Nominierung als „Wutbürger der Woche“: „Linksjugend solid“ Bremer- und Cuxhavens

Dass auch die „Linksjugend solid“ ein gehöriges Problem hat, schon weil sie sich ‚links‘ nennt, ist nicht erst seit gestern bekannt. Doch dort, wo sich das schlechte Ganze demografisch besonders plastisch abbildet – hier in der schier unendlichen Tristesse Bremerhavens – findet sich auch für linksinstitutionelle Verhältnisse ein auffällig bizarres Grüppchen aus gescheiterten Splittergruppekadern Mitte 30 und anpolitisierten Jugendlichen in der ortsansässigen Linksjugend zusammen, das als besonders unsäglicher Haufen linker Antiimperialisten danach zu gieren scheint, noch beim kleinsten sich ergebenden Anlass ihr linksreaktionäres Potenzial, das freilich in der niedersächsischen Provinz zwingend nicht über belanglose Randständigkeit hinauskommt, voll auszuschöpfen und praktisch zu artikulieren.

Sekkante Unästhetik und demografisches Elend

Demografisch bedeutet in diesem Fall, dass bei Bremerhaven mit seiner signifikant hohen Arbeitslosenquote, ausschweifender Kriminalitätsrate und seinem sekkant unästhetischen, von Plattenbauten durchzogenen Äußeren gar nichts anderes bleibt, als die unverkennbare Parallele zu den dunkelsten Nestern der Zone zu ziehen – das Ganze allerdings um die negative Belgeiterscheinung erweitert, dass neben zahlreichen deutschen Ordinär-Faschisten auch die Islamistenquote in Bremens Salafistenhochburg natürlich um ein Vielfaches höher ausfällt. Wäre man geneigt, westdeutschen Salafisten die ostdeutschen Nazi-Erlebnisparks schmackhaft zu machen, auf dass sich Umma- und Nationalsozialisten dort einmal ordentlich im Endkampf die Köpfe einschlagen, finden sich augenscheinlich auch im Westen ein paar freudlose Dörfer wie eben Bremer- und Cuxhaven, wo sich das Elend gut und gerne einmal selbst erledigen könnte.

Es nimmt nun gar nicht wunder, dass auch in der dortigen linkssozialistischen solid-Gruppe sich die geballte Trostlosigkeit der eigenen Scholle manifestiert. Jene ließen es sich jüngst nicht nehmen, in einem wohl schäumenden Tobsuchtanfall unserem Unterfangen, jedwedem Antisemitismus, stumpfem Kollektivismus, vergemeinschaftendem Etatismus und ideologischen Affinitäten zum politischen Islam auch und gerade in der Linken den Kampf anzusagen (1), als rechtsradikal zu bezeichnen. (2) Damit ihr Betteln um Aufmerksamkeit nicht unhonoriert bleibt, tun wir ihnen den Gefallen und schenken ihnen Beachtung in Form dieser Nominierung als „Wutbürger der Woche“, die nicht nur ihnen, sondern darüber hinaus allen geistig und moralisch zumeist sehr weit verkommenen solid Gruppen seit Ewigkeiten zusteht. Im schlechtesten Fall, um nur selbst ein bisschen ins Gerede zu kommen und im besten Fall, um ein Stück weit zur notwendigen Auflösung der allermeisten linken Strukturen beizutragen, auch wenn es vorliegend zunächst nur um die Auflösung zweier linker Selbsthilfegruppen geht.

Das geistige Plebejertum schlägt zurück

Um zu wissen, dass man es hier mit einer ganz besonders hartnäckig ausgeprägten Form des allgegenwärtigen intellektuellen Prekariats dieser zwei Unstädte zu tun hat, genügt bereits ein flüchtiger Blick auf deren Facebookseite, auf der einem sofort ein wacker zur Schau gestelltes, unverpixeltes Bild der gesamten Bande ins Auge springt, das einmal mehr beweist, dass geistige und äußerliche Verwahrlosung oftmals Hand in Hand gehen und man sich bereits beim Anblick der desolaten Erscheinung gar nicht mehr wirklich ausmalen mag, was für inhaltliche Positionen solche ganz und gar heruntergekommenen Gestalten wohl so herbeizupolitisieren im Stande sind. Das anti-intellektuelle Ressentiment scheint dieser plumpvertraulich daherschauenden Truppe ja geradezu wie aus dem Gesicht geschnitten. Lässt man sich dann allerdings trotz der sinnästhetischen Abschreckungsmaßnahme dazu herbei, auch einmal ihr inhaltliches Programm unter die Lupe zu nehmen, so wird man selbstredend nicht enttäuscht: Keine Plattitüde scheint zu abgespeckt, keine ausgelutschte Standardphrase zu flach, keine antiimperialistische Selbstgefälligkeit zu weit hergeholt – die linksjugend solid Bremer- und Cuxhavens delektiert sich in extenso an nahezu jeder notwendigen negativen Begleiterscheinung linken Bewegungsgerödels.

In einem in linker Kampfmanier verfassten Pamphlet, das von einem netten Bild mit der Transpi-Aufschrift „Palästina, Afghanistan, Türkei – Bei jeder Schweinerei ist Rheinmetall dabei“ unterlegt wurde, heißt es: „Aus den kapitalistischen Verhältnissen ist in Deutschland der damalige herrschende Faschismus hervorgegangen.“ Das Ganze wird mit einer Portion Frühhorkheimerismus vermengt: „Die Zwangsarbeiter*innen wurden der Profit bzw. Gewinnoptimierung, welche über die rassistische NS-Ideologie ‚legitimiert‘ war, untergeordnet, menschenunwürdig behandelt und ausgebeutet. So wurde die Fortsetzung der kapitalistischen Verhältnisse mit despotischen Mitteln aufrechtgehalten“ (3), womit erstens insinuiert wird, dass der Nationalsozialismus ‚von oben‘ aufoktroyiert gewesen sei, und zweitens lediglich die logische Konsequenz aus dem Verwertungsimperativen der Kapitalverhätlnisse dargestellt hätte; die Vernichtung der Jüdinnen und Juden, die ein deutscher Selbstzweck war, wird so dem Leid der ‚deutschen Arbeiter‘ angeähnelt – eine besonders widerliche Form deutschen Leidrelativismus.

Ebenfalls bezeichnend ist, mit welcher Unermüdlichkeit immer und immer wieder versucht wird, Rassmismus und Antisemitismus gleichzustellen, um letzteren damit zu entspezifizieren und antirassistisch aufzuladen, was sich in inflationären NS-Vergleichen als ganz besondere Form deutscher Vergangenheitsbewältigung widerspiegelt und eben auch in der offen auf Facebook zur Schau gestellten verbalinkontinenten Einlassung, die Aktion Zaungast sei „offen rechtsradikal“, was nichts weiter ist als der reflexhafte Ideologeneifer einer durch und durch deutschen Truppe.

Wo links draufsteht, ist auch links drin

Dass der oben kurz zitierte Abschnitt des schwülstigen Pamphlets nur exemplarisch für „die Perversion auf mehreren Ebenen“ (ebd.) steht, liegt auf der Hand. Uns geht es bei der Nominierung aber weder um eine sozialpädagogische innerlinke Auseinandersetzung mit schwierigen, aber etwa ‚diskurs-würdigen‘ Positionen, noch wollen wir uns mit derartigen, auf Pixibuch-Niveau vorgetragenen antiimperialistischen Totalausfällen ernsthaft analytisch auseinandersetzen. Vielmehr wollen wir anhand des eklatanten Elends solcher Gruppen und Grüppchen auf die unabweisbare Tatsache hindeuten, dass derartige Linksideologen ganz unbehelligt ihr Unwesen innerhalb von linksjugend solid, Linkspartei und natürlich allen zahlreichen weiteren nicht parteipolitisch institutionalisierten linken Strukturen treiben können, ohne dass dies zu ernsthaften Distanzierungen oder gar Ausschlüssen führen würde. Allzumeist kommt es maximal zu halbgarer Kritik, die tunlichst und penibel darauf ausgrichtet ist, das innerlinke Harmoniebedürfnis um des lieben Szenefriedens willen nicht zu gefährden – um die linke Reise bloß nicht aufzuhalten.

Um jeden Einzelnen, der sich noch einen Funken Verstand zutraut, zu ermutigen, sich aus derartigen Strukturen zu verabschieden und diesen dann dauerhaft fernzubleiben, fordern wir einhergehend mit der Nominierung als „Wutbürger der Woche“ die sofortige Selbstauflösung der linksjugend solid in Bremer- und Cuxhaven stellvertretend für alle anderen linksdeutschen Ideologen-Zirkel (4) und hoffen inständig, dass sie allesamt an der indezenten Belanglosigkeit ihrer eigenen Einöde zu Grunde gehen mögen. Dass wir folgerichtig auch und gerade für die Selbstauflösung derer plädieren, die aus Bremen eine judenfreie Zone machen wollen, deren Männerfantasie am ‚Tag der Deutschen Einheit‘ ein Klagen darüber war, dass die volkszersetzenden Putschisten von der ost-deutschen Miliz nicht erschossen wurden, als die „Imperialisten“ das Volk okkupierten und die „Arschkriecher“ sich ins falsche System davonstahlen („RAB“), zu den „Börsenmaklern und Grundbesitzern, Parteibonzen und Ministern mit Aufsichtsratsmandaten, Kapitalistenkindern und Zahnärzten“ („MSZ“ zit. n. „RAB“), versteht sich von selbst. (5)

„Aber könnte man nicht das Problem umdrehen und sich fragen, ob nicht gerade der Wille, die Distanz abzuschaffen, erst die Distanz schafft? Was erlaubt es, den an seinem Platz sitzenden Zuschauer für inaktiv zu erklären, wenn nicht die vorher behauptete radikale Opposition zwischen dem Aktiven und dem Passiven? Warum setzt man Blick und Passivität gleich, wenn nicht wegen der Annahme, dass Sehen bedeute, sich des Bildes und der Erscheinung zu ergötzen ohne die Wahrheit zu kennen, die hinter dem Bild ist, und ohne die Wirklichkeit zu kennen, die außerhalb des Theaters ist? Warum das Zuhören und die Passivität miteinander verbinden, wenn nicht durch das Vorurteil, dass das Wort das Gegenteil der Handlung sei? Diese Gegenüberstellungen […] sind fleischgewordene Allegorien der Ungleichheit. Deswegen kann man auch den Wert der Ausdrücke verändern, den ‚guten‘ Term in den schlechten umwandeln, ohne die Funktionsweise der Opposition selbst zu verändern.
Man nannte früher aktive Bürger jene, die fähig waren zu wählen und gewählt zu werden, die Besitzenden, die von ihren Renten lebten und passive Bürger jene, die diesen Funktionen unwürdig waren, jene, die arbeiteten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die Begriffe können den Sinn verändern, die Positionen ausgetauscht werden, das Wesentliche ist, dass die Struktur bestehen bleibt, die zwei Kategorien in einen Gegensatz zueinander setzt: jene die eine Fähigkeit besitzen, und jene, die sie nicht besitzen.
Die Emanzipation beginnt dann, wenn man den Gegensatz zwischen Sehen und Handeln in Frage stellt, wenn man versteht, dass die Offensichtlichkeiten, die so die Verhältnisse zwischen dem Sagen, dem Sehen und dem Machen strukturieren, selbst der Struktur der Herrschaft und der Unterwerfung angehören. Sie beginnt, wenn man versteht, dass Sehen auch eine Handlung ist, die diese Verteilung der Positionen bestätigt oder verändert.“ (Jacques Rancière) (6)

 

Aktion Zaungast

(1) https://aktionzaungast.wordpress.com/2015/11/09/in-eigener-sache/
(2) Facebook Kommentar der linksjugend solid Bremer- und Cuxhavens entnommen
(3) https://linksjugendbhvcux.wordpress.com/2015/10/05/gefluechtete-sind-keine-werbetafel-fuer-waffenproduzenten-keine-instrumentalisierung-von-gefluechteten-fuer-imagezwecke-der-ruestungskonzerne/
(4) Dem ist die Aufforderung zur Auflösung der Linkspartei an und für sich und aller ihrer Gliederungen also enthalten.
(5) https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=894511467284248&id=818909851511077
(6) Rancière, Jacques (2009): Der emanzipierte Zuschauer, Wien: Passagen Verlag, S. 22.

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