- und Denkform –, die mit diesem Horizont unvereinbar sind, die ihm entgegenstehen und entgegenarbeiten, sind ihr Gegenstand. Israel als konkreter Fluchtpunkt des allgegenwärtigen Wahns der unterworfenen Selbstunterworfenen und ihrem Hass aufs Nicht-Identische, dem sie zuschreiben, was ihnen selbst von der Einrichtung der Welt verwehrt ist, gilt ihre bedingungslose Solidarität. Von ihr kann niemand wissen, wann sie sich begibt und ob dies der Kommunismus sein wird, jede ‚Kritik‘ an der „organisierten revolutionären Emanzipationsgewalt der jüdischen Gesellschaft“ (Bruhn)31 ist deswegen als antisemitisch zu denunzieren.

Daneben weiß revolutionäre Kritik nur noch um ein Konkretes: um die Emanzipation der Geschlechter von ihrem sexuellen Unbehagen und ihren Männlichkeiten, die stets noch die Gewalt der gesellschaftlichen Struktur und ihres Naturbegriffs „als unabänderliche, als ein Stück gesunder Ewigkeit“ (Adorno)32 in die intimsten Regungen der Menschen einschreiben – sonst weiß Kritik nicht viel. „Tatsächlich ist es keineswegs stets möglich, der Kritik die unmittelbare praktische Empfehlung des Besseren beizugeben, obwohl vielfach Kritik derart verfahren kann, indem sie Wirklichkeiten mit den Normen konfrontiert, auf welche jene Wirklichkeiten sich berufen: die Normen zu befolgen, wäre schon das Bessere.“ (Adorno)33


Fußnoten

1 Marx, Karl (1964): Das Kapital. Band III, in: MEW, Bd. 25, Berlin: Dietz, S. 787.

2 Wie bereits einmal auf Facebook (Aktion Zaungast, 10.1.2015) dargelegt, kann hiermit begriffslogisch nicht jene Truppe gemeint sein, die sich „RAB“ nennt. Vgl. noch abweichend AZ und ABGWB: https://abgwb.wordpress.com/2015/09/05/solidaritaet-als-linke-maennerfantasie-eine-bremer-regression/

4 Adorno, T. W. (2003): Ästhetische Theorie, in: Ders.: Gesammelte Schriften, Bd. 7, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 9.

6 Ein Phänomen, das sich zwar mannmännlich spezifizieren, aber mitnichten auf männlichen Sexus einschränken ließe.

9 Canetti, Elias: Masse und Macht, Fischer 1980, S.

10 Canetti, Elias: Masse und Macht, Fischer 1980, S. 30.

13 Adorno, T. W. (2003): Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft?, in: Ders.: Gesammelte Schriften, Bd. 8, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 354–370, hier S. 366.

16 Adorno, T. W. (2003): Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft?, in: Ders.: Gesammelte Schriften, Bd. 8, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 354–370, hier S. 368 f.

18 Vgl. ähnlich und doch anders: Ag Antifa Halle/Ag „No Tears For Krauts“, in: http://jungle-world.com/artikel/2013/15/47522.html

19 Vgl. die Prozessbeobachtungen vom „Arbeitskreis kritischer Jurist_innen Bremen“: http://akj-bremen.org/

20 Adorno, T. W. (2003): Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft?, in: Ders.: Gesammelte Schriften, Bd. 8, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 354–370, hier S. 361.

21 Adorno, T. W. (2003): Noten zur Literatur, in: Ders.: Gesammelte Schriften, Bd. 11, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 409–430, hier S. 413.

22 Adorno, T. W. (2003): Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft?, in: Ders.: Gesammelte Schriften, Bd. 8, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 354–370, hier S. 364.

23 Marx, Karl (1972)[1852]: Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte, in: MEW, Bd. 8, Berlin: Dietz, S. 115.

24 Adorno, T. W. (2003): Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft?, in: Ders.: Gesammelte Schriften, Bd. 8, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 354–370, hier S. 368.

25 Adorno, T. W. (2003): Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft?, in: Ders.: Gesammelte Schriften, Bd. 8, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 354–370, hier S. 370.

26 Adorno, T. W. (2003): Hans-Guck-in-die-Luft, in: Ders.: Gesammelte Schriften, Bd. 4: Minima Moralia, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 34.

27 Adorno, T. W. (2003): Zum Ende, in: Ders.: Gesammelte Schriften, Bd. 4: Minima Moralia, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 283.

28 Adorno, T. W. (2003): Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft?, in: Ders.: Gesammelte Schriften, Bd. 8, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 354–370, hier S. 369.

29 Initiative Sozialistisches Forum [ISF] (2000): Der Theoretiker ist der Wert. Eine ideologiekritische Skizze der Wert- und Krisentheorie der Krisis-Gruppe, Freiburg: ça ira, S. 112.

30 Adorno, T. W. (1993): Beethoven. Philosophie der Musik, in: Ders. Nachgelassene Schriften, Abteilung I, Fragment gebliebene Schriften, Bd. 1: Philosophie der Musik; Fragmente und Texte, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 62.

32 Adorno, T. W. (2003): Sur l’eau, in: Ders. Gesammelte Schriften, Bd. 4: Minima Moralia, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 178–179, hier S. 179.

33 Adorno, T. W. (2003): Kritische Modelle 3. Kritik, in: Ders.: Gesammelte Schriften, Bd. 10.2: Kulturkritik und Gesellschaft II, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 785–793, hier S. 792.

34 Adorno, Theodor W. (2003c): Negative Dialektik, in: Ders.: Gesammelte Schriften, Bd. 6, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 151.

Nazifrei ist das Halal der linken Kulturschutzgemeinde – kommunistische Anmerkungen zum Ummasozialismus

„Ein Deutscher ist ein Mensch, der keine Lüge aussprechen kann, ohne sie selbst zu glauben.“ (Adorno)

Es ist ein schlechter Treppenwitz, dass auf der Antinazidemo in Bremen am 26. März auf dem Bahnhofsvorplatz der obligatorische „Lies“-Salafistenstand völlig unbehelligt für den Islamfaschismus werben kann, während sich die Antifaschisten daneben die Füße wund treten und vergeblich auf die 15 Rechten warten, die nach fünf Minuten Aufenthalt wieder woanders hingeschickt werden.

Deutscher Postnazismus: Faschisierung ist Islamisierung

Wem noch nie so recht eingeleuchtet hat, was denn nun eigentlich mit der postnazistischen Verfasstheit der deutschen Gesellschaft gemeint ist, kann sich dem Gegenstand der Kritik anhand solcher Absurditäten trefflich mit einem allgegenwärtigeren Begriff nähern: dem der Islamisierung. Wenn sich ein Großteil der antifaschistischen Szene kultursensibel zum gemeinschaftlichen Fußmarsch formiert, um das antifaschistische Image einer norddeutschen Salafistenhochburg, eher noch ihrer linksliberalen Schollenenklaven wie Viertel und Neustadt zu verteidigen, ist diese Tendenz überdeutlich: nazifrei ist das Halal der linken Berufspalästinenser. Israelsolidarische Lippenbekenntnisse hin oder her, wer das, was man Westen nennen kann, und den Rechtsstaat kapitaler Vergesellschaftung westlichen Zuschnitts so verschwörungsideologisch verachtet, wie Bremer Linke es notorisch tun, ist in seinem strukturellen Antizionismus näher am Behemoth des palästinensischen Opferkollektivs, als dass man auch nur wohlwollend von einem Antifaschismus auf Höhe der Zeit sprechen könnte. Dagegen, Neonationalsozialisten bandenmäßig das Leben etwas schwerer zu machen, wäre vielleicht je nach demografischer Konstellation noch nicht einmal etwas einzuwenden, auch wenn in Zeiten vom ‚Aufstand der Anständigen‘, Staatsantifaschismus und der virilen ummasozialistischen Potenz so etwas wie antifaschistische Praxis verstellter ist denn je.

Wenn sich allerdings in einer Stadt, die ihr rot-grünes Mantra mit einer derartigen Vehemenz nach außen trägt, an ein paar gesellschaftlich völlig marginalisierten rechten Randgestalten abgearbeitet wird, anstatt jene Deutsche Ideologie1 ins Visier zu nehmen, in deren Namen tagtäglich Andersgläubige, Juden und Homosexuelle in großer Zahl getötet, Frauen unterdrückt und versklavt werden, dann sagt das viel über die schollenmentale Verfasstheit der hiesigen linken Szene aus. Würde die Bremer Linke wenigstens alle deutschen Ideologen kritisieren, erschiene sie zumindest ein kleines bisschen sympathischer.

Das tut sie aber nicht und deswegen wäre mit dem Begriff der Islamisierung freilich die irrationale deutsche Mehrheitsgesellschaft gemeint, die Staatsantifa, ihre zivilgesellschaftliche Avantgarde und natürlich auch die leider immer noch strafsteuerfreien Käffer der sächsischen Altmark – nicht aber der massenmörderische Jihadismus, für den schon der Begriff des Faschismus, wenn er auch durchaus trifft, im Angesicht eines ganz zu sich selbst gekommenen islamischen Säuberungs(un-)staates eine Verharmlosung wäre. Treffender wäre hier in begrifflicher Konstellation zum Nationalsozialismus, der ja auch ein Bandenprojekt war und an dessen Erbe in der arabischen Welt allerorten ganz offen angeknüpft wird, vom Ummasozialismus zu sprechen. Damit hätte man den Vorteil, den die Rede vom Islamfaschismus bereitet und die nicht falsch ist, wieder eingefangen: der darin enthaltene Hinweis, dass der moderne Islam in seiner lustfeindlichen Melange aus todessehnsüchtiger Welt- und vernichtungsantisemitischer Zeitablehnung mehr links als konservativ zu nennen wäre, mehr schlechten Tugend-Rousseau und modern-antimodernen van den Bruck beinhaltet als bloßen Blut-und-Boden-Traditionalismus – was schlimm genug wäre –, ob nun im Status jihadistischer Mobilisierung oder als ‚moderat‘ verharmlostes Alltagselend.

Religionskritik ist unter Linken nicht einfach nur ein verlerntes Desiderat. Vielmehr trägt die linke Praxis in ihrem wahnhaften Widersinn schon der Form nach alles in sich, was man Alltagsideologie diesseits der Aufklärung, was man einen „ungeglaubten Glauben“ (Adorno) nennen kann; hat also selbst mehr religiöse als aufgeklärte Züge. Das zeigt sich schon am Unbehagen, das bei mancher ehrlichen Haut zuweilen aufkommt, an der Frage – die man sich nie so explizit stellen mag, weil die Antwort dann nur allzu klar wäre –, weshalb man eigentlich noch dann krampfhaft an einem linken Projekt festhalten möchte, wenn man eingesehen hat, dass Linke zum ganz überwiegenden Teil Antikommunisten sind und aus ihrer Vorliebe für vormoderne „Blutsurenge“ (Marx) noch nicht einmal einen Hehl machen. Ein Unbehagen, das zumeist abgespalten wird und feindsemantisch ausschlägt gegen solche, die mit dem globalen linken säuberungsaffinen Projekt und seiner formellen wie informellen Bündnisfähigkeit zum offenen Antisemitismus nichts zu tun haben wollen, also das Emblem ‚links‘ vernünftigerweise ablehnen, um von dessen Inhalt zu retten, was vielleicht noch zu retten wäre.

Nationale Saubermänner

Es ist keine Überraschung, dass vier Tage nach dem jüngsten islamisch motivierten Massaker in Europa Bremer Linke natürlich nichts Besseres zu tun haben, als zum circa allhalbjährlichen Schaulaufen gegen randständige Neonazikader, ‚besorgte Bürger‘ und sonstige Elendsgestalten zu blasen. Der Vorwurf besteht weniger darin, dass Bewegungsantifas sich demgegenüber nicht aktionistisch genug gegen die salafistischen Bruderhorden stellen, also jene Muslime, die am bewaffneten Jihad am dichtesten dran sind. Niemanden kann man zum Vorwurf machen, seine eigene körperliche Unversehrtheit preiszugeben, um sich anstelle von Professionellen den todesliebenden islamischen Freischärlern oder jenen, die kurz davor sind, in den Weg zu stellen. Es ist aber ganz bezeichnend, wie niemandem auffallen will, wie sehr die Bewegungsantifas sich in Form und Inhalt ihrer Praxis regelmäßig zum kollektiven Kleinkind verblöden, weswegen es nicht einfach darum gehen kann, ihnen einen neuen Lieblingsfeind schmackhaft zu machen, sondern sie zur Kritik des falschen Ganzen anzuhalten.

Ganz abgesehen von der offensichtlich dummen antirassistischen Selbstbefriedigung, das virulente islamkulturelle Patriarchat mit einer Rede von hiesigem ‚Alltagssexismus‘ zu relativieren, wozu man sich noch einmal ausführlicher äußern könnte, ist frappant, wie zwanghaft geleugnet wird, dass der Staatsantifaschismus das eigene Demospektakel gegen autochthone Neonationalsozialisten und Rechtspopulisten aller Couleur regional je spezifisch überflüssig macht und eine antideutsche Kritik auf Höhe der Zeit doch vielmehr den zivilgesellschaftlich und staatlich laxen und hegenden Umgang mit kontemporärer Deutscher Ideologie in Vorstufe und Reinform visieren müsste: den Mehrheitsislam sowie sein raumgreifendes Schillern – das beständig Öffentlichkeit und Privatheit verschmilzt – zwischen unmobilisierter Nährideologie, die man mit ‚konservativ-orthodox‘ schon falsch als Randphänomen insinuiert, und mobilisiertem Jihadismus.

Da von rationalem Denken, das den Unterschied zwischen Mittel und Zweck kennt, geschweige denn von Kritik, die diesen Namen verdiente, unter Linken keine Rede sein kann, ähneln linke Postmodernisten ihr Identitätsprojekt in Kritikunfähigkeit und Denkunwillen ganz offen der Sozialfigur des bockigen Mohammedaners an. In einem Gestus, wie er infantiler nicht sein könnte, wird das eigene Gemeinschaftsbedürfnis verschwörungsideologisch abgespalten, auf Phänomene projiziert, die der verkorksten Spekulation der Ideologen selbst entspringen, und personalisiert bekämpft. Linke halluzinieren sich einen nationalistischen Backlash herbei, wo Pegida, AfD und Co doch in Relation zur Mehrheitsgesellschaft nichts weiter als der Haudrauf der anständigen Nation sind, an dem der Saubermann sich empört abarbeitet. So ist die Vermutung gar nicht so fernliegend, dass Staatsantifa, postliberale Mainstreammedien und Antinationalisten womöglich mit dem medialen Dauerbeschuss, den sie der AfD bescheren, den ein oder anderen verdorbenen ‚Protestwähler‘ erst noch mobilisiert haben. Die kindische Häme, die insbesondere ihre weiblichen Führungsfiguren trifft – mitunter in Formen, die sonst als sexistisch gelten und solchen, die man aus der ordinären Behindertenfeindlichkeit kennt2 – gleicht dem nationalen Exorzismus, mit dem einst Guido Westerwelle mit ritualisiert närrischem Spott überzogen wurde. Ein selbstgerechter Hohn, der irgendwann einfach aufhört, sich inhaltlich überhaupt noch zu rechtfertigen. Es bleibt dann eine schale autosuggestive Humoristik, die sich selbst total verblödet hat, was sich beispielsweise daran absehen lässt, wie zu Frauke Petrys Einlassungen zum Islam selbst nur ungeglaubt dumme Kulturschutzphrasen gedroschen werden, für die man als denkender Mensch gleichfalls nur Verachtung übrig haben kann.3

Während die linksalternative Zivilgesellschaft den Karneval der Kulturen der Berliner Republik beschwört, wollen Bewegungsantifas sich nicht eingestehen, dass die AfD eben nicht Vorschein eines allseits lauernden bürgerlichen Rassismus ist, von dem Linke sich – von Staats wegen wie immer verraten und verkauft – umgeben wähnen, sondern eine milieuspezifische marginalisierte fremdenfeindliche Deppentruppe, die besonders in der Zone, wo das kryptoantisemitische Ticket gegen ‚die da oben‘ durch die Linkspartei längst fröhliche Urständ feiert, eine teils beachtliche Wählerschaft findet, aber auch hier in der Parteienlandschaft ein randständiges Dasein fristet. Reale Probleme, die auch in Bremen beispielsweise durchaus bei dem längst im Zerfall begriffenen rechtsradikalen Milieu, aber vor allem in den islamischen Zwangsverhältnissen zu suchen sind, können so nicht kritisiert werden. Während rationale Zeitgenossen zu den Brandanschlägen von Ersteren noch ein paar klare Gedanken formulieren, etwa dass diese schwierig zu verhindern sind und besonders justizielle Abschreckung und hohe Aufklärungsquoten Mittel zum Zweck wären, wird der antisemitische und antiwestliche jihadistische Feldzug gegen alle ‚Kuffars‘ dieser Welt als Naturphänomen versachlicht: woher die jihadistische Neigung, mit welchem staatlichen Mehraufwand sie sich besser bekämpfen ließe, interessiert in der postnazistischen Gesellschaft niemanden mehr, dem man Restvernunft noch zusprechen könnte; keiner will zugeben, dass es eine Lüge war und bleibt, sich mehrheitsgesellschaftlich die Mär vom friedlichen Islam aufzutischen, dass der kritikfeindliche Multikulturalismus die Probleme bloß noch größer macht.

Ummasozialistische ‚Blutsurenge‘

Der Ummasozialismus als gewaltvolles Identitätsprojekt, das beständig gekränkten verschwörungsideologischen Halt suchen muss, um die Zumutungen der kapitalen Wertvergesellschaftung, der eigenen Murksvergemeinschaftung und ihrer kritik- und lustfeindlichen Versubjektivierung notdürftig zusammenzuhalten, wovon ganz besonders die schlecht triebsublimierende Geschlechterapartheid und ihr Phallozentrismus zeugt, hat nicht von ungefähr viel mit rechten und linken antiimperialistischen Volksgemeinschaftsapologeten gemein. Nichts ist deren völkischem Bedürfnis weniger fremd, als sich ebenfalls als Opferkollektiv schlechthin zu stilisieren, „innere Zustände in riesige äußere Monumente“ (Theweleit) zu verwandeln, und sich in neidprojektiver Abspaltung islamophilen Sehnsüchten hinzugeben, wie es bei objektbeziehungsgestörten linken Kulturrelativisten und ‚körpergepanzerten‘ neo-nationalsozialistischen Hooligantrupps ebenfalls ganz offensichtlich ist. Der westliche Selbsthass, die autosuggestive Versachlichung der Barbarei zum ‚religiösen Fundamentalismus‘, ist dabei das projektive Pendant zur futuristischen Tod- und Technikverliebtheit der Ummasozialisten und ihrem Wahn zur strafbedürftigen Entlebendigung alles Ungläubigen zu „blutigem Brei“ (Theweleit).4

Der Unterschied zwischen linken Gefühlsjihadisten, die ihren Erlösungsdrang zum Positiven und Konkreten als Pseudo-Aktivismus ritualisiert haben, und jenen Ummasozialisten, die nur ein paar sadistische Sätze aus einem Schundbuch brauchen, um sich der Subjektdeformation islamkultureller Sippenhaft mit der narzisstischen Wonne des notorisch beleidigten Kleinkindes hinzugeben, ist freilich einer ums Ganze: dank des anonym abstrakten Unwesens, das die allgemeine, unverständliche Synthesis des Werts bereitet, und dank funktionstüchtiger Instanzen der Vermittlung eines Rechtsstaates, der Deutschen bekanntlich aufgezwungen werden musste, wird bisweilen noch fast jeder Appell an Volkes Souveränität in die einengende bürgerliche Familialisierung gelogener Privatautonomie gebannt, changieren die autochthonen Deutschen als massenhaft vereinzelte Sozialcharaktere beständig zwischen Besitzindividuum und Eigentumsbestie. So, wie die notwendige Marktförmigkeit der postliberalen Parteiendemokratie um den Preis postnazistischer Konzeptlosigkeit und quälender autoerotischer Selbstbezüglichkeit gegen den beständigen Aufhebungsdrang politischer Mobilisierung noch das Bessere ist, macht es natürlich einen Unterschied, dass das Identitätsprojekt der Umma-Rackets ganz der Lehre getreu durch und durch mit Erfolg auf die Sphäre der Öffentlichkeit zielt, um diese nach dem Vorbild zuzurichten, wie man sich privat schon selbst verdorben hat. – All das auf dem Denkniveau eines brutalisierten Pixiebuches, das von den vaterfigurativen Allmachtsfantasien eines sadistischen Oberpatriarchen mit der literarischen Fantasie des Grundschülers zeugt. Was die ideologische Nähe des kontemporären Mehrheitsislam zu im weitesten Sinne faschistischen Konzepten ausmacht, ist nicht nur die Selbstunterwerfung geschlechtsapart ‚körperpanzernder‘ Subjektivität – von der der Islam bekanntlich seinen Namen hat und die ja nicht einmal beschädigt zu nennen ist, sondern erst überhaupt einmal nach bürgerlichem Vorbild aufzurichten wäre –, es ist überhaupt jenes Allmachtsversprechen, das Allah mit seinen Sklaven teilt: wenn du dich mir unterwirfst, erhebe ich dich über die Ungläubigen. Die grausame Höllenvorstellung im (modernen) Islam ist nicht einfach Hauptmotivation der eigenen Unterwerfung aus Furcht vor dem Tod, sondern ungeglaubter Affekt auf das westliche „Gewimmel“ (Theweleit), die eigene triste irdische Unliebsamkeit und den uneingestandenen Drang zur sadistischen Triebabfuhr männlich (nicht zwingend mann-männlich) versubjektivierter Narzissten, weswegen zwar durchaus auch naive, aber in Sonderheit bereits verrohte Elendsgestalten zum islamischen Kämpfer oder in geringerer Zahl zu freiwilligen Märtyrerehefrauen verwildern. Überhaupt stellt die von beispiellosem Sadismus zeugende Höllenvorstellung im Sunniten- und Schiitentum – die in der Bibel immer schon abstrakter gehalten war, auf verschiedene Bedeutungen zurückgeführt wurde und mittlerweile mehrheitlich annulliert oder zumindest stark relativiert wurde – einen ideologischen Kern der missionarischen Rhetorik islamischer Expansion dar.

Hart gearbeitet wird im mehrheitsislamischen Ritus beileibe nicht für so etwas wie den Zweck eines Vereins freier Menschen, der allgemeinen Versöhnung, wie es andere monotheistische Religionen der Tendenz nach mit manchem Recht von sich behaupten könnten. Die Emsigkeit, mit der die Selbstzurichtung des islamischen Gewaltprogramms mit seinen fünf Säulen projektiert wird, ist die offene Egomanie und der verkappte Neid des Sozialdarwinisten, der nur dem etwas gönnt, der sich ebenso abrackert und als Gleicher identifiziert werden kann. Auch unter ‚moderaten‘ Muslimen formiert sich ganz offen die dogmatisierte „Gleichheit des Rechts zum Unrecht durch die Gleichen“ (Horkheimer/Adorno), wovon die anmaßend-widerliche, aber teils mit ehrlich-arrogantem Bedauern vorgetragene Selbstgewissheit plaudert, dass ‚Kuffars‘ leider Gottes in der Hölle enden.

Die vermeintliche Offenheit des islamischen Ummakollektivs, das jederzeit auf Feindaufklärung gepolt ist, lässt den Islam zum postmodernen Pluralismusprojekt erster Güte avancieren, was eben nicht bloß für die bekennenden Salafisten und ihren jihadistischen Arm, sondern bereits für den Mehrheitsislam gilt. Noch dort, wo er sich zu einer Art Alltagsideologie teilsäkularisiert hat, ist sein verbreitetstes Kulturprodukt die geschlechtsasymmetrisierte, also männlich zentrierte heroische Ehre des Gehätschelten, was die ganze heillose Hässlichkeit des modernen Islam offenbart. Es kann da wenig überraschen, dass trotz ganz ähnlicher religiöser symbolischer Ordnungen das innerislamische Gemetzel an Graten dogmatischer Schismen und uralter Blutsbande seit Jahr und Tag nicht zu halten ist.5

Schon Marx vermerkte: „Der Koran und die auf ihm fußende muselmanische Gesetzgebung reduzieren Geographie und Ethnographie der verschiedenen Völker auf die einfache und bequeme Zweiteilung in Gläubige und Ungläubige. Der Ungläubige ist ‚harby‘, d.h. der Feind. Der Islam ächtet die Nation der Ungläubigen und schafft einen Zustand permanenter Feindschaft zwischen Muselmanen und Ungläubigen.“

Bremen: salafistische Mordzentrale

Trotz der schon nach dem antisemitischen und antiwestlichen Massaker vom 11. September 2001 erwiesenen Tatsache, dass Deutschland vorzüglich als Rückzugsort für Jihadisten fungiert, ist die mehrheitlich migrantische Bevölkerung aus dem arabischen und türkischen Raum immerhin noch stark kemalistisch, kurdisch oder streckenweise auch alevitisch geprägt und damit noch lange nicht so verdorben, wie die vielzähligen meist dem ultrakonservativen Sunnitentum verschriebenen Einwanderer aus Somalia, Algerien etc. in den französischen Banlieus oder dem Brüsseler Salafistenpfuhl Molenbeeks, wo es mittlerweile ebenso ‚judenrein‘ zugehen dürfte, wie jeder Homosexuelle und sonst wie nicht ins scharia- und sunnakonforme Weltbild Passende dort potenziell zur Persona non grata wird.

Obwohl man auch in Deutschland bereits bei einem nachmittäglichen Spaziergang mit Kippa auf dem Kopf in Berlin-Kreuzberg, Hamburg-Harburg oder Bremen-Gröpelingen um seine physische Unversehrtheit bangen muss, hat sich hier zumindest noch kein gänzlich vergleichbarer staatsferner muslimisch-arabischer Autonomiemoloch entwickelt.

Doch auch in Deutschland steigt die Jihadistenquote signifikant an und ist die Anzahl von Syrienausreisenden beachtlich. Vor allem Jugendliche, die in der dritten Generation oftmals sogar aus einem für islamische Verhältnisse einigermaßen säkularen Elternhaus kommen, werden durch die Propaganda zahlreich agitiert. Dabei stellt Bremen einen Hotspot dar. Nirgendwo in Relation zu der Einwohnerzahl leben so viele Salafisten in Deutschland. Eine Vielzahl davon wird vom Staat als ‚gewaltbereit‘ eingestuft, was auch immer das heißen mag in Abgrenzung zu den zahlreichen anderen eklatanten Grausamkeiten islamisch-patriarchaler Zwangsvergemeinschaftung, die nie ganz ohne Gewalt auskommt. In der Bremer Hansestadt findet sich allein mit den 360 vom Verfassungsschutz beobachteten Salafisten so viel geballte deutsch-ideologische Kapazität, wie man sie so hoch konzentriert nur an wenigen anderen Orten findet; sogar das neo-nationalsozialistische Potenzial der durchschnittlichen ostzonalen Tristesse verblasst dagegen, wenn auch das salafistische Wellnessangebot6 nach außen hin oft als dezente Mobilmachung erscheint, die sich harmlos gibt.

Kommunistische Kritik

Das apathische Schweigen der Linken und ihre ideologische Affinität zu einer Ideologie, die die größte jüdische Auswanderungswelle in Europa nach über siebzig Jahren veranlasst hat, die arabische Welt anhaltend in Schutt und Asche legt und dort jegliche Bürgerlichkeit verhindert, ist abstoßend. Dabei liegt es auf der Hand, dass eine materialistische kommunistische Kritik an deutschen Verhältnissen nicht nur eine Kritik am Jihadismus, sondern am Islam an und für sich erfordert.

Um dies zu sehen, bedarf es keiner kritischen Theorie, sondern nur eines simplen Gedankenspiels: Wenn es auf der Welt hunderte verschiedene christliche Terrorgruppen gäbe, die jeden Tag Juden, Frauen, Homosexuelle und Abweichler versklavten und umbrächten, die seit 60 Jahren zur Vernichtung der sich zum zionistischen Schutzraum zusammengefundenen lebenden Juden aufriefen und jedem, der nicht ihrer Gemeinschaft angehört bzw. zu ihnen konvertiert, falls er das denn darf, ewig lange Folterqualen in der Hölle voraussagen würden – käme dann auch nur irgendein Mensch auf die Idee zu behaupten, dass dies nichts mit dem Christentum zu tun hätte? Wenn der Papst nach Berlin kommt, fährt die Linke ein mekkanischen Pilgerfahrten gleichendes Großaufgebot auf, aber wenn Imame Hass und Verachtung predigen, bleibt es still im linken Dunstkreis.

Nicht nur Churchill, Atatürk, Lenin, Voltaire und Marx wussten, was liberale arabische Intellektuelle, Feministinnen und politisch Verfolgte wissen: wenn das Wort Allahs und seine faschistische Potenzialität nicht in Frage gestellt, einer Kritik unterzogen und also gebrochen wird, kann es keine humanen islamischen Verhältnisse geben. Was das bedeutet ist klar: es wurde genug Islam mit Islam bekämpft, er wurde genug geschont, kulturrelativistisch und sozialpädagogisch besprochen.

Antifaschismus, besser noch Ideologiekritik muss angesichts der Unfähigkeit und des Unwillens der muslimischen Gemeinschaft, nicht einmal das Grauen des Islamischen Staates als Anlass zu ernsthafter Selbstkritik islamischer Vergemeinschaftung nehmen zu können und stattdessen verschwörungsideologisch auf den Westen zu projizieren, davon ausgehen, dass sich der Islam nicht mehr aus sich selbst heraus liberalisieren kann, bis das Gegenteil bewiesen wird. Folgerichtig heißt Antifaschismus die Waffen der Kritik am Islam so zu schärfen, dass es wehtut.

Der Mehrheitsislam und seine Blutsbandenkultur, nicht erst der ‚Islamismus‘, also die jihadistische Praxis, muss dort, wo er ein protofaschistisches Projekt darstellt, also nahezu überall, rigoros entkollektiviert ins Private zurückgedrängt und jeder seiner unfreiheitlichen Glaubenssätze schonungsloser Kritik unterzogen werden. Zu dieser für Muslime ganz sicherlich schmerzhaften Prozedur gehört selbstverständlich auch den antisemitischen arabischen Gemeinschaftskitt – der offen vernichtungsantisemitische Antizionismus – wie die gescheiterte arabische Vergesellschaftung überhaupt in den Fokus der Kritik zu rücken. Bremer Linken freilich fällt nicht einmal zum ‚Islamismus‘ etwas ein, der als autistisches Endstadium in praxi allerdings auch nur einer Kritik der Waffen noch zugänglich ist.

Religions- und Ideologiekritik muss von Muslimen einfordern, sich endlich für die so aufdringlich wie frechen Abscheulichkeiten verantwortlich zu fühlen, die weltweit in den Moscheen ganz mehrheitlich verzapft werden und die islamisierten Subjekte in Unmündigkeit halten. Nach der Kritik könnte es dann eine Bestandsaufnahme geben, was vom Islam noch übrig wäre. Es ist nicht die Aufgabe von westlichen Akademikern apologetische Koranexegese zu betreiben, um eine religiöse Praxis herauszuschälen, die wenigstens westlich-bürgerlichen Standards des öffentlichen und privaten Zusammenlebens genügt, die bekanntlich die besten sind, die in kapitalistischen Gesellschaften bislang existieren und vermutlich innerhalb dieser Verhältnisse überhaupt existieren können. Es ist die Aufgabe gläubiger Muslims und Muslima, die wirklich liberal sein wollen, zu Kritik und Reformation überzugehen, wenn denn angesichts der weltweiten Zustände und eines kaum existenten ‚Euroislam‘ von Allahs sakrosanktem Wort unwahrscheinlicherweise etwas zu retten wäre und trotz des kritikfeindlichen apodiktischen Dogmas überhaupt gerettet werden kann.


Fußnoten

2 Vgl. zur Reminiszenz an „ordinäre Behindertenfeindlichkeit“ David Schneider, „We never promised you a rosengarden“, Bahamas 72
4 Vgl. zu Theweleits Männerfantasien bündig: http://www.zeithistorische-forschungen.de/3-2006/id%3D4650; vgl. zum Futurismus nur dessen Manifest: http://www.kunstzitate.de/bildendekunst/manifeste/futurismus.htm
6 Vgl. zu Wellness und weiblichen Paradiesvögeln des Jihad kurz: http://www.redaktion-bahamas.org/aktuell/20160131darmstadt.html

Au revoir tristesse!

Nominierung als „Wutbürger der Woche“: „Linksjugend solid“ Bremer- und Cuxhavens

Dass auch die „Linksjugend solid“ ein gehöriges Problem hat, schon weil sie sich ‚links‘ nennt, ist nicht erst seit gestern bekannt. Doch dort, wo sich das schlechte Ganze demografisch besonders plastisch abbildet – hier in der schier unendlichen Tristesse Bremerhavens – findet sich auch für linksinstitutionelle Verhältnisse ein auffällig bizarres Grüppchen aus gescheiterten Splittergruppekadern Mitte 30 und anpolitisierten Jugendlichen in der ortsansässigen Linksjugend zusammen, das als besonders unsäglicher Haufen linker Antiimperialisten danach zu gieren scheint, noch beim kleinsten sich ergebenden Anlass ihr linksreaktionäres Potenzial, das freilich in der niedersächsischen Provinz zwingend nicht über belanglose Randständigkeit hinauskommt, voll auszuschöpfen und praktisch zu artikulieren.

Sekkante Unästhetik und demografisches Elend

Demografisch bedeutet in diesem Fall, dass bei Bremerhaven mit seiner signifikant hohen Arbeitslosenquote, ausschweifender Kriminalitätsrate und seinem sekkant unästhetischen, von Plattenbauten durchzogenen Äußeren gar nichts anderes bleibt, als die unverkennbare Parallele zu den dunkelsten Nestern der Zone zu ziehen – das Ganze allerdings um die negative Belgeiterscheinung erweitert, dass neben zahlreichen deutschen Ordinär-Faschisten auch die Islamistenquote in Bremens Salafistenhochburg natürlich um ein Vielfaches höher ausfällt. Wäre man geneigt, westdeutschen Salafisten die ostdeutschen Nazi-Erlebnisparks schmackhaft zu machen, auf dass sich Umma- und Nationalsozialisten dort einmal ordentlich im Endkampf die Köpfe einschlagen, finden sich augenscheinlich auch im Westen ein paar freudlose Dörfer wie eben Bremer- und Cuxhaven, wo sich das Elend gut und gerne einmal selbst erledigen könnte.

Es nimmt nun gar nicht wunder, dass auch in der dortigen linkssozialistischen solid-Gruppe sich die geballte Trostlosigkeit der eigenen Scholle manifestiert. Jene ließen es sich jüngst nicht nehmen, in einem wohl schäumenden Tobsuchtanfall unserem Unterfangen, jedwedem Antisemitismus, stumpfem Kollektivismus, vergemeinschaftendem Etatismus und ideologischen Affinitäten zum politischen Islam auch und gerade in der Linken den Kampf anzusagen (1), als rechtsradikal zu bezeichnen. (2) Damit ihr Betteln um Aufmerksamkeit nicht unhonoriert bleibt, tun wir ihnen den Gefallen und schenken ihnen Beachtung in Form dieser Nominierung als „Wutbürger der Woche“, die nicht nur ihnen, sondern darüber hinaus allen geistig und moralisch zumeist sehr weit verkommenen solid Gruppen seit Ewigkeiten zusteht. Im schlechtesten Fall, um nur selbst ein bisschen ins Gerede zu kommen und im besten Fall, um ein Stück weit zur notwendigen Auflösung der allermeisten linken Strukturen beizutragen, auch wenn es vorliegend zunächst nur um die Auflösung zweier linker Selbsthilfegruppen geht.

Das geistige Plebejertum schlägt zurück

Um zu wissen, dass man es hier mit einer ganz besonders hartnäckig ausgeprägten Form des allgegenwärtigen intellektuellen Prekariats dieser zwei Unstädte zu tun hat, genügt bereits ein flüchtiger Blick auf deren Facebookseite, auf der einem sofort ein wacker zur Schau gestelltes, unverpixeltes Bild der gesamten Bande ins Auge springt, das einmal mehr beweist, dass geistige und äußerliche Verwahrlosung oftmals Hand in Hand gehen und man sich bereits beim Anblick der desolaten Erscheinung gar nicht mehr wirklich ausmalen mag, was für inhaltliche Positionen solche ganz und gar heruntergekommenen Gestalten wohl so herbeizupolitisieren im Stande sind. Das anti-intellektuelle Ressentiment scheint dieser plumpvertraulich daherschauenden Truppe ja geradezu wie aus dem Gesicht geschnitten. Lässt man sich dann allerdings trotz der sinnästhetischen Abschreckungsmaßnahme dazu herbei, auch einmal ihr inhaltliches Programm unter die Lupe zu nehmen, so wird man selbstredend nicht enttäuscht: Keine Plattitüde scheint zu abgespeckt, keine ausgelutschte Standardphrase zu flach, keine antiimperialistische Selbstgefälligkeit zu weit hergeholt – die linksjugend solid Bremer- und Cuxhavens delektiert sich in extenso an nahezu jeder notwendigen negativen Begleiterscheinung linken Bewegungsgerödels.

In einem in linker Kampfmanier verfassten Pamphlet, das von einem netten Bild mit der Transpi-Aufschrift „Palästina, Afghanistan, Türkei – Bei jeder Schweinerei ist Rheinmetall dabei“ unterlegt wurde, heißt es: „Aus den kapitalistischen Verhältnissen ist in Deutschland der damalige herrschende Faschismus hervorgegangen.“ Das Ganze wird mit einer Portion Frühhorkheimerismus vermengt: „Die Zwangsarbeiter*innen wurden der Profit bzw. Gewinnoptimierung, welche über die rassistische NS-Ideologie ‚legitimiert‘ war, untergeordnet, menschenunwürdig behandelt und ausgebeutet. So wurde die Fortsetzung der kapitalistischen Verhältnisse mit despotischen Mitteln aufrechtgehalten“ (3), womit erstens insinuiert wird, dass der Nationalsozialismus ‚von oben‘ aufoktroyiert gewesen sei, und zweitens lediglich die logische Konsequenz aus dem Verwertungsimperativen der Kapitalverhätlnisse dargestellt hätte; die Vernichtung der Jüdinnen und Juden, die ein deutscher Selbstzweck war, wird so dem Leid der ‚deutschen Arbeiter‘ angeähnelt – eine besonders widerliche Form deutschen Leidrelativismus.

Ebenfalls bezeichnend ist, mit welcher Unermüdlichkeit immer und immer wieder versucht wird, Rassmismus und Antisemitismus gleichzustellen, um letzteren damit zu entspezifizieren und antirassistisch aufzuladen, was sich in inflationären NS-Vergleichen als ganz besondere Form deutscher Vergangenheitsbewältigung widerspiegelt und eben auch in der offen auf Facebook zur Schau gestellten verbalinkontinenten Einlassung, die Aktion Zaungast sei „offen rechtsradikal“, was nichts weiter ist als der reflexhafte Ideologeneifer einer durch und durch deutschen Truppe.

Wo links draufsteht, ist auch links drin

Dass der oben kurz zitierte Abschnitt des schwülstigen Pamphlets nur exemplarisch für „die Perversion auf mehreren Ebenen“ (ebd.) steht, liegt auf der Hand. Uns geht es bei der Nominierung aber weder um eine sozialpädagogische innerlinke Auseinandersetzung mit schwierigen, aber etwa ‚diskurs-würdigen‘ Positionen, noch wollen wir uns mit derartigen, auf Pixibuch-Niveau vorgetragenen antiimperialistischen Totalausfällen ernsthaft analytisch auseinandersetzen. Vielmehr wollen wir anhand des eklatanten Elends solcher Gruppen und Grüppchen auf die unabweisbare Tatsache hindeuten, dass derartige Linksideologen ganz unbehelligt ihr Unwesen innerhalb von linksjugend solid, Linkspartei und natürlich allen zahlreichen weiteren nicht parteipolitisch institutionalisierten linken Strukturen treiben können, ohne dass dies zu ernsthaften Distanzierungen oder gar Ausschlüssen führen würde. Allzumeist kommt es maximal zu halbgarer Kritik, die tunlichst und penibel darauf ausgrichtet ist, das innerlinke Harmoniebedürfnis um des lieben Szenefriedens willen nicht zu gefährden – um die linke Reise bloß nicht aufzuhalten.

Um jeden Einzelnen, der sich noch einen Funken Verstand zutraut, zu ermutigen, sich aus derartigen Strukturen zu verabschieden und diesen dann dauerhaft fernzubleiben, fordern wir einhergehend mit der Nominierung als „Wutbürger der Woche“ die sofortige Selbstauflösung der linksjugend solid in Bremer- und Cuxhaven stellvertretend für alle anderen linksdeutschen Ideologen-Zirkel (4) und hoffen inständig, dass sie allesamt an der indezenten Belanglosigkeit ihrer eigenen Einöde zu Grunde gehen mögen. Dass wir folgerichtig auch und gerade für die Selbstauflösung derer plädieren, die aus Bremen eine judenfreie Zone machen wollen, deren Männerfantasie am ‚Tag der Deutschen Einheit‘ ein Klagen darüber war, dass die volkszersetzenden Putschisten von der ost-deutschen Miliz nicht erschossen wurden, als die „Imperialisten“ das Volk okkupierten und die „Arschkriecher“ sich ins falsche System davonstahlen („RAB“), zu den „Börsenmaklern und Grundbesitzern, Parteibonzen und Ministern mit Aufsichtsratsmandaten, Kapitalistenkindern und Zahnärzten“ („MSZ“ zit. n. „RAB“), versteht sich von selbst. (5)

Aktion Zaungast

(1) https://aktionzaungast.wordpress.com/2015/11/09/in-eigener-sache/
(2) Facebook Kommentar der linksjugend solid Bremer- und Cuxhavens entnommen
(3) https://linksjugendbhvcux.wordpress.com/2015/10/05/gefluechtete-sind-keine-werbetafel-fuer-waffenproduzenten-keine-instrumentalisierung-von-gefluechteten-fuer-imagezwecke-der-ruestungskonzerne/
(4) Dem ist die Aufforderung zur Auflösung der Linkspartei an und für sich und aller ihrer Gliederungen also enthalten.
(5) https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=894511467284248&id=818909851511077